Helena Marten – Die Kaffeemeisterin

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Die Sprache ist sehr bildhaft und lebendig, sodass man durchweg das Gefühl hat, ebenso mit einer Tasse Kaffee den Geschehnissen beizusitzen.

Frankfurt im Jahre 1729: Die junge Johanna Berger muss nach dem viel zu frühen Tod ihres Mannes Adam die „Coffeemühle“ erhalten.
Das Gasthaus und ihre zwei Stieftöchter sind alles, was ihr geblieben sind.

Doch Johanna hat Feinde. Der Ehemann ihrer Freundin Elisabeth, Gottfried Hoffmann, sieht ihren Erfolg so gar nicht gern und auch die Apotheker würden sich lieber heute als morgen den Kaffeehandel unter den Nagel reißen.

Allen zum Trotz hat die tatkräftige Witwe hat einen Plan: ihre „Coffeemühle“ soll das beste Haus am Platz werden. Mit viel Einfallsreichtum und der Hilfe des jüdischen Musiker Gabriel Stern, eröffnet sie kurzerhand einen separaten Damensalon, der freudig von den Frauen
angenommen wird.
Jedoch wird die Eröffnungsfeier durch einen Überfall Hoffmanns und seinen Schurken gestört. Das Ende der „Coffeemühle“
sind aufgeschlitzte Polster, zersplittertes Glas und ein schwer verletzter Gabriel.

Johanna verlässt die Stadt in Richtung Italien, wo sie sich Hilfe vom Freund ihres Mannes erhofft. Doch sie bekommt viel mehr als das. Sie steigt zur Kaffeemeisterin des Sultans auf. Aber ihre Heimat und ihre geheime Liebe kann sie nicht vergessen…

Helena Marten ist das Pseudonym des Autorinnenduos Susanne Van Volxem und Bettina Querfurth. Nach ihrem Roman „Die Porzellanmalerin“ (Diana Verlag, 2009) entführen sie ihre Leser mit „Die Kaffeemeisterin“ von Frankfurt, nach Italien bis in den Orient.

Ihre Hauptfigur Johanna steht dabei eindeutig im Vordergrund. Intrigen und der Kampf gegen ihre Widersacher geben der Geschichte die nötige Abwechslung und durch Gabriel Stern kommt auch die Liebe nicht zu kurz.

Die Sprache ist sehr bildhaft und lebendig, sodass man durchweg das Gefühl hat, ebenso mit einer Tasse Kaffee den Geschehnissen beizusitzen. Wer da nicht Lust auf einen starken Mocca oder einen heißen Espresso bekommt, ist wohl eher dem Tee verfallen.

Einen kleinen Einblick in das Leben bekommt man auch jederzeit und ebenso kann man sich einen Einblick über die Schwierigkeiten machen, die die Juden seinerzeit hatten. Von allen verachtet, hatten sie sicher kein leichtes Leben.

Allerdings hatte ich auch Zweifel während der Geschichte. Haben sich Frauen im 17. Jahrhundert wirklich so leicht verführen lassen und hatten sie es nicht noch viel mehr mit Amtsauflagen etc. zu tun? Johanna muss außerdem sehr mutig gewesen sein, alleine durch die Welt zu reisen. Kaum zu glauben, dass ihr dabei nicht mehr passiert ist. Hier hätte man vielleicht doch noch etwas Dramatik einspielen lassen können, welche der Spannung sicher gut getan hätte.

Davon aber abgesehen sind auch die anderen Figuren sehr gut charakterisiert worden. Hoffmann wird als das Ekel, der Johanna und Elisabeth das Leben schwer macht, perfekt in Szene gesetzt; Jehuda der mit Sicherheit ahnt, dass Johanna nicht nur wegen der Kaffeebohnen zu ihm kommt und Gabriel Stern, der sanftmütige, musikliebende Jude mit den schönen Augen. All diese Personen mag man nicht missen, denn sie alle geben der Geschichte durch ihren Charakter Lebendigkeit und Johannas Welt ihren Rahmen.

Wer interessiert ist zu wissen, welche Personen real und welche der Fantasie entsprungen sind, sollte sich Zeit für die Danksagung nehmen, in der dazu noch ein paar Anmerkungen zu finden sind.

Und wer traurig ist, dass die Geschichte irgendwann zu Ende gelesen ist, wird vielleicht das eine oder andere Mal „Die Kaffeemeisterin“ aus dem Buchregal holen, um das wunderschön und zum Thema passend gestaltete Cover anzusehen.

Fazit: Eine bezaubernde Geschichte, die mit Sicherheit für Kurzweil sorgt und ganz große Lust auf einen schönen heißen Kaffee macht.
© Ricarda Ohligschläger

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