Interview mit Heike Koschyk

Liebe Heike Koschyk viele kennen Sie sicher noch von der Leserunde zu „Pergamentum“ im vergangenen Jahr. Wir wichtig sind solche Leserunden für sie bezüglich des Feedbacks? 

Diese Leserunden sind eine wunderbare Möglichkeit, dem Leser beim Erkunden des Buches direkt über die Schulter zu sehen. Man erfährt viel von den Bedürfnissen und Wünschen und kann gewonnene Einsichten in neue Projekte mit einbeziehen. Durch den direkten Kontakt während des Leseprozesses kann man überprüfen, ob die Spannungsbögen, falsche Fährten oder emotionale Konflikte auch so funktionieren, wie man es sich im stillen Kämmerchen erdacht hat. Wenn sich der Leser dann tatsächlich von diesen wichtigen Eckpfeilern der Geschichte mitreißen lässt, ist das unglaublich motivierend für die weiteren Schreibprozesse.

 Wie kamen Sie zum Schreiben? 

Durch das Lesen. Schon als Kind habe ich gerne und viel gelesen, war Stammgast in der örtlichen Bücherei. Ich bin gerne in diese andere Welten eingetaucht und habe dann irgendwann begonnen, mir selber Geschichten auszudenken und aufzuschreiben.  

Wie lange haben Sie für “Hildegard von Bingen – ein Leben im Licht” und “Pergamentum” recherchiert?

So genau kann ich das gar nicht abgrenzen, denn die Recherche zur Biografie verlief nahezu parallel zum Schreiben. Jeder Lebensabschnitt der Volksheiligen wurde Stück für Stück akribisch genau nachvollzogen und für den Leser verständlich niedergeschrieben. Dieser Prozess hat mehrere Monate intensivste Quellarbeit in Anspruch genommen. Dazu kam noch die Recherche zu den Lebensumständen und politischen Gegebenheiten dieser Zeit.
Diese Arbeit konnte ich natürlich für Pergamentum nutzen. Aber auch hier tauchten während des Schreibens immer neue Fragen auf: Was für Schiffe fuhren damals über den Rhein, wie sah eine Krypta aus, welche Architektur/Baustil/Symbole hatten damalige Klöster, wie waren die Lichtverhältnisse im Kapitelsaal, welche Kleidung trugen Laienbrüder, welche Burgformen gab es und welche Burgen hatten Gräben, etc. Das war enorm umfangreich.

Wie kommt es zu der Affinität zu Hildegard von Bingen?

Sie war schon immer ein Teil meines Lebens. So richtig wurde es mir aber erst bewusst, als ich vom Aufbau Verlag den Auftrag bekam, die Biografie zu schreiben. Meine Mutter ist eine begeisterte Anhängerin der Hildegard von Bingen und so ist auch das Gedankengut bereits in meine Erziehung eingeflossen.

Haben Sie beide Bücher parallel geschrieben und wie lange haben Sie daran geschrieben? 

Mit Pergamentum habe ich erst begonnen, nachdem die Arbeit zur Biografie abgeschlossen war. Das ging nahezu nahtlos ineinander über. Für beide Bücher zusammen habe ich etwas länger als ein Jahr gebraucht.

Was hat Sie angeregt „Pergamentum“ zu schreiben? 

Während der Arbeit zur Biografie sind mir einige Dinge aufgefallen, die von der Wissenschaft recht trocken abgehandelt werden. So wird zum Beispiel die Lingua Ignota, die unbekannte Sprache Hildegards, gerne als eine Art Glossar oder Wortbildungsspiel dargestellt, da sie nur aus Substantiven besteht. Es gibt aber eindeutige Hinweise auf eine Weiterentwicklung. So tauchen in der Korrespondenz mit dem Kloster Zweifalten neu hinzugefügte Adjektive bzw. Partizipien auf. Der damalige Abt von Zwiefalten war über Monate Gast in Hildegards Kloster, genau in der Zeit, in der diese Sprache entwickelt wurde und es politisch brisant war, eine eigene Meinung zu haben. Da fragt sich die Krimiautorin doch, warum das so gewesen sein könnte …

Wie schreiben Sie ihre Romane? Geht das noch ganz „altmodisch“ mit Block und Stift oder benutzen Sie den PC?

Ich habe zwar immer ein Notizbuch bei mir, in das meine Gedanken und oft auch ganze Sätze einfließen. Die eigentliche Arbeit aber geschieht am PC.  

Was tun Sie gegen hartnäckige Kreativ-Tiefs? Haben Sie einen Tipp, der bei Ihnen immer funktioniert?

Manchmal muss man einen Schritt zurück machen, das Werk mit Abstand betrachten, um neue Gedanken zulassen zu können. In solchen Momenten hilft ein Spaziergang oder Gartenarbeit. Auch Musik oder ein guter Film können Gefühle und damit neue Ideen transportieren. Dann fließen die Gedanken plötzlich von ganz alleine.

Mich würde interessieren auf welches ihrer Bücher Sie besonders stolz sind.

Auf „Pergamentum„. Der Schreibprozess war eine sehr intensive Zeit, in der ich beinahe in dieser Geschichte gelebt habe. Pergamentum ist ein Experiment, das ich so authentisch wie möglich angelegt habe. Der Leser sollte diese Geschichte leben, schmecken, fühlen und dafür habe ich eine sehr bilderreiche Sprache gewählt, die der damals üblichen sehr nahekommt. Zugleich sollte die kriminalistische Handlung fesselnd genug sein, den modernen Leser in Atem zu halten.
Ein Experiment, das Gefahren birgt. Denn nur, wer bereit ist, die Sprache und Denkweisen der damaligen Zeit anzunehmen, wird sich von der Geschichte auch emotional anrühren lassen und das starke Kopfkino zulassen können.  Umso größer war die Freude, dass dieses Erlebnis von einem sehr großen Teil der Leserschaft so geschildert wurde.

Gibt es weitere Romanpläne? 

Ja. Zur Zeit arbeite ich an einem weiteren Kriminalroman aus dem 18. Jahrhundert, der sich ebenfalls in Sprache und Sichtweise der damaligen Zeit anpasst. Es geht um ein spannendes Stück Medizingeschichte mit Neid, Intrigen und tödlichem Hass. Interessanterweise spiegelt sich die Thematik dieser Zeit, zwischen Aufbruchsstimmung und falscher Moral, auch in einer sehr bildgewaltigen, wenn auch leichteren Sprache wieder.

Haben Sie einen Lieblingsautor oder eine Lieblingsautorin? 

Nach wie vor bin ich ein großer Fan von Umberto Eco. Aber ich bin inzwischen in meinen Lesevorlieben vielseitiger geworden, kann mich nicht auf einen bestimmten Autoren oder auf ein Genre festlegen. Mir gefallen sowohl Bücher von Carlos Ruiz Zafón oder Ian McEwan als auch von Daniel Glattauer.

Wie kam es dazu, dass sie ihr erstes Buch geschrieben haben? Gab es dafür einen besonderen Grund oder hatten sie schon als Kind den Wunsch später mal Bücher zu schreiben?

Schreiben war schon immer ein Wunsch von mir. Schon als Kind habe ich mir gerne Geschichten ausgedacht und sie meinen Freundinnen erzählt. Mein erstes Buch war eine rührselige Geschichte um einen verschwundenen Hund im Stil von Enid Blyton. Das hatte ich sogar meinem Deutschlehrer zur Korrektur vorgelegt …
Den Mut zu meinem ersten richtigen Roman fand ich erst, nachdem ich ein naturheilkundliches Fachbuch veröffentlicht hatte.

Frau Koschyk, wie sind sie am Anfang, als sie den Schritt gewagt haben,  Schriftstellerin zu werden, mit Kritik umgegangen, falls sie welche bekommen haben? 

Jeder Schriftsteller erhält Kritik und das ist ja auch ganz natürlich, denn es ist unmöglich, es allen recht zu machen. Dennoch habe ich Kritik anfangs oft persönlich genommen. Mit einem Buch liefert man sich dem Leser in einer gewissen Weise aus, ich fühlte mich nackt und ungeschützt. Ich musste erst lernen, mein Werk als ein selbständiges Teil zu betrachten, das in die Welt hinausgeht und eigene Erfahrungen macht. Letztendlich aber hat mich Kritik immer angespornt, an mir zu arbeiten und meine Schreibkunst stetig zu verbessern. 

Woher schöpfen Sie ihre Ideen? 

Aus allem, was ich höre, sehe und erfahre. Manchmal ist es nur ein Satz, den ich in einer Zeitung lese und der eine ganze Geschichte in meinem Kopf lostritt. Aber vor allem glaube ich, dass ich ein Überfluss an Fantasie habe und einfach noch mehr Zeit brauche, um all meine Ideen aufzuschreiben.  

Wie kamen Sie ausgerechnet zum Kriminalroman? 

Es ist ein Genre, das ich selbst sehr gerne lese, auch in Form von historischen Kriminalromanen. Obwohl ich lieber den intelligenten Krimi mag, als den blutrünstigen. Als ich begonnen habe zu schreiben, war es gerade eine Phase, in der ich mit großer Begeisterung Henning Mankell gelesen habe. So wurde der Erstling ein Krimi und dabei ist es auch geblieben.

Wie bringt man den kreativen Beruf der Autorin und der einer Heilpraktikerin gut unter einen Hut, damit nichts darunter leidet, da beides ja sehr arbeitsintensive Berufe sind. 

Das ist richtig. Beides zusammen funktioniert nicht, dafür ist jedes für sich zu wichtig. Ich hatte schon seit der Geburt meiner Tochter nur begrenzt neue Patienten aufgenommen und mit Beginn der Arbeit an der Biografie mit der aktiven Praxistätigkeit aufgehört. Es gibt natürlich einige treue Stammpatienten, die ich noch immer betreue, aber das nimmt nur wenig Zeit in Anspruch.

Warum haben Sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin gemacht?

Als ich noch in der Modebranche gearbeitet habe, kam mir vieles sehr oberflächlich vor. Vor allem im Umgang mit dem Gegenüber herrschte eine gewisse Gleichgültigkeit. Ich aber mag den Blick hinter die Kulissen, spüre gerne den Dingen nach, die Menschen bewegen. Dazu habe ich ein ausgeprägtes Helfersyndrom und beginne oft an Stellen, an denen andere bereits aufgegeben haben.

Was hat Sie so an Homöopathie interessiert? 

Zu  einen ist es eine sehr sanfte, aber wirkungsvolle Methode, den Körper zur Selbstheilung anzuregen. Die Homöopathie hat mir schon vor meiner Praxistätigkeit in Bereichen geholfen, wo viele Mediziner und Heilkundige ratlos waren und man rasch zu Medikamenten greifen wollte, die schwere Nebenwirkungen haben.
Zum anderen interessierte mich das tiefe Eintauchen in die Persönlichkeitsstrukturen der Menschen, das mit der Kenntnis der Arzneimittel möglich ist. Das wirkt sich heute auch in meiner Arbeit als Autorin aus.

Liebe Heike, vielen Dank für die Zeit die Fragen der Blogleser/innen zu beantworten.
Das Buch aus der Verlosung geht an
Karoline A.
Herzlichen Glückwunsch
© Ricarda Ohligschläger
Foto ©  Christoph Siegert

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ramona sagt:

    Vielen Dank für dieses schöne Interview! 🙂

    1. herzgedanke sagt:

      Ich habe aber auch zu danken für die vielen interessanten Fragen der Blogleser/innen.

  2. Line sagt:

    Ich bin immernoch total hibbelig, dass ich das Buch gewonnen habe und fange sehnsüchtig jeden Tag die Post ab. 🙂
    Vielen Dank schonmal, ich hoffe das Buch kommt bald bei mir an.

    1. Heike Koschyk sagt:

      Hallo Line,

      hoffe, das Buch ist inzwischen angekommen 🙂
      Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn und viel Freude beim Lesen!

      Liebe Grüße,
      Heike

  3. Line sagt:

    Vielen Dank nochmal!! Das Buch kam bereits am 19.06. an, leider etwas ramponiert von der Post, die gehen mittlerweile immer unsorgsamer mit ihren Waren um…. Aber das kann man ja leider nicht ändern.

    Ich habe mich jetzt schon etwas hineingelesen und bin bisher echt begeistert. Freue mich immer noch total, vorallem über die hübsche Signierung!

    Vielen, vielen Dank!!

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