Interviews mit Autoren

Interview mit Gerit Betram

Ich habe schon als Kind Bücher verschlungen wie andere Gummibärchen

Sie haben sich über ein Schreibforum kennengelernt und schreiben nun gemeinsam. Haben Sie sich auf Anhieb verstanden oder wie ist da der „Schreibfunke“ übergesprungen?

Peter Hoeft: Es hat ziemlich schnell „gefunkt“, wenn Sie es so nennen wollen. Nein im Ernst, die Zusammenarbeit zwischen Iris und mir hat tatsächlich von Anfang an gut geklappt, und wir sind uns sicher, dass daraus noch viele schöne gemeinsame Buchprojekte entstehen werden.

Iris Klockmann: Ja, stimmt. Da haben wir beide wohl eine Menge Glück gehabt und wundern uns auch heute noch manchmal, wie sich alles so einfach entwickeln konnte. Mittlerweile arbeiten wir schon seit drei Jahren zusammen, und es macht sehr viel Spaß.

Wie ist Ihnen die Grundidee gekommen für den historischen Roman „Die Goldspinnerin“. War hier eine/r von Ihnen die treibende Kraft?

Iris Klockmann: Das ging von uns beiden aus. Peter hatte damals diesen ungewöhnlichen Beruf gefunden, und gleichzeitig erzählte mir ein Bekannter von einem Altstadthaus in meiner Heimatstadt Lübeck, das ihm gehörte. Er zeigte mir Pläne und berichtete von der Arbeit der Archäologen und deren gefundene Schätze. Im 14. Jahrhundert war es ein Armenhaus. Ich war sofort fasziniert. Also nahmen wir den Beruf der Protagonistin und den Schauplatz Lübeck und bauten diese Geschichte daraus.  Auf diese Weise habe ich die Stadt noch mal ganz neu kennenlernen dürfen, das war unheimlich spannend!

Der Roman „Die Goldspinnerin“ spielt in Lübeck. Können wir denn nun auch mit einem Buch rechnen, das in Bad Oeynhausen spielt? Arbeiten sie schon an einem neuen gemeinsamen Buch?

Peter Hoeft: Bad Oeynhausen dürfte für einen historischen Roman nicht wirklich ergiebig sein. Obwohl der Kurort ja durchaus in einer geschichtsträchtigen Gegend liegt, dem Weserbergland mit der 1200 Jahre alten Bischofsstadt Minden zum Beispiel. Man soll also nie „nie“ sagen. Unser nächstes gemeinsames Buch wird die Fortsetzung der Goldspinnerin sein und wird im kommenden Jahr erscheinen. Außerdem haben wir mit der Arbeit an einem weiteren historischen Roman begonnen, der im Nürnberg des 16. Jahrhundert angesiedelt ist.

Iris Klockmann: Ja, wer weiß? Wenn uns eine zündende Idee kommen sollte, warum nicht Minden oder Braunschweig?

Wie sind Sie auf einen Titel „Die Goldspinnerin“ gekommen? Wessen Idee war es?

Iris Klockmann: Die Idee kam von Peter, und als wir feststellten, dass es bisher keinen gleichlautenden Titel gab, nahm diese Idee sofort Gestalt an.

Wie kam es zu dem Pseudonym Gerit Bertram? Hat der gewählte Name einen bestimmten Hintergrund?

Iris Klockmann: Wir beide wollten gern einen Vornamen, den es sowohl in einer männlichen wie auch in einer weiblichen Form gibt. Ja, und der Nachname kam uns einfach in den Sinn, uns gefiel das Pseudonym, und unserer Agentur glücklicherweise auch. So wurde Gerit Bertram geboren.

Ich lese seit Jahren gern historische Bücher und bin immer erfreut etwas Neues zu entdecken. Dennoch brauch ich manchmal ein Buch dazwischen was nicht historisch ist. Ist das bei Ihnen auch so oder ist es für Sie eine ‚Bestimmung‘ geworden nur historische Bücher zu schreiben, auch wenn „Die Goldspinnerin“ erst ihr zweiter gemeinsamer History-Roman ist?!

Peter Hoeft: Ich lese selbst ja nicht ausschließlich historische Romane, sondern auch gern mal etwas anderes. „Unser“ Genre ist zur Zeit aber tatsächlich der historische Roman.

Iris Klockmann: Genau, der historische Roman wird uns noch länger begleiten, denn es gibt kein Genre, in dem der Autor so viel Spielraum hat wie dort. Und es gibt noch so vieles zu erzählen. Aber wer weiß? Die Zukunft bleibt spannend. Ich lese nebenher auch gern Fantasy oder Mystery-Thriller.

Hätten Sie gerne in der historischen Zeit gelebt, und wenn ja, als welche Person?

Peter Hoeft: Also, ich bin mit der Zeit, in der ich lebe, ganz zufrieden. Was ich allerdings schon faszinierend fände, wäre ein Kurztrip via Zeitmaschine ins Mittelalter oder noch weiter zurück, um mal „Mäuschen spielen“ zu können bei historisch wichtigen Ereignissen. Für mich als  Christ wäre so ein Ereignis zum Bespiel die Entstehung der so genannten Urgemeinde vor fast 2000 Jahren. Oder Luthers Auftritt vor dem Reichstag zu Worms.

Iris Klockmann: Oh ja, ich wäre gern im Alten Ägypten, z.B. zur Zeit Hatschepsuts. Sie muss eine charismatische Frau gewesen sein, obendrein ist es ihr während ihrer Regierungszeit gelungen, den Frieden zu wahren. Oder die Zeit um Mose und Ramses, ich wäre da gern ein Beobachter der biblischen Geschichte gewesen. Und dann würde ich nach Hause zurückkehren und die Errungenschaften der Neuzeit genießen, wie ein heißes Bad im Winter, einen Computer oder einen Supermarkt, damit ich nicht jagen gehen muss. *g* Nein, ernsthaft – wir leben in einer sehr bequemen und fortschrittlichen Zeit, die ich durchaus zu schätzen weiß.

Ich würde gerne erfahren wie sie es genau machen zu zweit ein Buch zu schreiben. Wird die grobe Geschichte zusammen ausgedacht und dann aufgeteilt und geschrieben? Schreibt jeder immer ein Stück und der andere liest es dann und schreibt das nächste? Oder wie läuft das ab?

Iris Klockmann: Ganz einfach und doch kompliziert. Wir erstellen einen Plot und arbeiten eine Charakterisierung der wichtigsten Personen aus. Dann beginnen wir an unterschiedlichen Kapiteln zu schreiben. Abends schicken wir uns das gegenseitig zu, verändern, ergänzen oder formulieren um, bis aus unseren beiden Schreibstilen (die sich durchaus ähneln) unserer gemeinsamer Stil geworden ist. Natürlich sprechen wir uns täglich ab, wann wer arbeitet und was, damit wir uns nicht gegenseitig behindern. Oft verwundert es uns selbst, wie das funktioniert. Tatsächlich wird uns immer wieder gesagt, man könne nicht herausfinden, wer was geschrieben hätte. Das sehen wir als ein großes Kompliment und freuen uns sehr darüber.

Gab es auch mal Meinungsverschiedenheiten? Wie beseitigen Sie diese Unstimmigkeiten untereinander beim Schreiben eines Buches?

Iris Klockmann: Unstimmigkeiten im Sinne von Streit? Nein, die hatten wir zum Glück noch nie. Aber natürlich kommt es vor, dass einem von uns der Verlauf einer Szene noch nicht gefällt. Sollte es dem anderen ebenso gehen, haben wir einen Plan, und er heißt: Wenn diese Szene noch nicht gut genug ist, schreiben wir eine dritte, bessere Version. Das kann auch bedeuten, dass ganze Kapitel gestrichen und völlig neu geschrieben werden, bis wir beide das Bestmögliche gefunden haben.

Wo nehmen sie die ganzen Ideen her?

Iris Klockmann: Das kann ganz banal passieren. Beim Spaziergang, ein Lied, das mir gefällt, eine Erinnerung oder ein Film. Ich bin ein Mensch mit viel Fantasie. Meist sehe ich ein Bild vor Augen, eine Person und einen Konflikt, und ganz von allein formen sich in mir ganze Szenen. Allerdings kommen uns die meisten Iden tatsächlich, wenn wir miteinander telefonieren oder uns treffen. Das gibt oft einen irren Kreativschub, dann ist es für alle besser, man lässt uns in Ruhe die Köpfe zusammenstecken. *g*

Schreiben sie täglich?

Iris Klockmann: Ja, natürlich. Zum Schreiben gehört auch eine gehörige Portion Disziplin, deshalb haben wir ein bestimmtes Tagesziel, das wir zu erreichen versuchen. Das ist einer der Vorteile eines Autoren-Teams, wir spornen uns gegenseitig an, weil wir wissen, der Partner wartet auf neue Seiten.

Was tun gegen Schreibblockaden?

Peter Hoeft: Mein Hund verlangt mehrmals täglich seine Spaziergänge. Und bei diesen ist mir schon öfter eine Idee gekommen, wie und wo ich weiterschreiben könnte, wenns mal gar nicht klappen will. Richtige, lang andauernde Schreibblockaden habe ich zum Glück noch nicht gehabt.

Iris Klockmann: Ich hatte noch nie eine. Bei mir ist es eher umgekehrt, und es gibt Tage, an denen mich der Alltag so auf Trab hält, dass ich all das, was ich an Ideen und Worten im Kopf habe, nicht schreiben kann. Für mich der blanke Horror, deshalb habe ich überall ein Notizheft dabei, um es wenigstens in Stichpunkten festzuhalten. Nur leider stelle ich immer wieder fest, dass genau diese Formulierung, dieses szenische Bild am nächsten Tag nicht mehr genauso gut passt., und ich ärgere mich furchtbar darüber.

Haben sie Schreibrituale?

Peter Hoeft: Nein.

Iris Klockmann: Ja und Nein. An Tagen, an denen die Ideen sprudeln, bin ich genügsam. Da brauche ich nur Ruhe  in meinem Arbeitsbereich, dann klappt das von allein – was allerdings mit einer Familie nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist. Weiß ich aber noch nicht genau, was ich schreiben will, höre ich leise Musik, die zu der Zeit und der Atmosphäre passt, dazu dann viel Kaffee und Wasser.

Lesen sie selbst gerne?

Peter Hoeft: Nennen Sie mir einen Autoren, der nicht selbst gern liest.

Iris Klockmann: Stimmt. Lesen ist eines der mächtigsten Werkzeuge für eigene Ideen. Was wäre die Welt ohne Bücher? 

Wie war der Weg, bis Ihr erstes Buch erschienen ist?

Peter Hoeft: Ich habe mir schon als Jugendlicher – übrigens auch da schon mit einem Schreibpartner, meinem besten Freund – Abenteuergeschichten ausgedacht. Später habe ich mehrere Jugendbücher, Erzählungen und Künstlermonografien geschrieben, die allesamt in Kleinverlagen veröffentlicht wurden, außerdem Beiträge in Anthologien und Artikel in Zeitschriften.

Iris Klockmann: Ich habe schon als Kind Bücher verschlungen wie andere Gummibärchen. In meiner Fantasie habe ich mir vorgestellt, wie ich diese Geschichten erzählen würde, zugetraut habe ich mir das damals nie. Bis mir viel später als Mutter die Gutenacht-Geschichten für meine Töchter ausgingen und ich mir welche ausdachte. So kam eins zum anderen, und ich schrieb einen Fantasy Roman, der viel Anerkennung fand, und Kurzgeschichten für Anthologien. Dann lernte ich Peter kennen …

Iris Klockmann, in welchem Genre fühlen Sie sich wohler, Jugendbuch/Fantasy oder historischer Roman?

Iris Klockmann: Oh je, schwierige Frage, einfache Antwort. Ich fühle mich dort zu Hause, wo ich meinen Ideen freien Lauf lassen und mit Peter im Team arbeiten kann. 

Peter Hoeft, woher kommt Ihre Faszination für Geschichte bzw. historische Romane?

Mich interessiert das Thema Zeitreise. Da diese technisch leider noch nicht möglich sind, bleibt nur der Weg über das Medium Buch. Und so lasse ich mich immer wieder gern durch Autorenkollegen und ihre historischen Romane in die Vergangenheit zurückversetzen.

Liebe Iris, lieber Peter, ich danke Ihnen von Herzen für dieses sehr interessante Interview. Und ja – was wäre die Welt ohne Bücher? ich glaube das kann man gar nicht so leicht beantworten, aber eines wäre sie sicher: unsagbar trostlos! Ich wünsche Ihnen für ihre Arbeit weiterhin alles Gute!
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Herzlichen Glückwunsch! Die Bücher werden nächste Woche ihren Empfänger erreichen.
© Ricarda Ohligschläger