Interview mit Lena Falkenhagen

Frau Falkenhagen, ich freu mich sehr, dass Sie sich die Zeit nehmen den Lesern des Blogs ein paar Fragen zu beantworten.

Ich freue mich über Ihr Interesse!

Sie schreiben ja historische Romane. Können Sie sich vorstellen auch ein Buch in einem ganz anderen Genre zu schreiben, z.B. etwas, das gegenwärtig spielt?

Ja, absolut. Ich mag die Phantastik nach wie vor; auch die urbane Phantastik, in der Magie in unsere Welt Einzug hält. Andere Genres bringen eigene Konventionen mit sich, und ich denke mich gerne in neue Systeme hinein.

In „Die Lichtermagd“ haben Sie sich einem grausamen Thema Nürnbergs gewidmet: des Pogroms im Jahre 1349. Ich war beim Lesen teilweise sogar angeekelt von der Grausamkeit der Christen gegenüber den Juden. Lag Ihnen dieses Thema besonders am Herzen, damit es nicht in Vergessenheit gerät?

In gewisser Weise schon. Ich habe in der Schule viel zum Dritten Reich und dem Verhältnis zwischen Nationalsozialisten und Juden gelernt. Die Geschichte der deutschen Juden vorher war im Geschichtsunterricht nie Thema. Das fand ich schade, denn erst durch diesen Mosaikstein bildet sich das ganze Bild unserer gemeinsamen deutschen Vergangenheit.

Wodurch wurde ihre Vorliebe für historische Themen entfacht?

Ich bin in Celle aufgewachsen, einer der schönsten historischen Fachwerkstädte Norddeutschlands. Da kommt man an Geschichte nicht vorbei. Ich mochte aber auch Kostümfilme schon immer. Ich habe vorher Phantastik geschrieben, und der historische Roman ist diesem Genre vom Gefühl her recht ähnlich. Da lag der Schritt nahe.

Lesen Sie auch selbst gerne und falls ja welche Büchergenres bevorzugen Sie?

Ich lese sehr gerne. Nicht mehr so viel und so oft wie früher, aber so oft ich kann. Ich lese momentan gerne Phantastisches, Urban Fantasy sowie natürlich Historisches.

Und was lesen Sie aktuell?

Im Augenblick liegt bei mir City of Bones von Cassandra Clare auf dem Schreibtisch. Gibt es ein „schreibendes“ Vorbild, also einen anderen Autor oder Autorin? Eher einen Drehbuchschreiber/Regisseur. Ich bewundere Joss Whedon sehr (Buffy the Vampire Slayer, Firefly, Dollhouse). Er schafft es immer wieder mit Bescheidenheit, Engagement und viel Witz Dinge zu produzieren, die mich berühren, zum Lachen und zum Weinen bringen. Manchmal alles drei gleichzeitig.

Sie wurden in Celle geboren und leben derzeit in Hannover. Haben diese beiden Städte ihr Leben geprägt?

Celle im historischen Bereich schon, und auch Hannover hat ja eine bewegte Geschichte zu bieten. Die ist eher im 18. Jahrhundert angesiedelt, was nicht mehr so ganz meine Zeit ist. Aber die Beziehungen zwischen dem Fürstenhaus Hannover und dem englischen Thron machen mich immer noch neugierig, mehr darüber zu lernen.

Welche Städte mit historischem Hintergrund mögen Sie am liebsten?

Ich begeistere mich schnell für alles mit einer spannenden Geschichte. Ich habe mich bei der Recherche für das „Mädchen und der Schwarze Tod“ in Lübeck verliebt. Aber beim Schreiben der „Lichtermagd“ habe ich Nürnberg schätzen gelernt, beim Schreiben der „Schicksalsleserin“ Wien. Das spannende an Geschichte finde ich eben, dass sich mit jedem Baustein das eigene Verständnis vertieft. Man erkennt Muster wieder, lernt Unterschiede herausarbeiten.

Reisen Sie auch gerne zu historischen Schauplätzen und lassen sich dort inspirieren?

Ja, das macht sehr viel Spaß. Ich möchte auch ungern einen Ort so intensiv in ein Buch einbinden wie Lübeck, Wien oder Nürnberg, ohne wirklich dort gewesen zu sein. Bei Lübeck und Nürnberg hat das gut geklappt, Wien geizt leider mit Baudenkmälern aus dem Mittelalter. Aber auch da war es gut, die Straßen selbst zu beschreiten. Und natürlich gehe ich an Wochenenden gerne auf Städteurlaub und halte die Augen nach neuen Geschichten offen.

Wie sieht ihre Recherchearbeit aus. Ist es eine willkommene Abwechslung oder eher unumgängliche Pflicht?

Die Recherche selbst bereitet mir sehr viel Freude. Ich lerne gerne dazu, besonders, wenn es über die eigene Geschichte ist. Der Pflichtteil liegt eher in der sinnvollen Ablage dieses Wissens, damit ich es über mehrere Monate abrufbar habe.

Hat es Sie sehr viel Mühe gekostet ihren ersten Roman zu veröffentlichen oder gab es auf Anhieb einen Verlag, der das Buch haben wollte?

Es gab auf Anhieb zwei Verlage, die das Buch gerne veröffentlichen wollten – und bei denen ich das Buch auch gerne gesehen hätte. Heyne hat schließlich den Zuschlag bekommen.

Haben Sie Tipps für angehende Autoren?Durchhalten. Zuhören. Sich selbst treu bleiben. Durchhalten. Durchhalten. Durchhalten.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg für ihre Arbeit!

Ich bedanke mich ganz herzlich und wünsche in dieser weihnachtlichen Zeit ein frohes Fest.

Das signierte Buch geht an Iris G. Herzlichen Glückwunsch © Ricarda Ohligschläger

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