Interview mit Anne Hertz

Anne_HertzUnter dem Pseudonym Anne Hertz veröffentlichen Wiebke Lorenz und Frauke Scheunemann ihre Romane. Wer kurzweilige Unterhaltung mag, der wird Anne Hertz´Romane LIEBEN!!!

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. Ich möchte mit einer Frage anfangen, die Sie sicher schon zur Genüge gehört haben: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? 

Wiebke: Ich wollte eigentlich mal Musik studieren, habe viele Jahre lang Cembalo

gespielt. Als ich siebzehn war, hat mich der Kulturchef einer Tageszeitung gefragt, ob ich vielleicht Konzertkritiken schreiben könnte. Das habe ich dann mal ausprobiert und festgestellt, dass mir das unheimlich viel Spaß macht. So bin ich dann zum Journalismus gekommen und habe auch während des Studiums immer weiter für Zeitungen und Magazine geschrieben. Der Weg zum Buch war dann gar nicht mehr so weit, und als ich dann im letzten Semester die Idee zu meinem ersten Roman – „Männer bevorzugt“ – hatte, hab ich es einfach mal versucht und es hat geklappt.

 Frauke: Ich habe während meines Volontariats beim NDR gemerkt, dass ich zwar sehr gerne texte, mir ein schönes oder spannendes Ende aber lieber ist als ein wahres. Als Journalistin nicht unbedingt optimale Voraussetzungen, als Schriftstellerin umso Bessere. Also habe ich beschlossenen, mich komplett auf die Fiktion zu konzentrieren.

 Was fasziniert Sie am Schreiben besonders?

 Wiebke: Das Besondere daran ist, dass man sich ein Stück weit aus dem Alltag wegträumen kann. Man taucht ein in die Geschichte, lebt mit seinen Figuren und begibt sich zusammen mit ihnen in eine andere Welt, die man selbst gestalten kann.

Frauke: Dito. Das ergibt sich ja auch aus dem eben Gesagten: Ich finde es toll, „Herrin“ der Geschichte zu sein, sie so zu erzählen, wie ich sie am schönsten finde.

 Haben Sie Tipps für junge Autoren?

 Wiebke: Sehr, sehr viel lesen. Und natürlich schreiben. Keine Angst vor dem leeren Blatt Papier, einfach hinsetzen und machen.

 Frauke: Wirklich zur Feder greifen: Beim Schreiben merkt man am schnellsten, wie gut die eigene Idee wirklich ist und ob sie auch noch trägt, wenn eine halbe Seite vollgeschrieben ist.

 Wie kam Ihr erstes Buch zu einem Verlag? Bekamen Sie zunächst stapelweise Absagen von Verlagen oder wurde Ihnen gleich ein Vertrag angeboten?

 Wiebke: Für meinen Erstling „Männer bevorzugt“ habe ich 23 Absagen bekommen, bis der Rowohlt Verlag es genommen hat. Ich war da schon ziemlich hartnäckig und habe nie aufgegeben.

 Frauke: Ich darf mich rühmen, insofern dazu beigetragen zu haben, als dass Wiebke die besagte Rowohlt-Lektorin immerhin auf einer Party kennen gelernt hat, auf die ich sie mitgeschleppt habe. Eigentlich wollte ich Wiebke verkuppeln. Die Typen fand sie dann alle doof – zu viele Juristen für ihren Geschmack. Bei der Lektorin aber hat´s geschnackelt.

 Hat Sie der Erfolg überrascht und wie sind Sie anfänglich damit umgegangen „berühmt“ zu sein, zumal ihre Werke ja unter Pseudonym veröffentlicht werden.

 Wiebke: Der Erfolg von Anne Hertz hat uns tatsächlich überrascht, aber wir haben uns natürlich unheimlich gefreut. Und was das „berühmt sein“ betrifft – wir sind ja keine Schauspieler, die jeder erkennt oder so. Und auch, wenn man jetzt weiß, wer hinter dem Pseudonym steckt, denke ich, dass wir für die meisten Leute weiterhin einfach Anne Hertz oder die Anne Hertz-Schwestern sind. Hin und wieder kommen Autogrammanfragen, aber das war’s dann auch schon, bisher laufe ich morgens immer noch in Jeans und Schlabbershirt zum Bäcker.

 Warum haben Sie sich überhaupt für ein Pseudonym entschieden und wie entstand der Name „Anne Hertz“?

 Frauke: Wir wollten einen gemeinsamen Namen, unter dem wir schreiben, also war klar, dass es ein Pseudonym sein wird. Wie wir auf Anne Hertz gekommen sind, weiß ich gar nicht mehr so genau, der Name ist uns einfach irgendwie eingefallen und wir fanden, dass er sehr gut zum Genre passt.

 Beschreiben Sie doch bitte wie ihre Zusammenarbeit aussieht. Wer schreibt was und gibt es Rituale? Schreiben Sie zu festen Zeiten?

 Frauke: Generell kann man sagen, dass Wiebke für die Romantik zuständig ist und ich für den „Alltag“. Das liegt daran, dass Wiebke ein begnadetes Händchen für die Geigenmusik im Hintergrund hat. Wenn sie mir vorher davon erzählt, denke ich oft „Auweia, jetzt kommt´s ganz dicke“, aber wenn ich es dann lese,  finde ich es auch immer sehr herzergreifend. Ich hingegen habe mich als Juristin schon durch ordentlich fiesen Bürodschungel gekämpft, da kann die Anne in ihren Romane noch mit der ein oder anderen Anekdote aus dem Alltag der berufstätigen Frau aufwarten.

 Wiebke: Die Zusammenarbeit funktioniert dann so, dass wir uns zusammen die Geschichte von Anfang bis Ende ausdenken. Steht die Handlung, schreiben wir getrennt voneinander Kapitel für Kapitel, fügen die Texte zwischendurch zusammen, überarbeiten uns gegenseitig, dann schreiben wir die nächsten Kapitel, bis wir fertig sind und den Roman mehrfach noch einmal gegenseitig überarbeiten.

 „Trostpflaster“ handelt von einer Trennungsagentur. Was würden Sie denken, über solch eine Agentur vom Ende ihrer Beziehung zu erfahren?

Frauke: Nachdem ich seit dreizehn Jahren verheiratet bin und unser viertes Kind unterwegs ist, würde ich mir doch wünschen, dass mein Mann es mir persönlich mitteilt, wenn er plant, mich zu verlassen – damit ich ihm dann auch persönlich die Hölle heiß machen kann! Nein, ernsthaft, in heutigen Zeiten gibt es ja alles Mögliche, was man sich durch Dienstleister abnehmen lassen kann – aber meiner Meinung nach gehört das Beenden einer Beziehung dann doch noch zu den Dingen, für die jeder selbst den Mut haben sollte. Alles andere ist respektlos.

(Anmerkung von mir: Liebe Frauke herzlichen Glückwunsch und alles Gute fürs Baby!!)

 Wiebke: Das sehe ich ähnlich. Feigheit ist da nicht angesagt. Wenn man einen Menschen mal geliebt hat, hat er es verdient, dass man selbst mit ihm redet, falls es nicht mehr so sein sollte. Sicher, keine angenehme Sache – aber so viel ist man dem Partner doch wohl schuldig.

 Wiebke, ist bereits ein weiterer Roman in Planung? Verraten Sie uns, worum es darin geht?

 Wiebke: Wir haben gerade den fünften Anne-Hertz-Roman beendet. Der Titel ist „Goldstück“ und es geht darin um die Frage, ob unsere Wünsche wirklich Wahrheit werden können. Ich zitiere einfach mal aus dem vorläufigen Klappentext:
Das Leben ist kein Wunschkonzert – oder etwa doch? Maike hat das Gefühl, vom Pech verfolgt zu sein: Warum sonst sollte ihr Freund sie verlassen haben? Und warum bricht ein Jahrhundertsommer an, kaum dass sie am Umsatz eines Sonnenstudios beteiligt ist? Doch manchmal muss man sich etwas nur wirklich wünschen, um es zu bekommen – denn Wünsche können ungeahnte Kräfte freisetzen. Aber sie haben auch erstaunliche Folgen …

 Plant ihr für die Zukunft auch weitere „Einzelprojekte“?

Wiebke: Ja, ich habe gerade einen Roman beendet, der nächstes Jahr unter meinem Namen erscheinen wird. Es handelt sich um ein Psychodrama, ist also etwas völlig Anderes als die Anne Hertz-Bücher.

 Frauke: Auch von mir erscheint demnächst ein „Einzelstück“, allerdings bleibe ich der Unterhaltung treu: Im Frühjahr kommt von mir mit „Dackelblick“ ein Roman aus der Sicht eines kleinen Hundes erzählt heraus.

 Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Schreiben ist …   

Wiebke: … die beste Art, in einen Rausch zu kommen, ohne dass man hinterher einen Kater hat.

 Frauke …ein riesengroßes Glück – vor allem, wenn es hinterher auch gelesen wird!

 Vielen Dank für dieses Interview und alles Gute für all Ihre neuen Projekte.
© Ricarda Ohligschläger
Foto © Iris Terzka

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