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Henrike Heiland – Für immer und ledig?

Eine turbulente Hochzeitskomödie, so überraschend wie ein „Nein“ vor dem Traualtar

Tilly Baader möchte heiraten.
Jedes Mal, wenn sie in einem Katalog ein für sich geeignetes Traumkleid entdeckt, klebt sie das entsprechende Bild in ihr Brautkleidbüchlein.
Ob Empirekleid, klassische A-Linie oder Rüschentraum. Bisher hat sie schon jedes erdenkliche Modell getragen. Leider nur in ihrer Vorstellung.
Wie schön, dass ihr aktueller Freund Jörg einer Hochzeit nicht abgeneigt zu sein scheint.
Allerdings scheint er auch anderen Frauen nicht abgeneigt und so findet Tilly ihn im Orchestergraben der Staatsoper wieder. Mit nacktem Hintern zwischen bestrumpften Beinen…

Tilly möchte herausfinden, warum keiner ihrer letzten Freunde bei ihr bleiben wollte und sie immer wieder auf die falschen Männer herein fällt. Sie geht ihren verflossenen Lieben auf die Spur und findet Antworten, die sie eigentlich gar nicht hören will.
Als dann auch noch ihre Besserwisser – Schwester Fina heiratet bricht für Tilly eine Welt zusammen und zwar nicht nur, weil Marc, der erst vor kurzem wieder in Tillys Leben getreten ist, der Bräutigam ist.

Eigentlich hat „Für immer und ledig“ genau die Zutaten, bei denen man am Beginn des Buches denkt „ich weiß schon wie es ausgeht“.
Hinter Tilly vermutet man im ersten Moment eine tagträumende, klammernde junge Frau, die alles dafür tun würde endlich vor den Traualtar treten und somit in ein Brautkleid schlüpfen zu können.
Weit gefehlt! Im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich zu einer starken, talentierten Frau, die sich durch Rückschläge nicht unterkriegen lässt und für das kämpft, was ihr wichtig ist. Verbote können sie nicht stoppen. Hierbei stellt sie ihren Ideenreichtum mehr als einmal unter Beweis.
Besonders interessant ist die Frage, ob sie ihr Glück letzten Endes findet. Das und noch einige überraschende Wendungen geben der Handlung Tempo und ein gewisses Fünkchen Spannung.
Da der Roman aus der ICH – Perspektive erzählt wird, kann man die Gedankengänge der Protagonistin noch mehr nachfühlen.
Der lockere Schreibstil trägt zu einem angenehmen Lesefluss bei.

Lediglich vom Cover her fand ich das Buch mehr als enttäuschend und hier müsste sich der Verlag eventuell doch noch einmal Gedanken machen. Es könnte einige Kaufinteressenten verjagen!
(Dafür müsste es eigentlich nur 4 Punkte geben, aber ich gehe davon aus, dass die Autorin darauf keinen Einfluss hatte.)
Wer sich davon nicht abschrecken lässt wird eine taffe Protagonistin erleben, die überhaupt nicht dem typischen Chick-Lit entspricht, aber trotzdem (oder gerade deswegen) begeistert.

Fazit: In „Für immer und ledig?“ steckt mehr, als das Cover verspricht. Eine turbulente Hochzeitskomödie, so überraschend wie ein „Nein“ vor dem Traualtar.
© Ricarda Ohligschläger