Holde – Barbara Ulrich – Nachtschattenliebe

Clara lernt den charismatischen Wolf auf einer Pressekonferenz kennen. Der Regisseur mit den dunklen Augen besticht durch große Gesten und Worte. Sie verliebt sich auf der Stelle in ihn. Nach der ersten Nacht, spürt sie, dass Wolf genau das verkörpert wonach sie in alle den vergangenen Jahren gesucht hat und es beginnt eine Zeit voller Zärtlichkeit, Hingabe und Lust. In diesen Momenten vergisst Clara auch, dass Wolf verheiratet ist, denn schließlich schwört er ihr immer wieder, dass er seine Frau verlassen wird. Doch je mehr Jahre vergehen, desto weniger glaubt Clara seinen Worten, denn nach und nach erkennt sie Wolfs wahres Gesicht. Für ihn bedeutet Liebe nämlich auch Besitz und das macht ihr Angst.

Holde – Barbara Ulrich schildert eindringlich in welch beängstigender Weise sich eine große Liebe verändern kann. Nach und nach kreist Wolf den Lebensradius seiner Geliebten immer mehr ein, sie kapselt sich ab, besucht keine Freunde mehr und ihr ganze Aufmerksamkeit gilt nur noch den Treffen und Telefonaten mit Wolf. Wenn er erscheint lebt sie. Trifft sie sich doch einmal mit jemand anderem, plagt sie das schlechte Gewissen und sie hat Angst vor Entdeckung, denn Wolf könnte enttäuscht werden und außerdem könnte es sein, dass er genau in diesem Moment anruft oder vor ihrer Wohnungstür steht. Wolfs perfide Idee ein Tagebuch zu führen, in dem sie ihre Gefühle beschreibt wenn er nicht da ist, kommt einer Generalkontrolle gleich. Er manipuliert nun nicht mehr nur ihr Handeln, sondern auch ihr Denken – muss er doch seinen kostbaren Besitz schützen.
Genauso schützt er aber auch eine Menge Geheimnisse und als Clara eines Tages schmerzhaft spüren muss, welche anderen Seiten Wolf noch hat, ist das erst der Anfang einer Reihe von Demütigungen und Lügen.

Der Roman geht wahrlich unter die Haut, so emotional ist er. Beim Lesen habe ich oft gedacht, wie abhängig Liebe doch machen kann und ich hätte Clara gerne die Augen geöffnet über Wolfs widerwertiges Spiel. Manchmal las ich gebannt, dann wieder kopfschüttelnd und regelrecht angewidert von Wolfs Charakterzügen. Ob er Clara wirklich liebt bleibt offen und darüber kann sich jeder selbst ein Bild machen, in diesem packenden Roman, der gespickt ist mit menschlichen Abgründen und Obsessionen.

Fazit: Erschreckend faszinierend hat Holde – Barbara Ulrich die Abgründe der Liebe aufgezeigt. Ein fesselnder Roman, der bis zum Schluss sein hohes Niveau hält.
© Ricarda Ohligschläger

LESEPROBE / Holde – Barbara Ulrich – Nachtschattenliebe

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  1. Vincent Lange sagt:

    Ein hochliterarisches und bis zum Schluss spannendes Buch.
    Im Hinblick auf aktuelle Geschehnisses im Fall „Kachelmann“ auch am Puls der Zeit.

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