Cody McFadyen – Der Menschenmacher

Cody McFadyen schreibt mit einer anschaulichen und wortgewaltigen Sprache, sodass man als Leser gar nicht anders kann als ein bombastisches Kopfkino aufzubauen

Dies ist mein allererstes Buch, welches ich von Cody McFadyen gelesen habe. Den Namen verband ich bisher immer mit viel Blut, Gänsehaut und einer gewaltigen Ladung Spannung. Dementsprechend erwartungsvoll bin ich also an dieses Buch herangegangen.

David lebt mit seinen Adoptivgeschwistern Allison und Charlie bei einem Mann. Einem sehr bösen Mann: Bob Gray.
Bob hält die Kinder über Jahre gefangen und stellt ihnen unmögliche Aufgaben, an denen sie seiner Meinung nach wachsen sollen.
EVOLVIEREN, nennt er diese spezielle Art der Reifeprüfung.
Um diesen Zustand zu erreichen schlägt er die Kinder mit einem Gürtel oder seinen Fäusten, fesselt sie, verbrennt sie mit Zigaretten – kurzum er lässt seine sadistischen Neigungen haltlos an den Kindern aus.
Nur ab und zu verlässt Bob das Haus, manchmal für Stunden, dann wieder für Tage. Während dieser Zeiten genießen die Kinder jeden Augenblick. Nach und nach werden sie dabei auch mutiger und verlassen das Haus. Sie gehen schwimmen oder ins Kino. Immer mit der Angst im Nacken, Bob könnte eher zurück sein, als sie selbst.
Die Kinder wissen: wenn sie überleben wollen, muss Bob Gray sterben…

Zwanzig Jahre später erhält der mittlerweile sehr erfolgreiche Autor David einen Umschlag. Ein einziges Wort steht auf dem inne liegenden Zettel: Evolviere. Und damit kehrt die Vergangenheit zurück und bringt noch neue schreckliche Grausamkeiten mit.

Wenn ich das Buch mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich es „beklemmend“ nennen. Cody McFadyen schreibt mit einer anschaulichen und wortgewaltigen Sprache, sodass man als Leser gar nicht anders kann als ein bombastisches Kopfkino aufzubauen. Kopfschütteln und Gänsehaut beim Lesen sind die Folgen.
Die Wortwahl reicht von deftig ordinär bis bildhaft direkt, allerdings ist der Autor immer darauf bedacht die richtige Dosis zu wählen. Je nachdem, was gerade angebrachter ist.
Seine Sätze sind mit einem Sog zu vergleichen, der mich unbarmherzig durch die einzelnen Seiten trieb.
Die so entstehende Spannung wurde durch verschiedene Handlungsstränge und den Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart noch verstärkt, und hielt sich bis zum Schluss.
Die Personen sind weder klischeebehaftet noch unglaubwürdig. Hier stimmte einfach alles. Charlie fand ich besonders gut gelungen. Alles was er tat, machte er mit Leidenschaft. Ob es dabei um Mord oder um Liebe ging.
Als Leser muss man einiges wegstecken können und hinsichtlich des Endes würde ich nebenbei keine Tomatensuppe mehr schlürfen.
„Der Menschenmacher“ zeigt uns Abgründe auf, die es leider viel zu häufig in unserer Gesellschaft gibt: Kinderprostitution, Vergewaltigung, Misshandlung, Entführung etc. Hier werden Ängste hervorgerufen, die jeder von uns in sich hat. Und genau das macht dieses Buch zu einem grauenhaft faszinierenden Thriller.
© Ricarda Ohligschläger

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nina2401 sagt:

    Guten Abend,

    jetzt bin ich etwas überrascht, denn ich hätte nicht gedacht, dass dir Bücher von ihm gefallen. Ich habe auch mal eins angefangen – den Titel habe ich schon vergessen und ich fand es so krank und abstossend, dass ich es abgebrochen habe …
    Aber so kannst du mich immer wieder überraschen 😉

    1. herzgedanke sagt:

      Doch, doch, Martina! Mit Cody kommen meine dunklen Seiten ans Licht :-))

  2. Sabine sagt:

    Hallo Rici!

    Da hab ich jetzt beim Lesen deiner Bewertung glatt Gänsehaut bekommen, aber ich mag die Bücher von Cody McFayden auch recht gern. Und „Der Menschenmacher“ passt auch in mein Beuteschema. 😉

    Liebe Grüße, Sabine

  3. Pingback: Neuerscheinung: “Der Menschenmacher” von Cody Mcfadyens
  4. KarlGustav sagt:

    Wow, sehr schön rezensiert. Wer jetzt neugierig geworden ist, findet hier die Leseprobe http://www.schnupperbuch.de/9783785724071

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