Interview mit Sabine Wassermann

wassermann fotoLiebe Frau Wassermann, vielen herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für die Beantwortung der Fragen nehmen.
Ich habe gelesen, Sie haben Kunst studiert. Wie kommt man denn darüber zum Schreiben?

 Eigentlich gar nicht, der gemeinsame Nenner ist wahrscheinlich einfach nur ein gewisses Potential an Kreativität. Dass ich mich früher ausgiebig mit Zeichnen und Malen beschäftigt habe, hat, vermute ich, sogar verhindert, mein Schreibtalent zu entdecken. Ich war immerhin 23 Jahre, bevor ich auf die Idee kam, die ersten Zeilen zu schreiben.

Gehen Sie auch heute noch der Malerei / Kunst nach oder schreiben Sie nur noch?

 Die Malerei ist schon sehr stark vernachlässigt. Ich nehme mir da immer mehr vor, als ich dann wirklich tue. Schreiben macht einfach mehr Spaß.

 Haben Sie auch schon Cover der Bücher selbst entworfen?

 Ja, für mein erstes, den „Achill“, das war damals mein Lieblingsthema, das mich zum Schreiben animiert hat. Wenn man noch träumt und alles ganz wunderbar und neu ist, möchte man es ja am liebsten perfekt haben, und das Cover selbst zu malen, gehörte zu diesem Traum. Es hatte allerdings auch einen praktischen Grund: Ich wollte verhindern, dass eine klassische griechische Vasenmalerei oder ein barockes Gemälde zum Einsatz kommt. Ich fand nämlich alle derartige Darstellungen von Achilleus einfach schrecklich! Dann habe ich noch das Cover zu „Goldhorus“ gemalt. Danach habe ich nichts mehr in der Richtung unternommen, weil es zeitlich mit der Nachbearbeitung des Manuskriptes kollidiert und die Verlage einem für dieses Ansinnen auch nicht um den Hals fallen. Im Nachhinein glaube ich auch nicht, dass meine Cover dadurch bessere geworden sind. Für einen Fantasyroman könnte ich es mir aber schon nochmal vorstellen.

Wie kam es, dass Sie vom historischen Roman zur Fantasy gekommen sind? Gab es einen bestimmten Auslöser dafür?

 Ich hatte für mein zweites Buch wieder eine Geschichte aus der griechischen Sagenwelt gewählt, eine unbekanntere und auch fantastischere, die von den Sieben gegen Theben und ihren Epigonen. Hauptfigur war eine Nymphe, der ich die Fähigkeit andichtete, Wasser aus dem Nichts zu erschaffen. Die Sache war allerdings ziemlich unausgereift, der Verlag wollte das nicht machen. So lag es ewig in der Schublade, bis ich mich irgendwann daran erinnerte und dachte, dass man ja einen Fantasyroman daraus machen könnte. So war es dann allerdings nicht, denn bis auf die Fähigkeit der Heldin blieb nichts mehr von der ursprünglichen Geschichte übrig.

 Gibt es da eine Vorliebe Ihrerseits oder wechseln Sie gerne zwischen diesen Genres hin und her?

 Beides hat seine Vorzüge. Der historische Roman reizt mich, weil man versucht, in eine Welt, die es so gegeben hat, abzutauchen und für den Leser erlebbar und nachvollziehbar zu machen. Er reizt, weil man sich aufgrund der vielen Eckdaten in einem engen Rahmen bewegt. Den dann auszufüllen, sich von diesen Eckdaten, die manchmal Hürden darstellen, auf neue Ideen bringen zu lassen, kann ein großartiges Erlebnis sein. Kleine Schätze gräbt man da aus, die sich wie fehlende Puzzleteile einarbeiten lassen. Die Fantasy reizt natürlich aus dem umgekehrten Grund: Man ist frei, alles so zu entwerfen, wie man es braucht. Da bleiben dann zwar die Recherche-Erfolgserlebnisse aus, aber dafür macht die Recherche natürlich grundsätzlich weniger Arbeit. Das ist auch mal angenehm. Und natürlich sind den übernatürlichen Elementen keine Grenzen gesetzt. Wobei ich es mag, wenn sich das in engen Grenzen bewegt. Magie, die die vielfältigsten Dinge kann, ist eher nicht mein Ding.

 Aus welchem Genre wird Ihr nächster Roman kommen? Ein historischer Roman oder eher ein Fantasy-Roman oder vielleicht etwas ganz anderes? Möchten Sie etwas über die Handlung verraten?

 Ich sitze derzeit am nächsten historischen und an einem Fantasyentwurf. Und weil das alles noch eine Weile braucht, habe ich mal einen Ausflug in ein ganz anderes Genre gewagt: Erotik im historischen Gewand. Der spielt im alten Ägypten zur Zeit der Eroberung durch die Assyrer. Eine klassische Geschichte: Der Held stammt aus dem Eroberervolk, die Heldin ist eine besiegte Ägypterin, was zu allerlei Reibungen und Komplikationen führt. Ja, das mein vierter Ägyptenroman ein erotischer wird, hätte ich mir auch nicht träumen lassen … Wer so etwas mag, sollte nächsten Sommer nach „Laura Simon“ Ausschau halten.

Wie oder wonach entscheiden Sie, ob Sie als nächstes eher einen Roman aus dem Fantasy- oder dem historischen Bereich schreiben werden?

 Ganz wie ich Lust und gute Ideen habe. Manchmal wecken andere Bücher auch ein „Sowas will ich jetzt auch“-Gefühl. Die meisten Ideen muss man aber doch erstmal in die Ecke stellen.

Wird es eine Fortsetzung nach „Die eiserne Welt“ geben?

 Nein, diese Geschichte ist erzählt. Für mich selbst habe ich sie schon ein bisschen weitergesponnen, denn es ist mir doch schwer gefallen, meine Figuren loszulassen. Aber das taugt nicht für ein drittes Buch.

Welches Genre bevorzugen Sie selber beim Lesen? Und welches Buch lesen Sie im Moment?

 Zu 80% lese ich historische Romane. Fantasy eher selten, weil es nicht so viele Welten und Themen gibt, die mir zusagen, und weil Vieles als Trilogie ausgelegt ist, ich mir aber gar nicht so sicher bin, ob ich mich so lange an eine bestimmte Geschichte binden lassen will. Ich vergesse auch recht schnell recht viel, und dann wird es schwierig, wieder einzusteigen. Zur Zeit lese ich aber den letzten Band einer sehr schönen Trilogie: „Die Königin der Quelle“ von Heide S. Göttner.

Während Sie an einem Roman schreiben, lesen Sie in dieser Zeit auch Bücher mit demselben Thema? Oder würde das zu sehr ablenken?

 Nein, das mache ich sehr gern. Es hilft mir, noch weiter in meine erwählte Zeit vorzudringen. Zumindest was historische Romane betrifft, bei der Arbeit zu meiner Fantasyduologie habe ich keine andere Fantasygeschichte gelesen.

 Schreiben Sie auch schon mal parallel an zwei Romanen?

 Nein, das geht gar nicht. Schreiben bedeutet für mich, ganz und gar in eine Geschichte abzutauchen, mich mit diesen Figuren und ihren Schicksalen zu beschäftigen. Da kann ich nicht einfach sagen, jetzt am Abend tauche ich in die andere Geschichte ab und morgen Mittag wieder in die andere. Was geht und auch unabdingbar ist: eine Arbeit eine Zeitlang unterbrechen, um eine andere fortzuführen. Der Wechsel ist zwar auch erstmal unangenehm, aber das schaffe ich inzwischen.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration für die Geschichten? Und was fasziniert Sie beim Entwickeln der Figuren?

Ich kann im Nachhinein immer schwer sagen, woher die Ursprungsidee kam. Wenn die erstmal da ist, setzen sich die Gedanken, die die Geschichte bauen, wie Ranken daran fest. Ich muss es nur schaffen, die Gedanken schweifen zu lassen, idealerweise klappt das beim Autofahren. Natürlich habe ich Vorlieben, die ich einzubauen versuche: der äußerlich starke und schöne, innerlich verletzte oder sogar verkorkste Krieger ist zum Beispiel so eine Lieblingsfigur. Steht die Hauptfigur, werden die anderen darum herum entwickelt – das passiert nicht einfach so, sondern ist durchaus durchgeplant, damit Gegensätze und Konflikte entstehen. Irgendwann sind die Leute dann hoffentlich so plastisch, dass ich sie liebgewinne und mich mit ihnen auch beschäftige, wenn ich nicht schreibe. Wenn das passiert, weiß ich, dass es eine gute Geschichte ist.

 Könnten Sie sich vorstellen, in dem Bereich der Fantasy auch eine Art Comicbuch zu gestalten?

 So etwas habe ich früher als Jugendliche tatsächlich mal gemacht: Conan als Comic. War natürlich nichts Gescheites … Ach, wenn ich mir vorstelle, Grazia und Anschar, mein Heldenpärchen aus dem „Gläsernen Tor“ als Comic – schön. Da ich aber weiß, dass ich so etwas nie zufriedenstellend hinbekäme, lasse ich es lieber.

 Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Schreiben ist …

 … anerkannter Eskapismus.

 Vielen Dank Frau Wassermann,  ich bedanke mich noch einmal herzlich!!

 Ich bedanke mich ebenfalls, es hat sehr viel Spaß gemacht!
© Ricarda Ohligschläger

Das signierte Buch geht an Melanie G. Herzlichen Glückwunsch!!

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