Interview mit Michael Bresser und Martin Springenberg

Lieber Michael, lieber Martin!
Danke, dass ihr euch Zeit nehmt die Fragen eurer Leser zu beantworten.
Wie kommt man von der Musik zum Schreiben? Es ist ja doch etwas völlig anderes ein Buch zu schreiben, als Musik in einer Band zu machen.

Michael: Wir haben beide immer gerne gelesen, vor allem Krimis. Von Hause aus war ich auch literarisch vorbelastet. Mein Vater hatte Unmengen an Büchern und hat auch selber geschrieben. Als es mit unserer Band nicht so klappte, wie wir uns das vorgestellt haben, kam uns bei einem Konzert und reichlich Bier die Idee, es selber mit einem Krimi zu versuchen. Der ging uns recht rasch von der Hand. Innerhalb eines Jahres waren drei Krimis der Nannen-Serie fertig gestellt. Bis zur Veröffentlichung war es dann noch ein langer Weg.

Michael du hast deinen Roman „Bestseller“ bei BoD veröffentlicht. Viele raten eher ab von sogenannten „Zuschussverlagen“. Was würdest du Autoren raten, die auf der Suche nach dem richtigen Verlag sind?

Von Zuschussverlagen rate ich auch ab. In den Zeiten vor der umfassenden Information durch das Internet sind wir auch auf einen solchen hereingefallen. Nach unserer Zahlung hat der Verlag Insolvenz angemeldet. Bei BoD ist das Kosten-Leistungsverhältnis fair. Es werden nur so viele Bücher hergestellt, wie man bestellt. Wir haben 2002 unseren ersten Krimi Schafe und Killer ebenfalls bei BoD herausgebracht. Da er sich super verkaufte, wurde Ullstein auf uns aufmerksam und brachte die Serie heraus. BoD war sozusagen unser Türöffner für einen renommierten Verlag.

Herr Nannen ist ja eher eine skurrile Hauptfigur. Wie entstand diese und gibt es vielleicht sogar ein reales Vorbild dafür?

Michael: Wir waren Anfang der Neunziger von der Serie „Ausgerechnet Alaska“ begeistert. Ein arroganter Arzt aus New York ist gezwungen, sein Stipendium in der alaskischen Tundra abzuarbeiten Und er hasst Alaska. Nannen hat da ähnliche Züge. Zumindest im ersten Buch hasst er die platte Einöde, in den späteren Romanen hat er sich ein wenig mit der Situation angefreundet.

Wieviel von Herrn Nannen steckt in euch?

Michael: Er hat einen ähnlichen Musikgeschmack, aber vom Charakter her, würde ich sagen, eher wenig. Wir sind doch ganz nette, bescheidene Typen. Oder, Martin?

Martin: Zumindest würde ich öffentlich nie etwas anderes behaupten.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit an einem Roman bei euch praktisch vorstellen? Einerseits stelle ich mir eine solche Teamarbeit als sehr kreativitätsfördernd vor und andererseits als diskussionsbremsend, sicherlich ist es nicht immer einfach sich auf den Fortgang einer Geschichte zu einigen. Wie bewerkstelligt ihr das?

Michael: Wir legen vorher den Plot in groben Zügen fest. Dann schreiben wir sukzessiv nach Zeit und Laune. Der Eine korrigiert dabei den Text des anderen. Nach Fertigstellung lesen wir das Manuskript mehrere Male Korrektur. Über den Fortgang der Geschichte waren wir aber eigentlich noch nie uneinig.

Martin: Es geht zwar manchmal hoch her, wenn gewisse Sachen dem Einen gefallen, die der andere absolut schrecklich findet, aber letztendlich finden wir dann doch immer einen gemeinsamen Nenner. Dass wir dicke Freunde sind, ist sicherlich auch nicht hinderlich.

Außerdem wüsste ich gerne, wie klappt ein gemeinsames Schreiben über so eine Entfernung?

Michael: Schon früher haben wir hauptsächlich per Mail kommuniziert. Die Treffen zur Durchsprache mit viel Kaffee sind leider relativ selten geworden, was wir beide sehr bedauern.

Martin: Da ich Michael einfach nicht dazu überreden kann, einmal pro Woche von Hannover nach Gladbeck zu reisen, bleibt letztendlich tatsächlich nur die Kommunikation via Mail übrig.

Wie kommt man auf Titel wie z. B. „Die Sau und der Mörder“? Das hört sich schon etwas makaber an.;-)

Martin: Da wir keine Liebesromane schreiben, kann ein makabrer Titel nicht schaden.

Habt Ihr eine besondere Beziehung zu Schweinen oder warum haben alle eure Bücher einen Titel, der damit im Zusammenhang steht?

Michael: Wir lieben Schweine, deshalb musste Dieter auch unbedingt ein Hausschwein haben. Schweine sind intelligente Tiere, mit denen man sich – wenn man ihre Sprache spricht – wunderbar austauschen kann.

Martin: Ich habe meinen Zivildienst auf einem Bauernhof mit behinderten Jugendlichen und Erwachsenen abgeleistet. Da sind mir neben den netten Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, auch die Schweine ans Herz gewachsen.

Lest Ihr auch selbst gerne Bücher und falls ja welches Genre?

Michael: Ich lese leidenschaftlich gerne. Quer durch den Garten. Hauptsächlich Krimis und witzige Romane, aber auch Sachbücher und Klassiker wie E.T.A. Hoffmann und Jean Paul, die aber eher seltener.

Martin: Bei mir kommen nur Krimis auf den Nachttisch, abgesehen vielleicht von Musikzeitschriften.

Eure Bücher spielen im Münsterland. Welche besondere Beziehung verbindet euch oder eure Bücher damit?

Michael: Wir wollten Nannen von der Stadt aufs Land verpflanzen. Wir kommen beide aus Feldhausen, das grenzt ans südliche Münsterland. Da kannten wir uns am besten aus und mögen Land und Leute. Wir sind ja selber Vollblutwestfalen mit allem, was dazugehört (z.B. einem ausgeprägten Dickkopf).

Martin: Als alter Westfale kam für mich gar keine andere Gegend in Frage.

Was war euer schönstes Erlebnis als Autoren?Michael: Ich fand es klasse, den ersten Vertrag von Ullstein in der Post zu finden. Super war sicherlich auch die Lesung in Dülmen, zu der über hundert Leute erschienen sind.

Martin: Abgesehen von diesem Interview die Erkenntnis, dass man mit viel Fleiß und Beharrlichkeit einiges auf die Beine stellen kann.

Was erwartet uns als Leser in eurem nächsten Buch (falls das verraten werden darf…)?

Michael: Nannen ermittelt im Fußballermilieu des lokalen Clubs. Der Fall entwickelt sich natürlich ganz anders, als er sich anfangs darstellt. Erschwerend kommt hinzu, dass Grabowski seinen Sohn im Babyalter mitbringt. Mit einem Baby im Handgepäck ermittelt es sich nicht gerade leichter, wie Du Dir vorstellen kannst.

Martin: Und der vierte Band wird natürlich wieder all das bieten, was unsere Leser von uns erwarten.

Michael: Und viel mehr. Der Fall als solcher gefällt mir ausgenommen gut. Und die Nebengeschichten sind wieder sehr witzig geworden, zumindest für uns.

Ich danke euch von Herzen für diesen Einblick in euren „Autorenalltag“. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Martin und Michael: Lieber Ricarda, wir bedanken uns für das nette Gespräch. Dir alles Gute für Deinen fantastischen Blog.

Vielen Dank!!
Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Tatjana K.
Susanne K.
Iris G.
Herzlichen Glückwunsch
© Ricarda Ohligschläger
Foto  (c) Sabina Przybyla

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Liebe Rici,

    vielen Dank für das Initiieren dieser Interviewrunde :-). Werde ich heute Abend in meinem Blog verlinken :-).

    Liebe Grüße

    Steffi.

  2. Susanne K. sagt:

    Ein interessantes Interview! Und das Buch ist auch schon eingetroffen, vielen Dank!
    Liebe Grüße
    Susanne

  3. schlumeline sagt:

    Hallo Rici,

    Was soll ich sagen: Ein tolles Interview, wie immer!!!
    Danke für den Gewinn, ist schon angekommen!!

    Liebe Grüße

    Iris

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