Ken Follett – Sturz der Titanen

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Ich kann mich wirklich nicht entscheiden

 

 

 

Drei Länder. Drei Familien. Ein Jahrhundert.Europa 1914. Eine deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, die unter den politischen Spannungen zerrissen wird. Eine Familie aus England zwischen dem Aufstieg der Arbeiter und dem Niedergang des Adels. Und zwei Brüder aus Russland, von denen der eine zum Revolutionär wird, während der andere in der Fremde sein Glück sucht. Ihre Schicksale verflechten sich vor dem Hintergrund eines heraufziehenden Sturmes, der die alten Mächte hinwegfegen und die Welt in ihren Grundfesten erschüttern wird. (Quelle: amazon.de)

Wenn man sich vornimmt einen Roman wie „Sturz der Titanen“ zu lesen, sollte man sich Zeit nehmen, denn man sollte sich gewiss sein, dass die Story keine tagelange Pause verzeiht. Dafür ist die Handlung viel zu komplex.
Anfangs hatte ich ein paar Berührungsängste, nicht allein dadurch verursacht, dass das Personenregister so umfangreich ist. Auch die 1020 Seiten schreckten mich ein bisschen ab. Aber dann siegte meine Neugier auf das Buch und ich habe mich vollends auf die Geschichte eingelassen und schon nach 70 Seiten war ich komplett in die Handlung versunken.

Follett zeichnet ein fantastisches und vor allen Dingen verständliches Bild der politischen Ereignisse von 1914 bis 1920. Auch Leser, die wenig politisch interessiert sind oder früher Geschichte nicht gerade als ihr Lieblingsfach bezeichneten  so wie ich 😉  wird dieses Buch gefallen.
Dem Autor ist es gelungen immer wieder unvorhersehbare Wendungen mit einzubauen, die mir beim Lesen entweder rote Wangen, Atemlosigkeit oder auch ein paar Tränchen bescherten. Schwangerschaften, Trennungen, geheime Liebschaften und viel Sex  Follett geht hierbei aufs Ganze!

Am meisten berührt hat mich dabei die Liebesgeschichte zwischen Maud und Walter. Ohne Kompromisse kämpfen sie bis zum Schluss um ihre Liebe, auch wenn sie dafür einige Rückschläge in Kauf nehmen mussten.
Nicht nur diese zwei sind es, die mit ihrer Entwicklung in diesem Roman beeindrucken. Da werden ein Zimmermädchen zur politisch engagierten Kämpferin und ein Gauner zum Offizier.
Was mir jedoch ein fehlte war noch mehr Facettenreichtum bei den Figuren. Ein Betrüger bleibt bei Follett ein Betrüger und ein Adliger bleibt ein vorurteilsbeladener Snob. Und auch der eben angesprochene Offizier bleibt letzten Endes nichts weiter als ein Ehebrecher und Dieb.

Genauso hat das Buch ein paar überflüssige Längen.
Der Anfang war brillant und spannungsvoll konstruiert. Und auch große Teile in der Mitte der Handlung flogen nur so dahin. Nicht zuletzt durch den relativ flüssigen Schreibstil. Diese Kapitel waren ereignisreich und vor allen Dingen abwechslungsreich. Aber zwischen ca. Seite 700 und 900 ging es nur noch politisch zu und das auf so zähe Art und Weise, dass ich mich wirklich motivieren musste das Buch bis zum Ende zu lesen. Lediglich die Neugier über die weiteren Geschehnisse trieb mich an durchzuhalten. Schlussendlich wurde ich dann auch mit einem für mich zufrieden stimmenden Ende belohnt. Ich erhoffe und wünsche mir die Fortsetzung ein bisschen weniger politisch.

An meiner Rezension merkt man sicher schon, dass ich hin und her gerissen bin zwischen Begeisterung und netter Unterhaltung. Ich kann mich wirklich nicht entscheiden. Einerseits hat Follett die politischen Ereignisse sehr anschaulich beschrieben, dann gab es wie schon erwähnt Kapitel in denen es stur nur um Revolution, Aufstände etc. ging.

Fazit: Lesenswert ist „Sturz der Titanen“ auf jeden Fall, aber man darf nicht zu viel erwarten.
© Ricarda Ohligschläger

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Prettytiger sagt:

    Na das hört sich ja leider nicht allzu gut an, wo doch das Buch überaus gelobt und angepriesen wurde!

    Meinen Blog gibt es auch auf Facebook, ich würde mich freuen, wenn du auch dort mal vorbeischauen würdest 😉

    1. herzgedanke sagt:

      Es ist ein gutes Buch – aber „Die Säulen der Erde“ war um einiges besser.

  2. Nina2401 sagt:

    Schöne Rezi, liebe Rici! Aber ich erwarte sehr viel, Follett ist mein absoluter Lieblingsautor und ich bin schon soooo gespannt!

  3. Nach „die Säulen der Erde“ und „die Pfeiler der Macht“ bin ich etwas verwöhnt, dementsprechend ist natürlich auch die Erwartungshaltung. vielleicht kann ich zu seiner Lesung in Hannover gehen, und mich dann immer noch entscheiden.
    LG Petra

  4. Jetzt bin ich hin und hergerissen 😀 Ken Follett ist demnächst hier bei Thalia zu einer Lesung…ich denke, da werde ich mir mal einen Teil des Buches anhören und dann spontan entscheiden, ob ich es doch kaufe oder lieber warte, bis ich es mir mal von jemandem leihe 😉

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