Rezensionen

Jennie Rooney – Ich werde auf dich warten

…es tat mir in der Seele weh, zu spüren, was man aus diesem eigentlich intelligenten Plot hätte zaubern können.

„Ich werde auf dich warten“, versichert Stevie ihrem geliebten Michael, als der Krieg beginnt. Doch dann bekommt sie einen Brief aus Afrika, in dem Michael die Beziehung ohne Erklärung beendet. Stevie bleibt tief gekränkt zurück und beschließt, dass ihre Tochter niemals erfahren soll, wer ihr wahrer Vater ist. Bis viele Jahre später Stevies Enkelin Anna als Krankenschwester einen alten Herrn betreut, der seine Erinnerungen in einem Schuhkarton aufbewahrt und der ihr eine wahre Geschichte von Liebe und Krieg erzählt.

So lautet der Klappentext. Ansprechend, vielversprechend und auf eine zauberhafte, traurige wie schöne Geschichte hoffend. Doch ich wurde jäh enttäuscht beim Lesen, da sich die eigentliche Geschichte zog wie ein Kaugummi, um mich nachher zum Schluss regelrecht zu überrumpeln.
In abwechselnden Kapiteln wird jeweils aus der Sicht von Michael und Stevie erzählt und so fügt sich deren Geschichte nach und nach zusammen. Das Kennenlernen, der erste Kuss, zärtliche Berührungen, der Abschied – an allem nimmt man teil und doch fehlte mir irgendwie noch ein Fünkchen Gefühl dabei.
Natürlich ist es berührend, wenn Michael seine Erfahrungen mit dem Krieg macht, zumal er sehr, sehr jung zu diesem Zeitpunkt ist und Stevie verzweifelt auf einen Brief von ihm hofft und dann bitter enttäuscht wird.
Aber wenn ich etwas über Tauben lernen will, dann kaufe ich mir ein Taubenbuch. In einer Geschichte über Liebe, Krieg, Verlust und Hoffnung möchte ich nicht seitenweise von Taubenzucht lesen.
Die Phasen im Leben der beiden, die wirklich wichtig waren, die dem Leser noch mehr Facetten der beiden Hauptfiguren gezeigt hätten, wurden nach meinem Empfinden im Schnellverfahren abgehandelt.
Eigentlich wäre dieses Buch eines der Bücher gewesen, welches ich abgebrochen hätte, aber der flüssige Schreibstil hat mich dann doch dazu bewogen es weiter zu lesen. Und ich hoffte ja auch immer noch auf ein Happy End bzw. auf den wirklich dramatischen Teil.
Dieser wurde dann auf die allerletzten Seiten gepresst und es tat mir in der Seele weh, zu spüren, was man aus diesem eigentlich intelligenten Plot hätte zaubern können.
Wer eine wirklich bewegende Geschichte über Liebe, Krieg und Hoffnung lesen möchte, dem empfehle ich „Zwei halbe Leben“ von Rebecca Stephan. Vielleicht sollte die Autorin dieses Buch lesen, um zu erfahren was sie aus ihrer Idee zum Buch hätte machen können. Und ja, es könnte sein, dass ich mit zu hohen Erwartungen an dieses Buch heran gegangen bin, da ich immer noch hoffe, eine ähnliche Story wie das eben genannte wieder zu finden.
Fazit: Eine gute Story, die man mit etwas mehr Gefühl und Dramatik bei Weitem mehr „berührend“ hätte nennen können.
© Ricarda Ohligschläger