Interview mit Bettina Hennig

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Liebe Frau Hennig, ich freue mich sehr, dass Sie sich Zeit nehmen die Fragen der Leser/innen zu beantworten. 

Ich habe gelesen Sie haben u. a. auch Informatik studiert. Ist das nicht eher ungewöhnlich da auch zum Schreiben zu gelangen. Informatik ist doch irgendwie so geradlinig und das Schreiben hat doch so viele verschieden Facetten. Sind Sie als Mensch so unterschiedlich?

 Ich finde ja weder die Informatik gradlinig, noch, dass Schreiben mehr Facetten hat, als die Mathematik oder Informatik. Meine Germanistik-Professorin hat mir einmal gesagt: Für einen Mathematiker wachsen die Rosen in einem anderen Garten. Ich fand das Bild sehr treffend, weil es darauf abzielt, dass es Rosen sind, die da für jemanden wachsen, also etwas Poetisches. Ich kann mich daran erinnern, dass ich eine meiner Mitstudentinnen immer sehr für ihre eleganten Programme bewundert habe. Ich habe mich immer gefragt, wie sie das macht, dass die das so hinbekommt. Ich habe es aber selbst nie so hinbekommen. Meine Programme hatten immer Ecken und Kanten, und gelaufen sind die auch nicht immer. Aber ihre Programme waren einfach wunderschön. Und sie liefen. Die Eleganz und die Schönheit eines Programmes hat durchaus etwas mit seiner Funktion zu tun. Wenn ich das Programmieren mit dem Schreiben vergleiche, ist es doch recht ähnlich: Man feilt so lange an einem Satz oder an einem Algorithmus herum, bis man zufrieden ist. Und zufrieden ist man nur, wenn man mit den jeweiligen Mitteln das erreicht, was man erreichen will.

Sie arbeiten auch als Journalistin im Bereich „Klatschjournalismus“. Das ist sicher auch sehr vielfältig. Wieso haben Sie sich gerade solch einen Bereich für ihre journalistische Tätigkeit ausgesucht.

 Es hat mich gesucht. Ich habe zu Anfang meiner journalistischen Laufbahn Filmkritiken geschrieben. Damals habe ich angefangen, Interviews mit Schauspielerinnen und Schauspielern zu führen. Die wollten natürlich meist, dass man sie zu ihrem Werk befragt, das habe ich auch brav getan, aber ich fand ja, dass das nicht zu unterscheiden ist und habe angefangen Fragen zu stellen, die Rückschlüsse auf den Charakter und den Menschen schließen lassen. Meist wurden diese Interviews sehr persönlich. So hat das angefangen.

Ihr erster Roman Luise – Königin aus Liebe ist ein historischer Roman. Wie sind Sie gerade auf dieses Thema gekommen?

 Die Geschichte der Königin Luise ist mir durch meine Familienbiografie vertraut. Mein siebenfacher Urgroßvater ist ihr 1802 – einmal – in Memel begegnet. Die Hennigs sind ganz stolz darauf. Das ist zwar Blödsinn, doch immerhin Blödsinn, der inspiriert. Aber bevor mich mein damaliger Doktorvater Günther Blamberger, der auch Vorsitzender der Kleist-Gesellschaft ist, nicht auf diese Figur gestoßen hat, wäre ich nie darauf gekommen, über Luise zu schreiben. Als spätberufene Promoventin sei ein Thema von Nöten, das aktuellen Bezug habe, gab er zu bedenken. Warum nicht über Luise von Preußen und ihre Beziehung zu Heinrich von Kleist schreiben? Die sei 1810 gestorben. Da jähre sich doch bald ein Gedenkdatum. Ich hab ihm versprochen, darüber nachzudenken, obwohl ich eigentlich schon wusste, dass ich dazu keine Lust habe, weil mir in der Wissenschaft das Monothematische nicht liegt. Ein paar Tage später habe ich diese Sache dennoch mit einer Bekannten, die Lektorin ist, besprochen, und die war ganz begeistert und riet mir ein paar Probeseiten für einen Roman zu verfassen. Ich bin erst mal zur Volkshochschule gerannt, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich einen Roman schreiben sollte. Es ist mir tatsächlich gelungen, Probeseiten zu verfassen. Dann nahm alles seinen Lauf.

 Wie darf ich mir als Leser/in ihre Recherchearbeit vorstellen? Gab es beeindruckende Details, die sie überrascht haben?

 Ich habe Schlösser besucht, in Archiven gestöbert, viele Bücher und Originaldokumente gelesen. Am meisten haben mich Luises Briefe beeindruckt. Man kann ihre jeweilige Stimmung wirklich ablesen. Sie wechselt vom Französischen ins Englische, plappert Hessisch und Deutsch. Sie hat eine so lebhafte Sprache, dass man das Gefühl hat, sie würde einem Gegenüber sitzen und man selbst mir ihr sprechen, wenn man diese Briefe liest. Das hat mich sehr berührt und es hat mich auf die Idee gebracht, in „Luise – Königin aus Liebe“ möglichst viele dieser Briefe unterzubringen.

 Würden Sie der Behauptung zustimmen, dass das Schreiben von
historischen Romanen im Grunde nur Klatsch auf hohem Niveau darstellt?

 Nein. Und warum? Weil es keinen Niveauunterschied gibt. Es geht in beiden Fällen darum, Menschen zu zeigen, ihre Gefühle, ihr Leben, ihr Leid, ihre Willensäußerungen darzustellen und dem Leser diese begreiflich zu machen, so dass er sich selbst dazu eine Meinung bilden kann. Wer Klatsch lediglich mit Häme und Skandalen in Verbindung bringt, ist bei mir an der falschen Adresse. Klatsch ist gleichbedeutend mit Einfühlung und grundsätzlichem Interesse an anderen Menschen. Nur wer die Menschen mag, ist ein guter Klatschjournalist oder eine gute Klatschjournalistin.

Arbeiten Sie bereits an einem weiteren Buch und falls ja, wird es wieder ein historischer Roman sein?

 Ich arbeite gerade an einem Lifestyle-Buch. Einem Sachbuch. Das Thema kann ich leider noch nicht verraten, aber es geht um nichts Geringeres als darum, die Welt zu verändern.

Wie lange haben Sie an ihrem ersten Buch geschrieben und wie haben Sie einen Verleger gefunden?

 Ich habe an „LUISE – Königin aus Liebe“ 5 Monate und 2 Wochen geschrieben. Den Verlag haben meine Agentinnen gefunden. Das läuft ja heute fast gar nicht anders. Der Autor hat eine Idee, versucht damit einen Agenten zu gewinnen, wenn das gelungen ist, macht man einen Vertrag und dann gehen die los und versuchen, einen Verlag zu finden. Dass das geklappt hat, spricht für meine Agenten und wundert mich heute noch: Ich fand meine Probeseiten ziemlich schlimm.

 Haben Sie immer an Ihren Erfolg geglaubt und wie hat ihr Umfeld reagiert? Haben eventuelle Zweifler Ihren Ehrgeiz angeregt?

 Ob ich Erfolg habe, wird sich noch zeigen. Meine Freunde haben sich jedenfalls mit mir gefreut, als das Buch in den Handel kam. Zweifler interessieren mich nicht, und ich mache, die Dinge, die ich mache, nicht unbedingt aus Ehrgeiz. Sondern aus Spaß an der Sache. Jedenfalls überwiegt der.

 Welches Buch liegt momentan auf ihrem Nachttisch?

Ich gucke gerade parallel in „Die Nebel von Avalon“ rein, die mir meine Agentin empfohlen hat. Dann in Tellkamps „Turm“, für den ich mir über die Weihnachtstage Zeit reserviert habe. Dann in Bushnells „Lipstick-Dschungel“, weil mir ihre Gesellschaftsromane gut gefallen und ich finde, dass so etwas hierzulande fehlt. Vielleicht sollte ich probieren, diese Lücke zu schließen.

 Und welches Buch ist Ihrer Meinung nach ein Geheimtipp?

Ein Geheimtipp ist mein Tipp eigentlich nicht. Dennoch finde ich, dass es nicht oft genug gesagt werden kann: Die Bibel – starke Figuren, spannende Konflikte, klasse geschrieben. Nicht umsonst ein Longseller von Weltformat.

 Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Schreiben ist

…schön.

Vielen Dank, auch im Namen der Leser/innen.

Das signierte Buch geht an Sandra S. Herzlichen Glückwunsch
© Ricarda Ohligschläger

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