Pia Osterwald – Fräuleinwunder

Es hebt sich meiner Meinung nach auf eine sehr besondere Art von der Vielzahl der „Liebe auf der rosa Wolke“ – Unterhaltung ab und hat dafür bei weitem mehr als fünf Punkte verdient

Die 44jährige Cosima von Troplowitz steht mit beiden Beinen fest im Leben: Ihre Scheidung ist durch, ihr Sohn Philipp ist aus dem Haus, sie hat ihr eigenes Einkommen als Pressefrau für eine Hotelkette und eine schicke Wohnung.
Lediglich die Sache mit der Maus macht ihr zu schaffen, die sie 14tägig in der „Brigitte“ sucht. Doch dann findet sie die kleine Bleistiftzeichnung ganz unerwartet wie von selbst – an ihrem Geburtstag – und ist sich sicher, dass nun eine wunderbare Zeit auf sie zukommt.

Leider eröffnet ihr Frauenarzt Doktor Scheidengruber andere Aussichten . Die Wechseljahre stehen an!
Cosima sieht sich bereits zu Staub verfallen und fühlt sich schlimmer als nach einer Amputation. Auch die deutsch – deutsche Polin Murmel, ihres Zeichens Cosimas Putzfrau ,kann sie nicht aufbauen.

Aber eventuell kann das Geburtstagsgeschenk ihrer Freundin Bille die frustrierte Cosima wieder aufmuntern. Sie hat für Cosima eine Sitzung bei der freundlichen Wahrsagerin Frau Nasila gebucht und die katapultiert Cosima ins Jahr 1954.

Es ist die Zeit der Petticoats und Nierentische. Aber auch eine Zeit in der „Frauengold“ im Gegensatz zu weiblichem Selbstbewusstsein sehr gefragt ist. Die Frau gehört an den Herd und hat sich ganz und gar dem Mann unterzuordnen.
Das lässt jedoch die couragierte Cosima nicht mit sich machen und kämpft ab sofort für die Rechte der Frauen.
Bis ihr die Liebe in die Quere kommt und die verkompliziert die ganze Sache auf ihre Art.

Pia Osterwald führt uns mit „Fräuleinwunder“ in die Zeit der 50er Jahre. Es ist eine Zeit des Aufschwungs, aber auch der Unterdrückung und für so manche Frau waren diese Jahre mit Sicherheit nicht golden.
Hierbei die Grenze zwischen einer heiteren Zeitreisegeschichte und der dafür nötigen Ernsthaftigkeit zu finden ist keine Leichtigkeit. Die Autorin hat diese Herausforderung allerdings mit Bravour gemeistert! Cosimas aufregende Reise in die „gute alte Zeit“ hat sie in eine nachdenkliche Geschichte verpackt.

„Fräuleinwunder“ spiegelt ein ungeschöntes Bild der Frau in der Gesellschaft der 50er Jahre wider und rüttelt gnadenlos an der Unterdrückung der Frau. So kommen im Verlauf der Handlung immer mehr Zweifel an dem berühmten Satz „Früher war alles besser“ und ich bin sehr froh, dass mittlerweile Frauen ihre eigene Meinung lauthals kundtun können, nicht nur Kinder und Kochtopf für uns Priorität haben – und Nylons bei 35 Grad schon lange aus der Mode sind.
Dafür haben mutige Frauen gesorgt, eben „Fräuleinwunder“ wie Cosima!

Ich wünsche mir, dass dies nicht nur hier bei uns so wäre. Aber vielleicht reist Cosima noch einmal in die Vergangenheit. In etlichen Ländern wäre sie bei den Frauen sicher sehr gern gesehen und bitter nötig!

Mich hat „Fräuleinwunder“ nicht nur amüsiert, sondern auch sehr nachdenklich gemacht. Es hebt sich meiner Meinung nach auf eine sehr besondere Art von der Vielzahl der „Liebe auf der rosa Wolke“ – Unterhaltung ab und hat dafür bei weitem mehr als fünf Punkte verdient.

Fazit: Zwischen „Pleasantville“ und Petticoats liegt noch vieles im Verborgenen. Pia Osterwald hat es entdeckt und daraus leichte Unterhaltung mit dennoch ernsthaften Zwischentönen geschaffen. Einfach großartig!
© Ricarda Ohligschläger

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