Interview mit Gabriela Galvani

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Liebe Gabriela, Ihr Buch „Die Hüterin des Evangeliums“ habe ich gerade beendet und bin endlich einmal wieder begeistert von einem historischen Roman.
Wie ist Ihnen die Idee zu „Die Hüterin des Evangeliums“ gekommen.

Ursprünglich wollte ich die Geschichte einer Buchdrucker-Witwe schreiben, die 1793 in der ersten Demokratie Deutschlands, in Mainz, spielt. Ich war ganz begeistert von diesem Thema, zumal es eine Belagerung von Mainz gab, die von einem Kriegsberichterstatter namens Johann Wolfgang von Goethe in Wort und Bild festgehalten worden war. Dadurch war ich übrigens überhaupt auf das Thema gestoßen. Doch mein Verlag wollte trotz des Erfolgs der „Seidenhändlerin“ keinen Roman mehr, der im 18. Jahrhundert spielt. Da der Weg von der Französischen Revolution zur Reformation im Sinne von Protest und gesellschaftlicher Neuordnung nicht allzu weit ist, habe ich meine Geschichte ins 16. Jahrhundert verlegt und den historischen Gegebenheiten angepasst.

Wie sind Sie überhaupt zum Schreiben gekommen?

Mir wurde die Schriftstellerei sozusagen in die Wiege gelegt, denn als mein Vater mich als Neugeborenes zum ersten Mal sah, sagte er: „Die wird mal Schriftstellerin.“ Das geschah unter dem Eindruck der jungen Francoise Sagan, die damals als 17jährige mit „Bonjour Tristesse“ einen Weltbestseller geschrieben hatte. Jedenfalls schreibe ich, seit ich schreiben kann, und ich hatte niemals den Wunsch, etwas anderes als Schriftstellerin zu werden. Förderlich dabei war sicher die Tatsache, dass mein Vater im Filmgeschäft war und ich sozusagen mit dem Kino groß geworden bin, also Geschichten zu erzählen für mich immer Normalität besaß. Im Übrigen kann ich nichts anderes als Schreiben – Kochen vielleicht noch, aber ich wollte niemals Köchin werden.

Ich habe gelesen, Sie arbeiten an einem neuen Buch, welches eine Fortsetzung zur Hüterin des Evangeliums werden soll. Sind die Bücher dennoch in sich abgeschlossen, oder setzt das neue Buch dann Dinge aus dem Vorgängerbuch voraus?

Die Geschichten werden in sich abgeschlossen sein, aber die Leser und Leserinnen der „Hüterin des Evangeliums“ werden einige alte Bekannte wiedertreffen, allen voran Bernhard Ditmold, der im nächsten Roman der männliche Protagonist sein wird.

Wie haben Sie sich in die Welt des 16. Jahrhunderts „eingelebt“ oder darauf eingestimmt?

Grundsätzlich gehört zu meiner Arbeit lesen, lesen und nochmals lesen. Ich habe mir vor allem antiquarische Bücher besorgt, alte Reiseberichte etwa, die sehr anschaulich Leben und Orte im 16. Jahrhundert beschreiben. Dann habe ich mich natürlich mit der damaligen Mode beschäftigt, mit Essen, Trinken, Krankheiten und all den anderen großen und kleinen Notwendigkeiten des Alltags. Außerdem bin ich häufig nach Augsburg gefahren und durch die Altstadt gelaufen, habe Kontakt aufgenommen zu Menschen, welche sich im Thema oder Ort und Zeit besser auskennen als ich, Gespräche geführt. Daraus ergab sich irgendwann ein Bild.

Woher bekamen Sie die Informationen, die sie dazu benötigt haben?

Ja, wie gesagt: Persönliche Kontakte, Vor-Ort-Besichtigungen, Literaturrecherche.  Das ist übrigens der übliche Weg, mit dem ich an historische Themen heran gehe. 

Hat es einen besonderen Grund, dass ihre Protagonisten weibliche sind?

Ich bin eine Frau und kann mich deshalb besser in die Denkweise einer Frau hinein versetzen. Bei manchen Gedankengängen meines männlichen Protagonisten habe ich übrigens meinen Mann gefragt, ob ein Mann so denken würde oder was er dazu meint. Ich will authentisch sein – und die Gefühlswelt eines Mannes bleibt mir auch in meinem Alter noch oft verschlossen.

Welchem Genre würden Sie „Die Hüterin des Evangeliums“ zuordnen? Lesern, mit welchem Geschmack würden Sie es empfehlen?

Als ich meinen Lektor fragte, ob das ein Kriminalroman geworden sei, meinte er, nein, es ginge doch auch um Liebe. Dennoch ist es sicher kein reiner Liebesroman. Bei meiner ersten Lesung meinte eine Zuhörerin, die Geschichte sei ziemlich gruselig. Darüber war ich sehr überrascht, denn das würde ich vehement bestreiten. Ich würde mal sagen, es ist ein spannender historischer Roman mit allem, was man zur guten Unterhaltung braucht.

Welche historische Person würden Sie gerne einmal treffen und warum?

August den Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen. Ich glaube, das dies ein sehr humorvoller Mann von geschliffenem Geist war, er war sehr gebildet und konnte sehr charmant sein. Ihn nur auf seine Frauengeschichten zu reduzieren ist meines Erachtens Unfug. Er war ein Genussmensch ohne dabei ein Kriegstreiber zu sein wie etwa Ludwig XIV. von Frankreich. Außerdem war er 190 cm groß und hätte daher ganz gut zu mir (178 cm) gepasst.

Planen Sie in Zukunft auch Bücher in einem anderen Bereich als dem historischen Roman zu veröffentlichen?

Eigentlich würde ich gerne mal einen zeitgenössischen Krimi schreiben, aber daraus wird wahrscheinlich nichts. So wie es aussieht, bleibe ich für die nächsten zwei Jahre erstmal den historischen Romanen treu.

Sie sind in Deutschland und der Italienischen Schweiz aufgewachsen und mal hier und dort zur Schule gegangen. Welches Land hat Sie stärker geprägt?

Deutschland, ganz klar. Meine Eltern waren ja Deutsche, das ist meine Kultur, Deutsch ist meine Muttersprache. Ich habe allerdings auch einige Jahre in Frankreich gelebt und die Zeit in Paris hat mich sicher stärker geprägt als die Schule in Lugano, vor allem etwa mein Verhalten beim Einkaufen von Lebensmitteln – ich muss häufig selbst über mich lachen, wenn ich bestimmte Muster im Supermarkt an mir beobachte, ein Camenbert wird beispielsweise erst einmal intensiv auf seine Reife geprüft, bevor er im Einkaufswagen landet.

Sie stammen aus einer Künstlerfamilie. Welche Kunst übt ihre Familie aus?

Mein Vater war Komponist, andere Mitglieder meiner Familie malen oder malten. Die höchste Quote besetzen die Musiker, und es gibt auch einen Schauspieler. Ich bin die erste Schriftstellerin und übrigens gänzlich unmusikalisch.

Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie gerne reisen. Lassen Sie sich von den verschiedenen Landschaften inspirieren oder schreiben Sie während Ihrer Reisen nicht und nutzen diese Gelegenheit als kleine Pause?

Auf Reisen schreibe ich eigentlich nicht, es sei denn, ich fahre gezielt irgendwohin, um dort in Ruhe zu schreiben, wie das bei der „Seidenhändlerin“ der Fall war. Damals zog ich in das Haus einer Freundin in Ligurien. Ich reise, um zu recherchieren, um mir die Orte anzuschauen, an denen meine Romane spielen. Es ist also meistens erst die Idee bzw. Inspiration da und dann kommt die Fahrt dorthin. Das kann man aber nicht pauschalisieren, denn natürlich fahre ich auch mal an Orte, wo ich nicht zwingend einen Roman spielen lassen würde. Und ich habe vor vielen Jahren eine Weile lang in Nizza gelebt ohne dort ein Buch geschrieben zu haben.

Liebe Gabriela, danke für dieses Interview. Ich – und sicher auch die Blogleser/innen – freue mich schon sehr auf die Fortsetzung von „Die Hüterin des Evangeliums“.
Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Nadine Z.
Verena S.
Herzlichen Glückwunsch
© Ricarda Ohligschläger

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gaby Heer sagt:

    Ein sehr nettes Interview. Ich bin schon sehr gespannt auf das Buch..

  2. Karin sagt:

    …schließe ich Gaby gerne an. Demnächst kann man bei mir auch ein Buch von Gabriela Galvani gewinnen. Sie ist so nett und macht bei meiner großen Aktion mit *freu*

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