Interviews mit Autoren

Interview mit Martina André

martina andreWelchen Weg mussten Sie gehen, um Schriftstellerin zu werden?

Schreiben – und sonst nichts. Entgegen mancher Vorstellungen glaube ich nicht, dass man Schriftstellerin werden kann. Man ist es oder man ist es nicht, ganz gleich ob man Germanistik, Literatur oder sonst was studiert hat oder eben auch nicht – schon gar nicht bedarf es einer Veröffentlichung – man muss nur regelmäßig etwas zu Papier bringen – oder in den Computer hacken, Freude daran haben und es nicht mehr lassen können…

 Wenn die Frage darauf abzielt, wie ich dazu gekommen bin, zu schreiben – so kann ich sagen, dass ich schon als Kind kleine Geschichten verfasst habe – mit Sechzehn habe ich es leider wieder aufgegeben (nachdem ich keinesfalls riskieren wollte, dass es andere lesen…) und mit Zweiundvierzig hatte ich nach der Lektüre von ein paar (für mich) beeindruckend spannenden Büchern plötzlich den Wunsch, mir wieder meine eigenen Geschichten zu erzählen. Danach habe ich mich – sozusagen über Nacht  und zur großen Verwunderung meiner Familie – auf unseren Dachboden gesetzt und angefangen, jede freie Minute in meine Templerstory zu investieren.

Danach ging alles wie von selbst. Ich fand alle Zutaten (und alle Helfer) , die ich benötigte auf eine zugegebenermaßen magische Weise (alles, was ich wissen wollte, strömte zu mir hin bzw. ich fand nach und nach entsprechende Orte, die meine Story auf seltsame Weise realistisch erscheinen ließen) – zu gegebener Zeit traf ich (zufällig) auf eine freundliche Autorin, die mir ihre Agentur empfahl und nachdem ich auf ihr Anraten dort mein Manuskript eingereicht hatte, musste ich  (nachdem mein eigentliches Manuskript für den Anfang zu umfangreich war) „nur“ noch schnell einen Kirchenthriller schreiben, um veröffentlicht zu werden  („Die Gegenpäpstin“) und Schwupps war ich allem Anschein nach das, was sich die Allgemeinheit unter einer  Schriftstellerin vorstellt… (nein – ganz so einfach war es natürlich nicht – Schreiben erfordert trotz aller Begeisterung verdammt viel Disziplin, wenn man ein fertiges Buch produzieren möchte und die uneingeschränkte Fähigkeit zur Selbstkritik – was manchmal ganz schön nervig sein kann … ).

 Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Romane z.B. beim Buch „Das Rätsel der Templer“? Was ist der Auslöser? Ein interessanter Artikel oder mal ein Buch von einem Kollegen, das dann aber den Anstoß für eine andere Richtung gibt?

Die Grundidee zu „Das Rätsel der Templer“ stammt aus meiner Jugend. Ziemlich genau mit 8 Jahren hörte ich zum ersten Mal die Heimatgeschichte des „Mönchs von Heisterbach“, der an Gott zweifelte und in einen Wald ging, um darüber nachzudenken, was Petrus wohl mit dem Ausspruch gemeint haben könnte „Für Gott sind ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag“. Als der Mönch müde wurde, setzte er sich auf einen Baumstamm und schlief ein – als er erwachte musste er feststellen, das tausend Jahre vergangen waren und ihn niemand mehr erkannte, als er ins Kloster zurückkehrte.

Seitdem liebe ich Zeitreisegeschichten – und da es bei den Templern Unmengen an Geheimnissen gibt und bei der anschließenden Recherche – zufälligerweise – unzählige, merkwürdige Parallelen auftauchten, hat sich die Story letzten Endes wie von selbst erzählt.

Ich hatte schon nach kurzer Zeit das Gefühl, dass sich der „Film“ in meinem Kopf verselbstständigte und ich nur mitschreiben musste.

Nun ja – wer es genau wissen will, sollte das Buch lesen – es ist recht nahe an der Realität geschrieben – auch wenn es kaum zu glauben ist.

Die Idee zu „Schamanenfeuer – das Geheimnis von Tunguska“ – entstammt der tatsächlich am 30. Juni 1908 erfolgten Katastrophe von Tunguska/Sibirien – deren Auslöser bis heute unbekannt ist. Dieses Thema reizte mich schon lange und meine eigenen Gedanken und Ideen dazu veröffentlichen zu können, war eine tolle Sache. „Die Teufelshure“  spiegelt meine Faszination fürs historische Schottland wieder und meinen Spaß an „schrägen“ Action-Geschichten.

Schreiben Sie mit einer bestimmten Regelmäßigkeit z. B. bestimmte Anzahl Seiten je Tag oder Woche?

Im Moment schreibe ich nur E-Mails – nach einem monatelangen Schreibmarathon benötige ich eine kleine Verschnaufpause. Ansonsten schreibe ich ziemlich schnell und ziemlich viel, wenn ich ein Ziel vor Augen habe. Zehn bis fünfzehn Seiten pro Tag sind nicht selten (am Wochenende). Unter der Woche – wenn ich nebenbei noch anderweitig eingebunden bin, werden es selten mehr als drei Seiten pro Abend.

Mir gefällt die Rechercherubrik auf Ihrer Website. Hatten Sie selbst die Idee dazu oder sind Sie von vielen Lesern danach gefragt worden? Sind Sie an allen Orten selbst gewesen?

Die meisten Orte habe ich selbst besucht (wenn mir etwas fehlt, helfen mir Freunde mit ihren Infos aus) zudem fotografiere ich sehr gern – meist Landschaftsbilder. Irgendwann kam mir die Idee, auch meine LeserInnen an den Originalschauplätzen der Storys und deren geschichtliche Hintergründe teilhaben zu lassen. Glücklicherweise habe ich einen talentierten Sohn, der nicht nur die Musik zu meinen Recherchetrailern komponiert, sondern auch meine Bilder in ein passendes Video verwandelt, bzw. meine gesamte Website regelmäßig auf Vordermann bringt.

Habe vorhin im Buchladen in einem Prospekt die Vorankündigung für Ihr neues Buch gesehen, dass jetzt bald erscheint. Wird es auch als ungekürztes Hörbuch bei Radioropa erscheinen? Ich finde es nämlich toll, dass die
anderen Bücher als ungekürzte Hörbücher verfügbar sind.

 Es wird als Hörbuch sogar vor dem Buch erscheinen. Und ja – Radioropa Hörbuch produziert ausschließlich ungekürzte Hörbücher. Ich finde das prima, weil in meinen Büchern manchmal entscheidende Sätze zu finden sind, die  man nicht einfach wegkürzen kann, ohne den Sinn zu verändern. Das würde bedeuten, ich müsste selbst kürzen, damit nichts von Bedeutung verloren geht –  eine ziemliche Zusatzarbeit, die ich mir nur zu gerne erspare.

Wie sind Sie auf die Idee zu Ihrem neusten Buch gekommen?

Es gab verschiedene Gründe. Schottland ist wie meine zweite Heimat. Ich bin mehrmals im Jahr dort. Die Gegend um Glencoe und Loch Leven (Westhighlands) ist mir sehr vertraut und ich wollte schon immer gerne mal eine Geschichte schreiben, die dort spielt. Eine sehr gute Freundin hat dort ihre Wurzeln und sie und ihr Mann haben mir diesen Sommer mit dem Besuch der Gräberinsel St. Munda einen lang gehegten Herzenswunsch erfüllt. Das Thema Unsterblichkeit fasziniert mich als „Zeitreisende“ schon lange – und klar – ich liebe Highlanderstorys (hab sogar mal einen Anfängersprachkurs in der Schottisch-Gälisch-Uni auf der Isle of Skye absolviert). Da war es nur noch ein kleiner Schritt zur vorliegenden Geschichte, in die ich dann auch noch meine schottische Lieblingsstadt – Edinburgh – einbauen konnte.

Wer hat den Titel „Die Teufelshure“ ausgesucht, Sie selbst oder
jemand vom Verlag?

„Die Teufelshure“ – ist ein reines Autorinnenprodukt. Obwohl – ich geb‘s zu – manch einer vielleicht glauben mag, es sein ein reißerischer Titel, der mir vom Verlag aufgedrängt wurde. Aber das trifft absolut nicht zu. Vielmehr begegnete mir dieser Titel während meiner Recherche in Schottland. In Channel 4 lief gerade „The Devil’s Whore“ – ein wunderbarer  historischer Fernsehfilm, dessen Kostüme und die historischen Hintergründe zum englischen Bürgerkrieg Mitte des siebzehnten Jahrhunderts sehr inspirierend auf mich wirkten. Da es in meinem Buch nicht nur um Hexerei geht (Der Begriff „Teufelshure“ ist ja ein altes Synonym für „Hexe“) sondern auch um den Teufel und die Verführungskraft einer – angeblich – von ihm beherrschten Frau – war die Entscheidung schnell getroffen. Der Verlag hat sich den Titel dann gleich in seiner deutschen Übersetzung schützen lassen – und bitte sehr – da ist er.

Ist eine Lesereise geplant, um „Die Teufelshure“ vorzustellen?

Nein –  zurzeit ist keine Lesereise geplant – und dafür gibt es mehrere Gründe. Ein ganz banaler Grund  ist, dass ich beruflich noch anderweitig eingebunden bin und es zeitlich kaum durchführbar ist – neben Job, Schreiben (Recherche) und Haushalt auf längere Lesereisen zu gehen.

Trotzdem wird es ein paar kleine, feine Termine geben.

Am 18.10.2009 sind wir (die Schauspielerin Anja Bilabel – die um ein vielfaches besser liest…  und ich…) beim Focus-Hörbuchforum  auf der Frankfurter Buchmesse in Halle 4.1 B 139  von 16:15h – 17:15h zu sehen und zu hören.

Am 24.10.2009 gibt es eine große Lesung zu Templern, Schamanen und Alchemisten (Teufelshure) in Mayen auf der Genovevaburg beim Festival der Magie http://www.mayen.de/deutsch/frameset-1-0-0-706.html  (was mich besonders freut, weil die Burg in der Templerstory vorkommt).

Am 30.10.2009 gibt es eine Lesung zur „Teufelshure“ in der Buchhandlung Ludwig in Leipzig am Bahnhof (eine der seltenen Veranstaltungen, wo ich selbst lese – lassen wir uns überraschen…).

Am 14.11.2009 gibt es eine öffentliche Lesung aus der „Teufelshure“ bei der „Historica“ – dem Jahrestreffen des Autorenkreises „Quo Vadis“ in Hamburg. Und Ende November (genauer Termin steht noch nicht  ) – werden wir in der Schweiz zu sehen und zu hören sein.

Wird es irgendwo eine Leserunde zu Ihrem neuen Buch geben? Bücher zum Thema Schottland reizen mich immer besonders und eine Leserunde mit Autorin wäre genial.

Es sind Leserunden geplant – eine davon beim Diana Gabaldon Forum (wo auch sonst? :o)…) in Steffis Bücherkiste ab dem 16.11.2009 und eine weitere Leserunde bei Lies und Lausch  ab dem 20.11. 2009.

Arbeiten Sie bereits an einem neuen Buch und können Sie schon verraten, worum es in Ihrem nächsten Buch gehen wird?Wenn alles klappt, wird 2011 eine Fortsetzung zu „Das Rätsel der Templer“ erscheinen – ich stehe zurzeit quasi schon wieder bis zu den Knien im Mittelalter und in der Kreuzzugsproblematik.

 

Welche Literaturgattung lesen Sie privat am liebsten? Und welches Buch lesen Sie gerade?

Mein persönlicher Lesekonsum spiegelt sich recht deutlich in meinen eigenen Büchern wider. Es ist eine eigentümliche Mischung aus so ziemlich allem. Wobei ich es liebe, wenn  Storys möglichst realistisch geschrieben sind und mir die Charaktere authentisch erscheinen.

Schreibtechnisch beeindruckt haben mich in jedem Fall Diana Gabaldon (von ihr würde ich so ziemlich alles lesen, weil es so plastisch wirkt), Wilbur Smith (ein südafrikanischer Autor, der seine Storys beeindruckend realistisch darstellt und dabei wenig Rücksicht auf die Gemütslage seiner Leser nimmt – ganz gleich wie aufregend, erschreckend oder anzüglich seine Beschreibungen auch sind), T.C. Boyle (amerikanischer Autor – seine Texte und Themen sind unglaublich abwechslungsreich), Bernard Cornwell (englischer Autor – ich liebe seine Uthred-Saga – weil sie so echt wirkt und der Held humorvoll und super sympathisch ist).

 Welche Themen / Personen würden Sie gerne in zukünftigen Werken aufgreifen?

 Ich habe noch was über „Germanen“ in der Schublade liegen – ich wüsste gerne mehr über unsere Vorfahren (ich wohne nicht weit entfernt vom Limes) und warum müssen es immer Wikinger, Römer oder Ritter sein, die für Action und Spannung gut sind?

 Ich habe gelesen, dass Sie hauptberuflich Bundesbeamtin sind. Wie vereinbaren Sie Ihren Job mit dem Schreiben und dem Familienleben?Job und Schreiben sind strikt getrennt. Für Schreiben und Recherche verwende ich beinahe meine gesamte Freizeit  – und meine Familie unterstützt mich dabei.

 

 Sie schreiben historische Romane mit einer gehörigen Portion Mystik. Haben Sie eine besondere Beziehung zu mystischen Dingen?

Mir wird manchmal nachgesagt, ich hätte eine hellseherische Ader. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Bei allen Büchern hatte ich während des Schreibens mystisch anmutende Erfahrungen, die mich regelrecht verblüfft haben (Alleine darüber könnte ich ein spannendes Buch schreiben). Seitdem  interessiere ich mich vermehrt für unerklärlichen Begebenheiten  – will mich aber nicht festlegen, ob sie tatsächlich mystisch sind, solange ich nicht weiß, ob es nicht doch eine wissenschaftlich begründbare Erklärung dafür gibt. In meinen Storys versuche ich  diese Gegensätzlichkeit miteinander zu verbinden, indem ich bei aller Mystik einen wissenschaftlich „realistischen“ Kern suche.

Könnten Sie sich vorstellen auch ein Buch in einem völlig anderen Themenbereich zu schreiben?Nachdem ich aus dem Stand einen Kirchenthriller geschrieben habe und vorher eine – auch von Genre-Kennern – anerkannte Templerstory, danach zu tungusischen Schamanen gewechselt bin und nun einen etwas anderen schottischen Highlander-Roman veröffentliche, kann ich mir so ziemlich alles vorstellen – allerdings glaube ich mittlerweile, dass die Geschichten zu mir kommen und nicht umgekehrt – also lassen wir uns überraschen, was mich als nächstes „heimsucht“ ;o) … .

 

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Schreiben ist …Selbsterkenntnis.© Ricarda Ohligschläger
Das signierte Buch geht an Andrea S.

 

Liebe Martina vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben diese Fragen zu beantworten und danke für die interessanten Einblicke ins Autorenleben.