Rezensionen

Rebecca Stephan – Zwei halbe Leben

Dieses Buch zu beschreiben ist eine kleine Herausforderung für mich. Wie beschreibt man denn ein Buch welches voller Emotionen ist ohne zu viel von der Handlung zu verraten?
Bei einem Luftangriff werden Sophie und Maximilian verschüttet. Die Angst in dem Keller zu sterben ist groß, doch noch größer sind die Gefühle die die beiden Verschütteten, trotz ihrer verschiedenen Herkunft, für einander entwickeln. Während Maximilian aus einer reichen Bankiersfamilie stammt und Armut auch in Zeiten des Krieges kaum kennt, kämpft Sophie täglich ums Überleben indem sie zum Beispiel aus Kartoffelschalen Suppe kocht.
Nachdem das Schlimmste überstanden ist und sie sich einen Weg nach draußen bahnen können, beschließen sie noch vier Wochen ihren Familien fernzubleiben um ihr Glück in „ihrem“ Keller zu genießen. Die Zeit verrinnt viel zu schnell und sie trennen sich ohne den Nachnamen des Anderen zu kennen. Ihr Schicksal wollen sie trotzdem herausfordern. Sie vereinbaren einen Treffpunkt, an dem sie sich einmal im Jahr, an einem bestimmten Tag für fünf Minuten aufhalten. Treffen sie sich genau in diesen Minuten wollen sie sich nie wieder trennen. Doch das Schicksal hat andere Pläne.

Hinter dem Pseudonym Rebecca Stephan steckt die für ihre humorvollen Frauenromane bekannte Autorin Steffi von Wolff. Nach diesem Buch möchte ich ihr fast raten nur noch „ernste“ Themen zu schreiben. Die Geschichte von Maximilian und Sophie umfasst ganze zwanzig Jahre in denen sie sich Briefe schreiben, die sie nie absenden und parallel taucht man abwechselnd in ihr Leben ein. Jeder muss sich auf seine Art durch die Nachkriegszeit kämpfen und ob es für Maximilian, der unter seiner gefühlskalten Frau und seinem dominanten Vater leidet, schwerer ist oder für Sophie, die jede Mark zehnmal umdrehen muss und den Gewalttätigkeiten ihres alkoholkranken Mannes schutzlos ausgeliefert ist, diese Frage muss jeder beim Lesen für sich beantworten.
Ganz große Klasse und eine Überraschung für mich war, dass die Autorin zu ihrer fiktiven Geschichte auch noch reale Figuren mit in die Handlung streut. Die vielen Wendungen, die die Geschichte bereithält ließen mich das Buch nicht aus der Hand legen und ich sog Maximilian und Sophies Geschichte regelrecht in mich auf.
Am Ende jedoch wehrte ich mich fast schon weiterzulesen, da ich die zwei einfach nicht gehen lassen wollte und als ich das Buch zuklappte musste ich erstmal mein Schluchzen wieder unter Kontrolle bekommen. Ein paar Tränen habe ich schon oft beim Lesen fließen lassen und wer meine Rezensionen verfolgt weiß auch, dass ich daraus keinen Hehl mache. Aber so wie am Schluss dieses Buches habe ich noch nie geweint.
Fazit: Eine emotionsgeladene Liebesgeschichte voller Dramatik, die unter die Haut und mitten ins Herz geht.
© Ricarda Ohligschläger