Interview mit Valentina Berger

Ein Kinderbuch ist für mich ein symbolisches Zeichen, dass es in der Welt auch Schönes gibt, nicht nur Mord- und Totschlag

Liebe Frau Berger, „Das Liliengrab“ ist der zweite Thriller mit dem Gerichtsmediziner Heinz Martin. Planen sie noch weitere Bücher mit ihm in der Rolle des Ermittlers?

In der Tat ist das dritte Buch schon von mir durchgeplant und ich müsste es nur mehr schreiben. Im Moment warte ich auf ein Verlagsangebot. Und auch in diesem spielt mein Ermittlerteam die Hauptrolle.

Haben Sie schon eine Idee für ihr nächstes Buch?

Ja, das Buch ist im Kopf schon durchgeplant. Ich hoffe, ich darf die tolle Geschichte, die mir vorschwebt, auch umsetzen.

Haben Sie selbst eine besondere Beziehung zu einer bestimmten Sorte Blumen, vielleicht sogar zu Lilien?

Blumen liebe ich, egal welche. Im meinem Garten wuchert es regelrecht. Lilien sind zwar schön, sie haben so etwas Majestätisches, aber meine Lieblingsblume ist trotzdem der Flieder. Im Sommer gibt es für mich nicht Schöneres, als abends den Fliederduft einzuatmen.

Wer hat Sie beraten in Bezug auf das Thema Gerichtsmedizin und wie viel haben sie in diese Richtung recherchiert ehe Sie überhaupt mit dem Schreiben eines solchen Thrillers begonnen haben?

Einen Termin, wann ich damit begonnen habe, kann ich nicht nennen. Gerichtsmedizin an und für sich, hat mich immer schon sehr interessiert und ich habe schon, bevor ich mit dem Schreiben überhaupt begonnen habe, Bücher und Sendungen über Gerichtsmedizin verschlungen. Es ist also das Thema „Gerichtsmedizin“, das mich so fasziniert, dass es für mich schnell klar war, meine Hauptfigur muss Gerichtsmediziner
sein. Für die Recherchen habe ich unzählige Fachbücher zu Hause und natürlich das Internet. Außerdem kann ich mich mit spezifischen Fragen an den Leiter der Wiener Gerichtsmedizin wenden, mit ihm hatte ich schon netten telefonischen Kontakt. Außerdem habe ich eine Freundin, die Medizinerin ist und die sich auch mit Pathologie und Gerichtsmedizin auskennt.

Wie sahen die Recherchearbeiten zu Ihren Büchern aus? Konnten Sie diese in Wien direkt umsetzen?

Zu den Recherchen zur Gerichtsmedizin habe ich ja in der letzten Frage ausführlich Stellung genommen. Aber außerhalb dieser Kernrecherche gibt es natürlich noch zu jedem Buch einige Themen, über die ich mir Wissen aneignen muss. Bei „Das Liliengrab“ habe ich ja eine schizophrene Täterin. Für mich war es ganz wichtig, diese Person möglichst authentisch rüberzubringen. Also habe ich sehr viel Zeit dafür investiert, möglichst viel über Schizophrene zu erfahren. Ich habe Berichte von Betroffenen gelesen, habe mit Psychologen und Psychiatern gesprochen, damit ich
diese Täterin realitätsnah zeichnen konnte.
Was Wien betrifft: Ich habe einige Jahre da gelebt und arbeite seit 20 Jahren in Wien. Jedes Eckchen kenne ich natürlich trotzdem nicht und es verändert sich ja auch immer wieder was – aber im Großen und Ganzen findet man vieles, was ich beschrieben habe, auf einem Stadtplan wieder. Manche Dinge mussten aber „modifiziert“ werden, damit sie in die Geschichte passen oder weil ich aus rechtlichen Gründen auf die Nennung von bestimmten Namen oder Institutionen verzichten musste. Als ich die ersten beiden Romane schrieb, gab es zum Beispiel kein eigenes gerichtsmedizinisches Institut in Wien. Jetzt wurde das alte Institut von Grund auf renoviert und erst letzten Herbst neu eröffnet. Ich werde aber
der Einfachheit halber den Arbeitsplatz von Heinz Martin nicht verändern, genauso wie zum Beispiel das Krankenhaus, in dem einige Teile des Romans spielen. Dieses Krankenhaus gibt es nicht, aber eines, das bereits existiert, wollte ich nicht nehmen, um niemanden auf die Zehen zu treten, also musste ich eines erfinden. Künstlerische Freiheit nennt man das wohl.

Was mich sehr interessiert ist ob Sie Mitspracherecht bei der Covergestaltung hatten oder sind sie froh, dass Sie sich darum nicht auch noch kümmern müssen.

Das Cover wurde mir vorab gezeigt und durfte sagen, ob es mir gefällt oder nicht. Mir gefiel es auf Anhieb gut, sodass ich keine Einwände hatte. Grundsätzlich ist das Cover immer Verlagsentscheidung. Autoren haben mal mehr, mal weniger das Recht, mitzuentscheiden. Und ich bin
ehrlich gesagt froh, dass die Profis sich darum kümmern, nicht, weil es mich nicht interessiert, welches Cover ich bekomme, sondern weil ich einfach der Meinung bin, jeder sollte das tun, was seine Stärken sind.  Da ich keine Graphikerin bin und mich auch zu wenig damit auskenne, was am Markt gerade gut ankommt, überlasse ich das gerne dem Verlag und den Graphikern. Würde mir ein Cover gar nicht gefallen, würde
ich das aber schon mitteilen, in der Hoffnung, dass dann ein zweiter Vorschlag kommt.

Sie schreiben ja auch Geschichten für Kinder. Wie anders gehen Sie an eine solche Arbeit heran?

Ah, die Kinderliteratur, mein zweites Steckenpferd. Für mich ist immer ganz toll, wenn ich wieder an einem Kinderbuch schreiben darf. Es ist einfach ganz, ganz anders. Die Sprache, der Aufbau, die Themen. Bei den Kinderbüchern (und damit meine ich die Bücher für
die unter Zehnjährigen) lasse ich mich vom Schreiben treiben, bin neugierig, was auf mich zukommt, was die Figuren tun. Hier plane ich nicht oder nur ganz grob. Das kann ich mir bei den Thrillern nicht erlauben und deshalb genieße ich es auch immer so sehr, mal ein ganz anderes Arbeiten zuzulassen.

Was reizt Sie an zwei so unterschiedlichen Genres?

Der Unterschied. Genau das ist es, was für mich den Reiz ausmacht. Die Themen liegen weit auseinander. Ein Kinderbuch hat eine eigene Sprache, einen ganz eigenen Stil. Die Kinderbücher sind für mich „Erholung“ von den bösen Taten, von der emotionalen Anspannung, die
ich beim Verfassen der Thriller, besonders wenn ich aus der Täterperspektive schreibe, permanent habe. Ein Kinderbuch ist für mich ein symbolisches Zeichen, dass es in der Welt auch Schönes gibt, nicht nur Mord- und Totschlag. Ich würde nicht ausschließlich Kinderbücher schreiben wollen, aber eben auch nicht nur Jugend- oder Erwachsenenthriller.

Können Sie Sich noch daran erinnern, was in Ihnen vorging, als Sie Ihr erstes Buch in den Händen hielten?

Oh ja! Es gibt kein tolleres Gefühl, wenn man die ersten Belegexemplare auspackt. Beim ersten habe ich stundenlang darin geblättert, über das Cover gestrichen. Fast hätte ich sogar den Postboten umarmt. 🙂 Ich habe im Garten herumgetanzt und gejubelt und es natürlich jedem stolz gezeigt. Es ist ein bisschen, als würde man eine Bergwanderung machen und man plagt sich den Berg hinauf und dann, wenn man es
endlich geschafft hat, das Gipfelkreuz zu erreichen, starrt man von der Bergspitze hinunter und denkt sich: „Wow! Ich habe es geschafft.“ Und
der Ausblick lässt einen jede Anstrengung für eine Weile vergessen und man ist stolz auf die eigene Leistung.

Gibt es reale Personen, die sich in Ihren Büchern wiederfinden? Und wenn ja, verraten Sie Ihnen das?

Nein, ich schreibe nicht über reale Personen.  Aber ich beschreibe reale Gefühle und Charakterzüge, die ich in meiner Umgebung und in meinem
Alltag beobachte. So hoffe ich, dass diese fiktiven Figuren so handeln und denken, als seien sie real. Die einzige reale Figur (wenn man es so nennen will) ist Lauras Kater Kasimir, der in Wirklichkeit meiner ist. Den habe genauso beschrieben, wie er ist. 🙂

Warum schreiben sie unter dem Pseudonym Valentina Berger?

Ich wollte eine klare Grenze zu meinen Kinderbüchern ziehen. Dazu wurde mir von meinem Agenten und von meinem
Verlag geraten und ich finde diese Trennung auch recht sinnvoll. So kann man gleich das richtige Genré dem Namen zuordnen. Ich schreibe zurzeit einen Mädchenthriller für den Arena Verlag. Auch da wird es wieder ein neues Pseudonym geben. Zum Einen, weil sich das weder zu den Kinderbüchern noch klar zu den Erwachsenenthrillern einordnen lässt, zum Anderen ist ja der Autorenname auch eine „Marke“. Und wenn man den Namen hört, sollte man im Idealfall gleich das richtige Genré assoziieren können.

Was bringt Sie zum Lachen, Frau Berger?

Ein gutes Buch, meine Kinder – und viele andere Dinge. Ich lache gern.

Haben Sie unter den bisherigen Neuerscheinungen dieses Jahr einen Liebling? Wenn ja, welcher ist das?

Es gibt so viele Bücher, die ich gelesen habe und die ich liebe. Das würde jetzt zu weit führen, alle aufzuzählen. Außerdem könnte ich, glaube ich, gar nicht sagen, welchem Buch ich den Vorzug geben soll.

Wo ist Ihr Schreibplatz? Haben Sie eine bestimmte Aussicht, die Ihnen beim Schreiben hilft?

Mein Schreibplatz ist weder ein Schreibtisch, noch ein Arbeitszimmer. Ich schreibe hauptsächlich auf der Couch in meinem Wohnzimmer, mit dem Laptop auf dem Schoß. Ich muss meine Schreibzeiten in meinen Alltag integrieren. Das ist für mich nicht die Ideallösung, aber es
geht nun mal nicht anders. Bei schönem Wetter sitze ich im Garten und schreibe dort. Mein Traum wäre eine Hütte irgendwo in den Bergen, wo viel Wald ist und wo ich an den Wochenenden und an freien Tagen hinfahren kann und viel Zeit und Ruhe zum Schreiben habe. Vielleicht erfüllt sich dieser Traum ja eines Tages.

Zum Schluss des Interviews beenden Sie bitte diesen Satz: Schreiben ist…

Freiheit. Die einzigen Grenzen, die es gibt, sind das eigene Vorstellungsvermögen und die moralischen Grenzen, die man sich selber setzt.

Liebe Valentina, ich danke Ihnen herzlichst – auch im Namen der Leser – für die Teilnahme an meiner Aktion und wünsche Ihnen alles Gute für weitere Projekte.

Die Bücher aus der Verlosung gehen an

Stefanie S.
Christian K.
Melanie Sch.

Herzlichen Glückwunsch!

Die Interviewfragen stammen u. a. aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten

Kommentar verfassen