Interview mit Charlotte Thomas

Liebe Charlotte Thomas, ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben an der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten“ teilzunehmen.

Ich freue mich ebenfalls, auf diesem Wege mit netten Lesern in Kontakt zu kommen!

Wie kam es, dass Sie den Beruf der Rechtsanwältin an den Nagel gehängt haben und Schriftstellerin geworden sind?

Geschrieben hatte ich auch schon während der Anwaltszeit, nur war es da eher ein Hobby. Die locker-leichten Frauenkomödien, die ich unter meinem bürgerlichen Namen Eva Völler verfasst habe, ließen sich mehr oder weniger nebenher schreiben. Dann kam der Genrewechsel zum historischen Roman. Geplant war das bereits länger, aber mir wurde im Vorfeld schnell klar, dass ich nur eine Sache richtig machen kann, denn der Aufwand und der persönliche Einsatz waren hier wesentlich umfangreicher als bei den Büchern, die ich vorher verfasst hatte. Deshalb habe ich den Anwaltsberuf aufgegeben und mich ganz aufs Schreiben konzentriert.

Vermissen Sie Ihren alten Beruf oder sind Sie froh, diesen gewechselt zu haben?

Ich habe immer gern als Juristin gearbeitet, doch das Schreiben macht wesentlich mehr Spaß. Von daher fiel die Wahl am Ende nicht schwer. Bereut habe ich das Weghängen der Robe bisher nicht.

Haben Sie ein Vorbild, was das Schreiben betrifft?

Ich habe viele Lieblingsautoren, deren Bücher ich mit Begeisterung lese. Ein Vorbild im engeren Sinne habe ich allerdings nicht, weil diese Autoren alle auf ihre besondere Weise den Leser unterhalten. Deshalb sollte auch jeder Autor versuchen, einen unverwechselbaren Stil zu finden und seine ureigenen Geschichten zu erzählen.

Woher kommt die Vorliebe für die Stadt Venedig in Ihren Büchern?

Venedig ist in vieler Hinsicht einzigartig, sowohl von der Geschichte her als auch von der Lage. Eine Stadt, die im Wasser erbaut wurde und in der man sich (außer zu Fuß) nur mit Booten fortbewegt – das ist Faszination pur! Zumal dort alles noch fast genauso aussieht wie vor hunderten von Jahren. Man taucht praktisch in die Geschichte ein, wenn man nach Venedig kommt.  Ich bin als junges Mädchen zum ersten Mal dort gewesen und dem Zauber der Lagune schon damals erlegen. Das hat seither nicht aufgehört.

Alle Städte die bisher in ihren Romanen vorkamen, konnte man sich so genau vorstellen, als wäre man mittendrin. Reisen Sie in die Städte über die Sie in ihren Romanen schreiben? Eigentlich hat man den Eindruck, Sie würden auch in der Zeit reisen und mit Laptop in der Vergangenheit sitzen, um die Bücher zu schreiben.

Das ist ein nettes Kompliment, vielen Dank! Ja, die Städte bereise ich natürlich, denn bei aller Phantasie muss man sich über die Handlungsorte natürlich aus erster Hand informieren und sich alles selbst ansehen. Je öfter, je lieber.

Wie bauen Sie ein historisches Buch auf? Erst die Recherche und dann die Geschichte oder umgekehrt?

Zunächst überlege ich mir ein Hauptthema, und dazu wird dann recherchiert. Bei „Der König der Komödianten“ war das z. B. das Theater, genauer, die Commedia dell’arte, das italienische Stegreiftheater. Bei „Die Madonna von Murano“ u. a. die Glasbläserei und die Heilkunst, und bei „Die Liebenden von San Marco“ die Seidenweberei und der Schiffsbau. Beim Einlesen in solche Themen kommen mir bereits viele Ideen für die Handlung. Die Figuren und ihre Eigenheiten liegen dagegen bereits vor der Recherche fest. Als Menschen mit bestimmten Charaktereigenschaften und Vorgeschichten betreten sie die Bildfläche meiner Vorstellung meist schon lange, bevor ich mit der Handlungsplanung beginne. Während ich den Stoff entwickle, nehmen sie dann noch mehr Gestalt an, und beim Schreiben schließlich werden sie für mich so real, als würden sie wirklich leben. Sie werden zu richtigen Freunden. Wenn das Buch fertig ist, fällt es mir meist sehr schwer, mich von ihnen zu trennen.

Wird es eine Fortsetzung von „Die Madonna von Murano“ geben?

Momentan ist keine geplant. Aber man soll ja nie nie sagen.

Wenn Sie als eine historische Figur leben könntest, wer würden Sie gerne sein? Und weshalb?

Als historische Figur wäre ich gern William Shakespeare gewesen. Welcher Autor würde sich nicht gern mal vorstellen, als der größte Dichter aller Zeiten in die Weltgeschichte einzugehen.

Im März erscheint ihr neues Buch „Der König der Komödianten“. Worum geht es in dem Buch und wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Gearbeitet habe ich an dem Roman ungefähr ein Jahr. Wie oben schon kurz erwähnt: Es geht um das Theater. Und um das Schreiben. Ein unbedarfter junger Bursche vom Lande findet sich plötzlich bei einer Theatertruppe wieder, und weil er sich halbwegs aufs Schreiben versteht und zudem eine blühende Phantasie hat, muss er bald den meist betrunkenen Bühnenautor vertreten. Dabei erlebt er so manches haarsträubende Abenteuer – und die Irrungen und Wirrungen der Liebe…

„Der König der Komödianten“ spielt nicht in Venedig. Was hat sie dazu bewegt den Handlungsschauplatz zu wechseln?

Oh, aber der Roman spielt doch in Venedig! Jedenfalls die letzten drei Viertel davon. Ein weiterer Schauplatz ist Padua und das umliegende Veneto.

Wie sieht ein ganz normaler (Autoren-)Tag bei Ihnen aus?

Frühstück, Zeitunglesen, Hausarbeit, Einkaufen, Kochen. Meine beiden jüngsten Töchter leben noch bei mir. Und kommen mittags hungrig aus der Schule. Vormittags ist aber immer schon Zeit zum Schreiben oder Recherchieren drin, und wenn es nur ein Stündchen ist. Am Nachmittag geht es dann meist richtig los, idealerweise vier bis sechs Stunden am Stück. Falls Termine außer Haus anstehen oder anderweitige Aufgaben dazwischenkommen, versuche ich, das versäumte Pensum abends nachzuarbeiten.

Wie motivieren Sie sich, wenn Ihnen einmal nicht danach ist zu Schreiben aber Abgabetermine immer näher rücken?

Hm, es wäre ziemlich dumm von mir, unmotiviert zu sein. Ich lebe ja vom Schreiben und brauche das Geld, damit regelmäßig der Kühlschrank gefüllt und alle Rechnungen bezahlt werden können. Schreibblockaden könnte ich mir gar nicht leisten.

Gibt es ein Buch von Ihnen, mit dem Sie nicht so ganz zufrieden sind, das Sie im Nachhinein gerne ändern würden? Und im Gegenzug: Welches Buch von Ihnen liegt Ihnen persönlich am meisten am Herzen?

Ändern würde ich im Nachhinein nichts an meinen Büchern, meist kann ich mich auch nach Jahren noch recht gut mit dem anfreunden, was ich vorher geschrieben habe. Mein persönliches Herzensbuch ist „Der König der Komödianten“, denn es vereint zwei Genres in sich, die ich bisher nur getrennt bearbeitet habe: Die Komödie und den Historischen Roman. Das war für mich eine wichtige Premiere.

Sie haben bisher Bücher verschiedener Genres geschrieben, Ihre letzten Bücher waren aber alles historische Romane. Ist das Zufall oder Absicht?

Das war eine bewusste Entscheidung für ein anspruchsvolleres Genre, obwohl ich auch sehr gerne Frauenkomödien schreibe. Aber die historischen Romane erfordern viel Zeit und Arbeitseinsatz, da bleibt im Grunde nicht viel Raum für andere neue Projekte. Was aber nicht bedeutet, dass es nicht doch noch die eine oder andere Frauenkomödie gibt. Sobald mal etwas mehr Luft dafür bleibt.

Wie hat sich das ergeben, dass Sie unter verschiedenen Pseudonymen schreiben? Warum benutzen sie nicht mehr alle davon aktuell?

Die Pseudonyme waren hauptsächlich diversen Reihen zugeordnet, z. B. Sibylle Keller für Reiseromane und Francesca Santini für Toskanaromane. Diese Reihen wurden aber mittlerweile eingestellt, weil mein Tätigkeitsschwerpunkt jetzt auf den historischen Romanen liegt. Dafür ist das Pseudonym Charlotte Thomas zuständig. Eva Völler existiert aber als Autorenname für Frauen- und Mädchenkomödien weiter, denn hier soll es irgendwann (sofern Zeit vorhanden) noch Nachschub geben. Bis dahin gibt es zumindest die eine oder andere Neuauflage von früheren Titeln, etwa im kommenden September von meinem Vampirroman „Beiss mich“.

Welche Projekte planen Sie als nächstes?

Ich fange gerade einen neuen historischen Roman an. Für den werde ich die nächsten sechs bis acht Monate brauchen. Für weitere Projekte gibt es (vage) Planungen, aber die sind noch nicht spruchreif, da bislang nur in meinem Kopf existent.

Trifft man Sie auch auf der Buchmesse in Leipzig?

Ja, da stelle ich mein neues Buch vor („Der König der Komödianten“) und würde mich sehr freuen, den einen oder anderen Leser am Lübbe-Stand begrüßen zu können!

Vielen Dank für Ihre Zeit. Ich wünsche Ihnen für alle neuen Projekte viel Erfolg und freue mich schon sehr auf ihr neues Buch. Ich bin mir sicher es wird wieder sehr viele Leser begeistern.

Ich danke der netten Interviewerin Rici!
Das signierte Buch geht an Anna.
Herzlichen Glückwunsch © Ricarda Ohligschläger

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anna sagt:

    Hallo,
    das Buch „Die Liebenden von San Marco“ ist heute bei mir angekommen und ich freue mich schon sehr aufs Lesen!
    LG&herzlichen Dank nochmal,
    Anna

    1. herzgedanke sagt:

      Wow das ging ja schnell!!

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