Sabine Kornbichler – Die Todesbotschaft

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Normalerweise packen mich Thriller ja eher selten und wenn dann muss entweder viel Blut fließen oder der Täter muss besonders perfide Neigungen haben.

Finja Benthien hat sich als Malerin, bis über die Grenzen Berlins, einen Namen gemacht. Doch ihren neuen Auftrag muss sie vorerst auf Eis legen, denn eine erschütternde Nachricht unterbricht ihre beruflichen Pläne:
Der Bruder ihres Schwagers und dessen Mutter sind bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Finja reist zur Beerdigung an den Tegernsee, dem Ort ihrer Kindheit, der nicht nur positive Erinnerungen weckt.
Kurz darauf kommt eine Jugendfreundin auf mysteriöse Weise ums Leben. Zufällig entdeckt Finja, dass beide Todesfälle vorher angekündigt wurden. Die Väter bzw. Ehemänner hatten eine schriftliche Drohung erhalten!
Als dann auch noch ein Schreiben auftaucht, welches ihre Schwester Amelie betrifft muss Finja handeln. Doch ihr Vater reagiert alles andere als begeistert und wehrt die Nachforschungen seiner Tochter rigoros ab. Immer mehr erhärtet sich für sie der Verdacht, dass die renommierte Wirtschaftsdetektei ihres Vaters und seiner Partner etwas mit den Todesfällen zu tun hat.

Auf eigene Faust will sie die Geheimnisse aufdecken, die ihr Vater und seine Verbündeten zu verstecken versuchen. Gleichzeitig wird Finja bewusst, dass sie es hier mit einer völlig neuen Seite ihres Vaters zu tun bekommt. Er entwickelt sich nämlich zu einem Gegner, von dem sie bisher noch nichts ahnte. Während Finja trotz aller Widerstände immer weiter in die Machenschaften der Detektei vordringt, dringt sie auch in ihre eigene Vergangenheit ein und bekommt mehr Fragen beantwortet, als ihr lieb ist.

Dies ist mein erstes Buch von Sabine Kornbichler. Die Autorin wurde mir schon von vielen Seiten empfohlen und ich habe es nicht bereut lesetechnisch mal wieder neue Wege zu gehen.

„Die Todesbotschaft“ setzt sich aus zwei Handlungssträngen zusammen. Dem von Finja, die in der ICH – Form über die Ereignisse berichtet und einem kursiv gehaltenen Teil, in dem die Vergangenheit von Gesa Minke beleuchtet wird. Dieser Teil umfasst auch den Prolog und eröffnet somit gekonnt die spannende und fesselnde Handlung.
Der kursiv gehaltene Erzählstrang ist immer nur wenige Seiten lang, trägt aber nicht unwesentlich zur Haupthandlung bei. Nicht nur einmal hielt ich wegen der Spannung und überraschender Wendungen während des Lesens den Atem an.

Der Autorin ist es gelungen die fesselnde Atmosphäre bis zum Finale auf hohem Niveau zu halten. Nicht zum Schluss deshalb, weil sie ihren Figuren auch einen Hauch von „Unnahbarkeit“ mit auf den Weg gibt. So rätselte ich bis zum Schluss welche Rolle in dem Ganzen zum Beispiel Finjas neuer Auftraggeber hat(te). Gehört er zu der „guten“ oder zu der eiskalt berechnenden, der „bösen“ Seite?
Überhaupt wirft die Handlung mehrere Fragen auf. Warum zum Beispiel verlässt sich Finjas Mutter zu hundert Prozent auf die Aussagen ihres Mannes, obwohl sie von seinen dubiosen Geschäften weiß? Wer spielt noch ein falsches Spiel mit Finja und wird sich das größte Geheimnis ihrer Vergangenheit für die junge Frau noch komplett auflösen?

Normalerweise packen mich Thriller ja eher selten und wenn dann muss entweder viel Blut fließen oder der Täter muss besonders perfide Neigungen haben. Ich vergleiche da jetzt einfach mal mit Sebastian Fitzek und Andreas Franz, die mich beide immer wieder aufs Neue fesseln mit ihren Plots und ihrem Schreibstil.
Sabine Kornbichlers „Die Todesbotschaft“ kommt fast ohne Blut aus und die Täter haben eher andere Motive, als zum Beispiel die Befriedigung ihrer perversen Gelüste. Trotzdem hat sie mich an dieses Buch gefesselt – oder vielleicht gerade deshalb?
Denn ihre Täter sind ebenso pervers, skrupellos und machtgierig, aber eben auf einer ganz anderen Ebene – die, und das muss der Leser für sich entscheiden, nicht weniger erschreckend erscheint. Und so manches Mal habe ich mich beim Lesen gefragt, wie viel ihrer fiktiven Geschichte wohl jetzt schon wahr ist.

Fazit: Fiktion liegt manchmal sehr nahe an der Wirklichkeit. Dieser Gedanke macht „Die Todesbotschaft“ zu einem erschreckend realistischen Thriller, der außerdem noch mit vielen überraschenden Wendungen aufwartet und die Spannung ununterbrochen auf hohem Niveau hält.
© Ricarda Ohligschläger

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Susanne sagt:

    Liebe Rici,
    deine Rezi macht mich neugierig. Ich habe schon einigs von Sabine Kornbichler gelesen und mag ihre Bücher sehr. Dieser Thriller wird wohl meinen Wunschzettel wieder ein wenig verlängern ;-)))
    Liebe Grüße
    Susanne

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