Jean-Louis Fournier – Wo fahren wir hin, Papa?

Wir hatten uns den Himmel auf Erden für euch gewünscht, und stattdessen ist er euch auf den Kopf gefallen.

Schon nach der zweiten, gelesenen Seite, hatte ich einen dicken, fetten Kloß im Hals. Und die ganze Zeit des lesens, fragte ich mich, ob es jetzt lustig sein soll, oder eher traurig. Auf alle Fälle ist es anders – heftiger!
Jean-Louis Fournier ist französischer Schriftsteller,  und  Regisseur, der für das französische Fernsehen arbeitet. Aber er ist auch Vater zweier, behinderter Söhne und darüber handelt dieses Buch, „damit ihr nicht bloß ein Foto auf einem Schwerbehindertenausweis seid.“
Mit brutaler Ironie und unverschleiertem Blick, schreibt Fournier über seinen Alltag, seine Sorgen, auch über seine fehlende Kraft und Engelsgeduld, denn die müsste er eigentlich haben, aber er ist kein Engel.
In Fourniers Zeilen steckt aber auch schonungslose Wahrheit über die Gesellschaft, über den Umgang mit Behinderten. „Wenn ein Kind sich beim Essen mit Schokopudding beschmiert, lachen alle; wenn das Kind behindert ist, lacht keiner.“
Bitter stoßen in diesem Zusammenhang, auch die Zeilen über den Patenonkel auf, den ehemalig, engsten Freund….

Mich hat dieses Buch sehr betroffen gemacht, und ich musste oftmals denken: „So kann man doch nicht reden“. Aber warum eigentlich nicht? Darf man bei behinderten Kindern, keine Schwäche zeigen und zugeben, dass man es sich anders wünscht?

Ein bittersüßes Buch, geschrieben mit ironischer Härte, aber auch mit ganz viel Liebe zwischen den, meist sehr schroffen, Zeilen!
© Ricarda Ohligschläger

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