Interview mit Titus Müller

Titus, im Moment sind Sie auf großer Lesetour.  Wie haben Sie sich darauf vorbereitet? Sind Sie vor den Lesungen noch aufgeregt oder betrachten Sie das schon als „alter Hase“.

Ein bisschen aufgeregt bin ich immer — das ist Vorfreude mit einem Schuss Lampenfieber, und gehört zum Vergnügen. Wirklich nervös bin ich allerdings bei neuen Konstellationen, wie der Lesung auf einem Mittelaltermarkt gestern, also wenn ich noch nicht weiß, wie der Ablauf ist.

Worauf freuen Sie sich ganz besonders bei den Lesungen? Wie wichtig ist Ihnen dabei der Kontakt zum Leser?

Zwei Dinge sind mir bei Lesungen wichtig: Das Feedback der Leser, die mir sagen, was ihnen am Roman gefällt und was sie womöglich verwirrt hat – daraus lerne ich eine Menge. Und ich will die BuchhändlerInnen kennenlernen. Natürlich soll es auch spannend und unterhaltsam sein für
die Zuhörer, aber das ist ja selbstverständlich.

Denken Sie, dass diese Kontakte auch wichtig für den Erfolg eines Romans sind und wie wichtig halten Sie in Bezug darauf Seiten wie Facebook, Twitter oder Buchforen?

Ich mache seit 2005 Leserunden in Buchforen, und bin seit Februar dieses Jahres bei Facebook. Innerhalb weniger Wochen haben sich eine Menge Fans dort eingefunden, und es werden jede Woche mehr. Klar, es kostet Zeit, sich mit seinen Lesern auszutauschen, aber es macht auch Spaß. Ob es Einfluss auf den Erfolg eines Buchs hat? Ich glaube, schon.

Ihr neuestes Buch „Die Jesuitin von Lissabon“ ist gerade erschienen. Worum geht es in diesem Buch?

Es geht um das Erdbeben vom 1. November 1755, das die Stadt Lissabon zerstörte, um die Geburtsstunde der Seismologie, um zwei Zwillingsschwestern, die sich in denselben Mann verliebt haben, und um die Geschichte des Jesuitenordens.

Haben Sie schon immer eine Vorliebe für historische Ereignisse oder die Historie an sich gehabt? Wie gehen Sie dabei an die Recherche für ein neues Buch heran?

Geschichte und Geschichten faszinieren mich schon seit meiner Kindheit.   Bevor ich einen istorischen Roman beginne, reise ich immer an den Schauplatz der Geschichte — für die „Jesuitin“ war ich also in Lissabon, und sehe mir alles an, rede mit den Leuten, mache Fotos. Dann besuche ich die Archive und Bibliotheken und lese Dutzende Bücher. Als letztes spreche ich mit Experten, die mir die Fragen beantworten können, die weder die Bücher noch der Besuch vor Ort lösen konnten.

In den Buchbesprechungen Ihrer Sendung „auserlesen“ spielen oft die weltanschaulichen / religiösen Hintergründe der jeweiligen Autoren eine große Rolle. Wie würden Sie Ihre eigene Beziehung zur Kirche bezeichnen?

Die Suche nach Gott ist mein Lebensthema. Ich werde ein Gottsucher bleiben, bis ich alt und grau bin. Deshalb schreibe ich auch so gerne über andere Gottsucher, Menschen, die in der Kirche oder auch außerhalb der Kirchen den Spuren dieses großen Wesens gefolgt sind.

Welchen Einfluss hat der christliche Glaube auf Ihre Werke?

Ich gehe nicht an einen Roman heran und sage mir: Jetzt sollen alle mal dieses und jenes hören. Meine Leser sollen in erster Linie gut unterhalten werden. Aber meine Romane wären nicht authentisch, wenn sie nicht auch das widerspiegeln würden, was mich interessiert – das ist bei jedem Autor so, die Leser merken ja, ob Herzblut drinsteckt. Aus diesem Grund geht es bei mir öfter um Kirchengeschichte, Ketzer, Religionen und Sinnsuche.

Ist die Wahl ihres Studium  (Literatur, Mittelalterliche Geschichte) auf die Schreiblust gebaut gewesen, oder doch umgekehrt, die Liebe zum Schreiben historischer Romane kam während/nach dem Studium? Diente sie vielleicht „nur“ als Unterstützung fürs Schreiben?

Die ersten drei Romane habe ich während des Studiums geschrieben und veröffentlicht. Sie kamen so gut an, dass ich das Studium gerne abgebrochen hätte, um mich ganz dem Schreiben zu widmen, aber mein Vater bestand darauf, dass ich zu Ende studiere. Heute bin ich froh darüber, einen guten Studienabschluss zu haben, auch wenn ich nichts anderes damit anfange, als in Interviews darauf hinzuweisen.

Haben sie ein bestimmtes Schreibpensum je Tag?

Ja. Ich schreibe jeden Tag vier Romanseiten.

Haben sie bereits eine neue Idee für einen weiteren Roman bzw. auf was dürfen sich ihre Leser freuen?

Der neue Roman ist gegenwärtig auf ein zwölfseitiges Exposé angewachsen. Ich recherchiere noch ein wenig, und beginne in ein paar Tagen dann mit dem Schreiben. Worum es geht, will ich noch nicht verraten, aber ich sage mal soviel: Die Geschichte ist Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelt.

War es für sie leicht einen Verlag für ihre erste Veröffentlichung zu finden?

Nachwuchsautoren predige ich immer Ausdauer. Bei mir war es tatsächlich leicht (es hätte aber nicht so sein müssen). Ich habe beim Open Mike mitgemacht, dem Wettbewerb der Literaturwerkstatt Berlin, und bekam hinterher Angebote.

Welches Buch liegt momentan auf seinem Nachttisch?

*lacht* Etwas Religiöses. John Ortberg: Know Doubt. The Importance of
Embracing Uncertainty in Your Faith.

Lieber Titus, ich danke Ihnen sehr für die Teilnahme an der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten“ und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.
Die Bücher gingen bereits an Steffen M. und Anastasia T. -Herzlichen Glückwunsch
© Ricarda Ohligschläger
Foto © Björn Reißmann

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Ramona sagt:

    Ein schönes Interview!

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