Lena Falkenhagen – Die Lichtermagd

Nürnberg im Jahre 1349: Die nach der heiligen Luzia benannte Christin Luzinde, lebt in einem Beginenkloster. Niemand ahnt, dass sie ein uneheliches Kind hat, welches ihr direkt nach der Geburt von Nonnen genommen wurde. Ihr Geheimnis lüftet sich, als die Margaret, die Witwe des mittlerweile verstorbenen Kindesvaters Konrad, ebenso im Kloster einzieht.
Luzinde glaubte einst, dass Konrad ihr die Hand zur Ehe reichen würde, doch er war schon lange an Margaret versprochen.
Luzinde muss das Kloster nun verlassen und verliert somit nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern sie muss auch Anna und Thomas, mit denen sie eine tiefe Freundschaft verband, verlassen. Ihr Weg führt sie nach Nürnberg, wo sie eine Anstellung sucht und durch Umwege in das Haus des alten Juden Gottschalk gelangt. Die Gebräuche der Familie machen Luzinde anfangs große Angst, doch nach und nach beginnt sie Gottschalk zu vertrauen….
Doch bald wendet sich das Blatt und das Schicksal hunderter Nürnberger Juden liegt in Luzindes Hand.

Lena Falkenhagen hat sich in ihrem Roman einem besonders grausamen Teil der Nürnberger Geschichte gewidmet: des Pogroms im Jahre 1349.
Während Falkenhagen Luzinde und Wenzel als fiktive Charaktere in die Handlung eingefügt hat, entsprechen die Stromers, Gottschalk von dem Steyne und viele andere Figuren historischen Persönlichkeiten.
Luzinde lernt schnell die Unterschiede zwischen Christen und Juden, und auch als Leser wird bemerkt man diese schnell, denn die Autorin lässt den jiddische Dialekt in den Dialogen mit einfließen.

Die Juden wurden in Nürnberg nur geduldet und das spiegelt sich in vielen Szenen dieses Buches wieder. So begegnet Luzinde, gekleidet als Jüdin, die Boshaftigkeit eines Wirtes, der die Bewirtung der jüdischen Gäste nicht in seinem Gasthaus vornehmen möchte.
Doch die Grausamkeiten steigern sich, als der Rat der Stadt beim König, den Bau eines neuen Marktplatzes durchsetzt.
Dieser soll nämlich inmitten der Stadt erschaffen werden, dort wo das Judenviertel steht und dafür schrecken Stromer und sein Gefolge vor nichts zurück. Verfolgung, Plünderung und Mord – die blutigen Szenen erschütterten mich zutiefst und ich war angeekelt von der Grausamkeit und der Kaltherzigkeit derer, die sich zwar Ritter nannten aber eher wie rohes Pack handelten. Und habe ich mir bei anderen historischen Romanen sagen können, dass dies ja nur Fiktion ist, so schildert die Autorin hier ein wahres Verbrechen.

Die gründliche Recherche und auch das historische Nachwort runden die Handlung ab. Allerdings kann man in diesem Falle nicht von einem Lesevergnügen versprechen, da viele Szenen sehr grausam sind. Doch darauf zu verzichten wäre gleichzusetzen mit einem Augenschließen vor der Realität.
Wer also ein handlungsreiches, fesselndes und wahres Stück Geschichte erleben möchte, dem ist dieses Buch nur ans Herz zu legen.

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