Justyna Polanska – Unter deutschen Betten

Das Buch wird angepriesen als gnadenlos authentisch. Das ist es bei Weitem nicht.

Justyna Polanska ist Putzfrau und Polin dazu. Mittlerweile putzt sie seit zehn Jahren. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Polin und Putzfrau – dieser Stoff alleine reicht für ein abendfüllendes Programm voller Vorurteile ihr gegenüber.
Wer weiß, wen sie schon alles bestohlen hat? Die arbeitet doch sicher schwarz?

Klauen tut sie nicht. Bei Polen ist das nämlich nicht, wie viele glauben, genetisch vorprogrammiert. Aber sie arbeitet schwarz, ja! Allerdings nur, weil viele ihrer Arbeitgeber sie nicht versichern möchten. Zuviel Aufwand, zu hohe Kosten – sagen die, die sie buchen. Trotzdem oder gerade deshalb (?) kommt es immer wieder vor, dass Justyna letzten Endes gar kein Geld für ihre Arbeit bekommt.

Viel schlimmer ist allerdings die Ignoranz die ihr entgegnet und das offensive Misstrauen.

Das Buch regt meiner Meinung mehr zum Nachdenken an als wirklich „hinter die Fassade“ (der Deutschen) zu blicken. Den Umgang mit unseren Mitmenschen – nicht nur mit der Putzfrau – sollten wir alle beleuchten.

Ein paar kleine Anekdoten füllen die Seiten, die aber nicht wirklich schockieren. Die resolute Dreißigjährige berichtet von sexuellen Annäherungen, mumifizierten Hamstern und Hanfpflanzen im Haushalt eines Polizeihauptkommissars.

Etliche Seiten sind damit gefüllt Justynas Weg von Polen nach Deutschland zu skizzieren und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Es gibt eben Kunden die bereits auflegen, wenn sie hören, dass Justyna Polin ist…
Trotzdem schreibt sie selbst in ihrem Buch, dass sie „nur“ Putzfrau ist.

Viele Absätze lassen das Geschriebene zwar flüssig lesen, aber ich hatte ein bisschen den Eindruck diese dienten nur dem Füllen der Seiten.

Das Buch wird angepriesen als gnadenlos authentisch. Das ist es bei Weitem nicht.
Und auch der Titel funktioniert nicht auf „Wisch und Weg“. Ich habe es wirklich ausprobiert! Putzlappen genommen und drüber gewischt. Es passierte nichts.
Stattdessen reagieren die Buchstaben auf Wärme. Also Fön draufhalten oder kurz vor die Kamintür, dann geschieht die kleine Zauberei.
P.S. Die Telefonnummer auf Seite 28 ist übrigens auch nicht korrekt. 🙂

Fazit: Ich hatte mir mehr versprochen.
© Ricarda Ohligschläger

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Magda sagt:

    Das Buch habe ich leider noch nicht gelesen. Ich werde das aber umgehend machen. Dann schreibe ich auch, ob es mir gefallen ist, mir als Polin.

  2. Justyna Patze sagt:

    Mit großer Traurigkeit stelle ich fest, dass dieses Buch viel Gemeinsames mit meiner Novelle hat, die 2008 in Krakau, in polnischer Sprache unter dem Titel “ Niemieckie Eldorado “ erschienen ist. Handelt es sich hier um ein Plagiat?Gedankenraub? Bitte vergleichen Sie beide Werke. Mit freundlichen Grüssen, Justyna-Poremba- Patze.

  3. Claudia sagt:

    Ich habe das Buch ohne Erwartungen gelesen und war positiv überrascht. Ich fand es witzig und unterhaltsam. Die einfache Sprache hat illustriert, dass es von jemandem geschrieben wurde- und das auch mit Hilfe wie Frau Polanska selbst schreibt- der Deutsch nicht als Muttersprache hat. Ich finde das das passt. Außerdem habe ich einen gewissen trockenen Humor erkannt der mir bei Polinnen tatsächlich schon so begegnet ist.

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