Inge Löhnig – Der Sünde Sold

Man nehme ein beschauliches Örtchen, konzipiere ein spannendes, ausgeklügeltes Romangerüst drum herum, spicke es mit menschlichen Abgründen, unerwarteten Wendungen und führe den Leser so auf eine falsche Spur.

Normalerweise bin ich ja nicht so der Krimifan und daher braucht es bei mir auch immer ein bisschen mit der Auswahl der Bücher. Da ich aber von diesem Debütroman schon sehr viele positive Stimmen vernommen hatte, kam ich gar nicht dran vorbei.

Die 35jährige Agnes Gaudera ist die weibliche Hauptfigur dieses spannenden Kriminalromans der Autorin Inge Löhnig. Nach einem Schicksalsschlag wagt die sportliche Grafikerin einen Neuanfang. Ihr neues Zuhause ist eine dreigiebelige Jugendstilvilla direkt am Kirchsee. Doch direkt am ersten Abend wird die Idylle jäh gestört.
In Mariaseeon wird ein Kind vermisst. Der 5jährige Jakob ist spurlos verschwunden und wird vorerst, auch nach ausgiebiger Suche, nicht gefunden. Die Eltern sind verzweifelt, das Dorf in Aufruhr.

Als Agnes den nackten, verstörten Jungen durch Zufall beim Joggen auf einem Reisighaufen entdeckt, beginnt die akribische Suche nach dem Entführer.
Bevor Kommissar Dühnfort, der auf den Fall angesetzt wurde, jedoch die ersten brauchbaren Spuren verfolgen kann, geschieht ein bestialischer Mord.
Man vermutet religiöse Wahnvorstellungen…

Doch nicht nur die Tatsache, dass in dem kleinen Ort ein skrupelloser Mörder frei herum läuft, sondern auch ihre eigene Vergangenheit und böse Überraschungen, lassen Agnes nicht zur Ruhe finden.

Man nehme ein beschauliches Örtchen, konzipiere ein spannendes, ausgeklügeltes Romangerüst drum herum, spicke es mit menschlichen Abgründen, unerwarteten Wendungen und führe den Leser so auf eine falsche Spur.
Wenn so der Plan der Autorin für ihren Debütroman aussah, dann hat sie diesen meisterlich umgesetzt.

Nicht nur, dass sie es mit ihrem Roman für gute Unterhaltung sorgt, nein sie spielt auch mit ihrer Leserschaft, denn immer wieder führt sie diese, mit ausgefeilter Taktik, auf eine falsche Fährte und sorgt dadurch dafür, dass man einfach gefesselt weiterlesen muss.
Schließlich möchte man den Täter entlarven, oder etwa nicht? Die Tatsache, dass Dühnfort zwar als ermittelnder Kommissar in das Klischee des „einsamen Wolfes“ passt, aber dennoch nicht bis zum bis zum Äußersten damit ausstaffiert wurde ist ebenso lobenswert zu erwähnen. Dadurch war er mir gleich noch ein bisschen sympathischer.  

Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht mit Dühnfort. Ich bin es jedenfalls.

Fazit: Ein großartiges, spannungsvolles Romandebüt, welches durch seine Raffinesse und überzeugt.
© Ricarda Ohligschläger

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