Ulrike Schweikert – Das Herz der Nacht

8223_LYX_VS_Schweikert_HerzderNacht_F30Wien im 19. Jahrhundert.
Graf András Báthory wird auf den glanzvollen Bällen am kaiserlichen Hof von der Damenwelt umschwärmt. Sein Charme und seine Anziehungskraft vereint alles was Frauenherzen begehren – nur dass er vor vielen Jahren schon sein Blut und sein Leben gegen ein Dasein in Dunkelheit einbüßen musste.
Doch erst Fürstin Kinsky berührt sein Herz. Die Fürstin fühlt sich auf unheimliche Art magisch zu András hingezogen und er erlebt mit ihr die Faszination von geistreicher Unterhaltung und gesellschaftlichem Amüsement.
Mehr durch Zufall begegnet der Graf zusätzlich der jungen Pianistin Karoline Wallberg. Gefangen in den gesellschaftlichen Fesseln des 19. Jahrhunderts hütet sie ihre blinde, uneheliche Tochter wie ein dunkles Geheimnis. Dem ungeachtet findet die kluge Sophie schnell einen Freund in dem Grafen.
Unterdessen erschüttern grausame Morde die Stadt und alles deutet auf einen weiteren Vampir hin, der sein Unwesen treibt.

Die Kurzbeschreibung und die opulente Umschlaggestaltung dieses Buches hat mich sofort angesprochen und ich wurde nur durch das Ende enttäuscht. Nicht es etwa schlecht geschrieben war, sondern weil ich mich leider von einem Grafen verabschieden musste, der auch mich fasziniert und in seinen Bann gezogen hat. Ich hätte gerne ebenso wie Fürstin Kinsky seine kalte, marmorgleiche Haut berührt und mich mit ihm auf den prunkvollen Bällen zum Walzertakt gedreht.
Konnte ich doch beim Lesen schon fast die Musik hören, denn Ulrike Schweikert hat es geschafft, diese Zeit bildgewaltig und geradezu kunstvoll zu beschreiben.
Mit ihrem Schreibstil nimmt sie den Leser mit in eine Zeit des Prunkes aber auch der gesellschaftlichen Schattenseiten. So ist es Karoline nicht vergönnt ihre Kompositionen selbst vorzutragen, während ihr Bruder Carl Eduard sich an ihrer Stelle vom Publikum feiern lässt.
Die Persönlichkeiten sind facettenreich beschrieben und wachsen einem schnell ans Herz. Natürlich nicht alle, denn weder Fürst Ferdinand noch Karolines Vater konnten mich mit ihrem machthabenden Geprotze motivieren.
Ich habe beim Lesen mitgefiebert und gebangt, ich habe mich im wahrsten Sinne des Wortes fürstlich über Therese amüsiert, wie sie mal zart und mal ungestüm dem Grafen entgegen kam. Ob mit Worten oder körperlich.

Schon der Prolog macht Lust auf mehr und reißt hinein ins Geschehen. Die einzelnen Kapitel des Buches befassen sich jeweils intensiv mit einem der Protagonisten oder einem Geschehen und sind dementsprechend betitelt. Neben den zum Teil sehr kunstvollen Sätzen

z.B. Seite 13 „…..Doch das Einzige, was der Himmel ihr schickte, war ein kaltes Leichentuch, das lautlos ihren blutig zerfetzten Körper einhüllte, bis kein Blut mehr zu sehen war.“

Seite 457 „…das Feuer ging als Sieger aus diesen Kampf hervor.“

kommt aber auch die Spannung nicht zu kurz und der Leser wird geschickt auf eine falsche Fährte gelockt.
Dieser Roman ist sowohl für Fans historischer Romane geeignet als auch für Freunde der Fantasy. Natürlich geht es wie in vielen anderen Erzählungen auch hier um den Kampf zwischen Gut und Böse. Aber zudem ist es Ulrike Schweikert gelungen Fiktion und Realität eindrucksvoll zu vernetzen. So begegnen dem Leser neben Franz Grillparzer seine ewige Braut Katharina Fröhlich, die Weltreisende Ida Pfeiffer und die Schriftstellerin Karoline Pichler.
Ich würde zu gerne wissen ob und wie es mit András Petru Báthory bzw. Peter von Borgo weitergeht und ich hoffe ich muss nicht allzu lange darauf warten.

Ulrike Schweikert hat sich mit historischen Romanen einen Namen gemacht und bereits vor der großen Renaissance des Vampirromans einen Leidenschaft für dieses Genre gehegt. Für „Das Herz der Nacht“ hat sie sich die prunkvolle Kulisse Wiens ausgesucht und ich bin mir sicher, dass ihr noch viele Leser dahin folgen werden.

Fazit: Ein kunstvolle, spannungsgeladene Geschichte die Leidenschaft und dunkle Nuancen perfekt vereint.

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