Gernot Gricksch – Königskinder

Gernot Gricksch hat es mir mit seinem Humor, seinem Feingefühl und seinem Blick für Emotionen und Details einfach unmöglich gemacht, dieses Buch aus der Hand zu legen.

Es gibt sie, die Liebesgeschichte, die zu schön ist, um wahr zu sein. Die, die jeder eigentlich seine eigene nennen und ständig erzählen möchte, weil sie so aufwühlend, romantisch – ja, so einzigartig und besonders ist.
Eine dieser Geschichten erleben Mark und Simone in „Königskinder“.
Simone kommt 1970 drei Wochen zu früh auf die Welt. Ihre Mutter ist eine Hippiefrau mit eigenen Esoterikladen, in dem sie Unmengen an Stoffen, Accessoires und Teekisten einpfercht. Ihr Vater, von Sternzeichen Fisch, ist erst mal nicht vorhanden und wirft bei dem kleinen Kind die Frage auf warum sie keine Meerjungfrau ist.
Mark wächst eher bürgerlich auf, in einem Einfamilienhaus in Marienthal, inklusive Schaukel und Sandkiste. Sein Vater schätzt jede Situation eher nüchtern ein und ist ein großer Freund konventioneller Rollenverteilung. Seine Mutter scheint eine ruhige Person zu sein, die nur manchmal wegen der Hochbegabung ihres kleinen Genies nervös wird.
Im Laufe ihres Lebens kommt es mehrmals fast zu zufälligen Begegnungen der beiden. Manchmal trennt sie eine Straßenseite, dann wieder ein paar Treppenstufen. Immer wieder verfehlen sie sich auf ganz mysteriöse Weise haarscharf, aber beide erleben dabei die gleichen Dinge.
Während Matthias Rust auf dem Roten Platz landet, die Elbe das Hochwasser bringt und das neue Millennium begrüßt wird, sind Simone und Mark immer dabei. Auf ihre ganz eigene Art, aber doch immer getrennt voneinander. Und man hofft und bangt als Leser mit ihnen, denn man möchte doch zu gerne, dass sich die zwei begegnen, weil es doch so das Schicksal bestimmt hat, oder etwa doch nicht?
Ja, man möchte fast als Verbindungsstück agieren und sie zu einander führen und sagen „He, schau her. Das ist dein Seelenpartner!“
Gernot Gricksch hat es mir mit seinem Humor, seinem Feingefühl und seinem Blick für Emotionen und Details einfach unmöglich gemacht dieses Buch aus der Hand zu legen. So brauche ich sicher nicht extra zu betonen, dass ich es in einem durch gelesen habe. Mit seinem Schreibstil hat er mich einfach gepackt und es war sehr interessant noch einmal hautnah die Vergangenheit aufleben zu lassen – auch wenn viele Ereignisse dabei waren, die man gerne streichen würde.
Mit seinem Einfühlungsvermögen ist es ihm gelungen, die Gefühle beider Seiten glaubwürdig darzustellen und zwar so, dass Simones Leben eine Frau nicht besser hätte beschreiben können. Die abwechselnde Erzählweise aus jeweils der Sicht des anderen empfand ich hierbei geradezu wie das passende Gegenstück, zu dem eben erzählten Teil. Und die kurzen Kapitel, die die einzelnen Jahre beschreiben lesen sich sehr, sehr flüssig.
Nach dieser Lektüre bin ich noch mehr als sonst davon überzeugt, dass es für jeden von uns ein Deckelchen gibt. Vielleicht müssen wir im Leben wirklich erst verschiedene Dinge erleben, die uns formen, stärken und ausmachen, um DIE eine große Liebe zu finden, zu erkennen und zu fühlen.
Gernot Gricksch lässt jedenfalls keinen Zweifel daran.
Fazit: „Sich finden“ kann im wahren Leben nicht schöner sein.
© Ricarda Ohligschläger

LESEPROBE / Gernot Gricksch – Königskinder

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nina2401 sagt:

    Das Buch kommt auf meine Wunschliste!
    Sehr schöne Rezi liebe Rici 🙂

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