Interview mit Vincent Kliesch

Ich werde auch sehr oft gefragt, ob man mich irgendwo ausschalten kann.

 


Lieber Vincent, vielen Dank, dass Sie sich für diese Aktion Zeit nehmen.
Nach ihrem Erfolg mit „Die Reinheit des Todes“ darf man nun mit der Fortsetzung „Der Todeszauberer“ rechnen. Worum geht es in diesem Buch? Dürfen Sie schon etwas verraten? 
Viel kann ich noch nicht verraten. Es wird aber wieder einen Serienmörder geben, der Julius Kern vor große Probleme stellt. Außerdem taucht eine sehr attraktive Kollegin aus München auf, und auch Tassilo lässt nicht lange auf seinen Auftritt warten … 

Haben Sie bereits jetzt eine Vorstellung wie viele Bücher es mit dem Ermittler Julius Kern geben soll?Jedenfalls wird 2012 der dritte Band der Kern-Tassilo-Trilogie erscheinen. Auch darüber hinaus steht schon fest, dass es 2013 einen weiteren Thriller von mir bei blanvalet geben wird. Ob es darin dann aber wieder um Julius Kern oder um etwas vollkommen anderes gehen wird steht jetzt noch nicht fest. Wir wissen ja schließlich auch noch nicht, wie der dritte Teil ausgeht. 😉

Wie haben Sie den Ermittler Julius Kern und seinen privaten Hintergrund konstruiert? Ist alles rein fiktiv oder haben Sie sich dabei von echten Menschen inspirieren lassen?Ich habe Julius Kern genau so konstruiert, wie alle meine Figuren: Er hat ein paar Eigenschaften von mir selber, einige, die ich von Bekannten und Freunden kenne, sowie ein paar erfundene Züge. Ich stelle mir beim Schreiben gern Menschen vor, die ich kenne und überlege dann, wie sie in den verschiedensten Situationen reagieren würden. So versuche ich, meine Figuren so realistisch und glaubwürdig wie möglich zu gestalten.

Wie haben Sie recherchiert? Haben Sie Freunde, die Ihnen da beratend zur Seite stehen?Die Gastronomie war lange meine berufliche Heimat, da musste ich nicht recherchieren. Über die Arbeit der Polizei habe ich mich bei der Autorenberatung des LKA Berlin informieren können. Außerdem habe ich tatsächlich viele Freunde angesprochen, die mir in den verschiedensten Bereichen kostbare Ratschläge geben konnten.

Wie lange haben Sie für „Die Reinheit des Todes“ von der ersten Idee bis zur Vollendung gebraucht?Am Manuskript habe ich etwa ein Jahr gearbeitet. Wenn ich jetzt aber die Vorlaufzeit dazu rechne, in der ich mit der Idee herumgelaufen bin und mir immer wieder Gedanken gemacht habe, wie die Geschichte am Ende funktionieren könnte, dann kommt sicher noch mal ein halbes Jahr dazu.
Das erste Buch war für mich allerdings auch das schwerste, weil ich erst meine Strukturen und Techniken finden musste. Für den „Todeszauberer“ habe ich dann schon nur noch etwa sechs Monate benötigt.

Hat Sie der Erfolg überrascht? Was sagen Sie nun dazu?Natürlich hofft ja jeder Autor, dass sein Buch erfolgreich sein wird. Wenn es dann aber wirklich passiert, ist es trotzdem eine große Überraschung. Jetzt hoffe ich nur, dass die Leser auch von meinen nächsten Geschichten nicht enttäuscht sein werden und mir auch in Zukunft treu bleiben, damit ich noch viele schöne Bücher veröffentlichen kann.

Wissen Sie noch, in welcher Situation Ihnen die Idee zu „Die Reinheit des Todes“ gekommen ist? Oder kamen die Ideen eher beim Schreiben?Ich hatte beim arbeiten in einem Restaurant wahnsinnigen Stress mit ein paar unangenehmen Gästen. Da habe ich zu zwei Kolleginnen gesagt „Ich schreibe mal ein Buch über einen Kellner, der solche Typen einfach umbringt“. Die beiden waren von der Idee begeistert und haben mich immer wieder nach diesem Buch gefragt. Bis ich es dann schließlich wirklich geschrieben habe …

Wie sind Sie denn auf die Idee mit dem Putzteufel gekommen? Sind Sie selbst auch ein Sauberkeitsfanatiker?Ich wünschte, ich wäre nur halb so fleißig wie der Putzteufel. Meistens warte ich mit dem Putzen so lange, bis mich der Staub so ärgert, dass ich gar keine andere Wahl mehr habe, als sauber zu machen.
Ich wollte einen mysteriösen Mörder schaffen und habe mir überlegt, vor welches Rätsel er die Polizei stellen könnte. Der klinisch sauber gereinigte Tatort kam mir originell vor. Ich habe dann mehrere Ideen ausprobiert, welche Motivation ein Mörder haben könnte, so zu putzen. Die endgültige ist dann aber erst während des Schreibprozesses entstanden.

Wie passt es zusammen, einen Thriller zu verfassen und gleichzeitig als Stand-Up-Comedian tätig zu sein? Sehen Sie das sozusagen als „Ausgleich“ zum anderen – wie zwei verschiedene Pole, die sich die Balance halten?Der Thriller liegt der Comedy keineswegs fern. In beiden Fächern baut man Spannung auf und bringt das Publikum dazu, wissen zu wollen, worauf die Geschichte hinausläuft. Und in beiden Fächern ist der Zuschauer über die Auflösung am Ende überrascht. Nur, dass er über die Auflösung in der Comedy lacht, während ihn die des Thrillers erschreckt oder sogar gruselt.
Das mit dem Ausgleich stimmt auch. Jeder Mensch hat schließlich eine nette und eine böse Seite …

Hat es Sie schon, bevor Sie im Gastronomie-Gewerbe gearbeitet haben, gereizt ein Buch zu schreiben?

Ich weiß noch, dass ich mit neun Jahren einen Wettbewerb der Stadtbücherei gewonnen habe, bei dem Kinder eine Geschichte mit dem Anfang „Als ich gestern in den Keller ging …“ erfinden sollten.
Auf Klassenfahrten in der Grundschule habe ich später auch immer tagsüber Gruselgeschichten geschrieben, die ich dann den anderen vor dem Schlafengehen vorgelesen habe. Außerdem habe ich mich als einziger in der Klasse immer gefreut, wenn wir Aufsätze schreiben mussten.
Mit fünfzehn wollte ich dann lange Zeit unbedingt Schriftsteller werden und habe peinliche Texte an Verlage geschickt. Zum Glück hat das nie jemand gedruckt …
Ja, und 2008 war dann die Zeit reif. Das Schreiben hat also immer irgendwie in mir gesteckt, es hat nur etwas gedauert, bis es endlich raus kam.

Als Stand-Up-Comedian haben Sie bereits Erfahrungen im „Quatsch Comedy Club“ gemacht. Ist es angenehmer in einer kleinen, aber gemütlichen Runde zu performen oder reizt es Sie, auch mal in großen Hallen wie Mario Barth und Co. zu spielen? 

Im Filmpark Babelsberg habe ich als Moderator oft Gelegenheit, vor fast dreitausend Zuschauern zu moderieren. Das ist dann immer so, als ob man allein ist. Man sieht keine Gesichter, hört keine Stimmen und nimmt keine Individuen wahr. Angenehmer ist es, vor einem kleineren Publikum zu stehen. Man erfährt die Namen einzelner Zuschauer und kann eine fast familiäre Stimmung entwickeln. Am Ende plaudere ich dann oft noch mit dem Publikum, was immer großen Spaß macht.

Sind Sie auch im Privatleben ein sehr lustiger und humorvoller Mensch?

Absolut. Ich habe eigentlich in fast jeder Situation einen Scherz auf Lager. Ich werde auch sehr oft gefragt, ob man mich irgendwo ausschalten kann. Geht aber nicht. 😉

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, mit einem anderen Autor zusammenzuarbeiten, wer würde es sein?

Ich bin Fan von Thomas Harris, der Hannibal Lecter erfunden hat. An seinem Stil habe ich mich auch ein bisschen für meinen ersten Thriller orientiert. Mit ihm zusammen würde ich sehr gern mal ein Buch schreiben. „Hannibal meets Tassilo“. Das wäre ein Spaß!

Welche Bücher lesen Sie gern in Ihrer Freizeit?

Auch Thriller. Ich bin ein ungeduldiger Leser und brauche ständig offensichtliche Spannung. Humoristische Bücher lese ich auch manchmal, aber nur, wenn sie von Kollegen geschrieben wurden, die ich persönlich kenne. Ein Geheimtipp wäre da übrigens „Die Schwerelosigkeit der Flusspferde“ von Volker Surmann. Eine köstliche Abrechnung mit der Realität im Comedybusiness.

Holen Sie sich Ideen auch aus anderen Büchern, die Sie gelesen haben?

Inhaltlich nicht, stilistisch schon. Wenn es mir besonders gut gefallen hat, mit welcher Technik ein Autor eine Szene spannend gemacht hat, setze ich diese gern auch in einem meiner Kapitel ein.

Was lieben Sie mehr? Ihre Arbeit als Moderator, Comedian oder doch als Autor?

Das ist so, als würde man einen Vater fragen, welches seiner Kinder ihm am liebsten ist. Ich liebe es, ausschließlich davon leben zu können, dass ich das tue, was mir Spaß macht und was mir liegt. Das ist wirklich alles, was man sich beruflich wünschen kann. Dann auch noch zwischen den verschiedenen Lieblingstätigkeiten hin und her springen zu können macht das ganze perfekt. 🙂

Was sagt eigentlich ihre Familie dazu, dass sie sowas „Solides“ wie die Gastronomie gegen so was „Unsicheres“ wie Autor und Entertainer eintauschen?

Wenn mal alle wüssten, dass die Gastronomie etwas Solides ist. Viele denken ja immer, Kellner sei kein Beruf, sondern ein Studentenjob, mit dem man nichts verdient und den man nur so nebenher macht. Deswegen werden selbst erfahrende Restaurantfachleute immer wieder gefragt, was sie „sonst noch machen“. Was meine Familie betrifft – meine Geschwister kennen mich gar nicht anders, als in der Rolle des Entertainers, und mein Vater würde mich selbst nach hundert Bestsellern noch fragen, wovon ich eigentlich lebe. Aber das ist eben die Aufgabe eines Vaters …

Welche Wünsche haben Sie für 2011?

Beruflich möchte ich gern mindestens wieder so vielen Menschen Freude mit dem „Todeszauberer“ machen. Außerdem möchte ich gern eine weitere Saison im Filmpark Babelsberg dabei sein. Zudem stelle ich 2011 den dritten Thriller fertig und hoffe, dass es ein tolles, spannendes Trilogie-Finale mit vielen überraschenden Wendungen wird.
Privat hoffe ich, weiter so viel Spaß und schöne Momente mit meinen Freunden und Kollegen zu haben und mich weiterhin so wohl zu fühlen, wie jetzt schon.

Lieber Vincent, ich danke Ihnen für diese offene Interview und wünsche Ihnen für 2011 weiterhin viel Erfolg!
Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Jasmin S.
Anja M.
Melanie S.
Herzlichen Glückwunsch!

Autorenfoto © Manuel Abraham
Cover „Der Todeszauberer“ / Quelle: http://www.randomhouse.de 

Die Interviewfragen stammen u. a. aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten“

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Fiona sagt:

    Ein tolles Interview mit einem sehr sympathischen Autor. Hat mich sehr gut unterhalten und wie er sagt, er ist ein glücklicher Mensch, dass er von dem was er liebt leben kann 🙂

  2. Sabine sagt:

    Super Interview! Ich freu mich schon mal auf „Der Todeszauberer“.

    Lg, Sabine

  3. Melanie S. sagt:

    Danke für das tolle Interview – nun freue ich mich umso mehr darauf das Buch zu lesen!
    liebe Grüße, Melanie

    ps: über den Gewinn habe ich mich sehr gefreut und hatte gar nicht damit gerechnet das Buch in meinem Briefkasten zu finden!

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