Interview mit Philip Tamm

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Als Journalist bin ich der Wahrheit verpflichtet. Als Autor der Phantasie. Ein sehr schöner Unterschied übrigens.

Hallo Herr Tamm, mich würde interessieren wie sie auf den schönen Titel „Zwei wie wir“ gekommen sind? Stand der Titel schon zum Anfang des Buches fest oder hat er sich im Laufe des Schreibens entwickelt?

Ich höre beim Schreiben oft Musik, um mich zu inspirieren. In diesem Falle waren es unter anderem Lieder von U2, von Style Council, Radiohead – und Udo Lindenberg. „Zwei wie wir, die dürfen sich nie verlieren…“ Die Zeile stammt aus dem Lied „Horizont“. Die Worte waren also schon in meinem Kopf, bevor mir so richtig klar war, dass mein Buch so heißen sollte… 

Wie kommt man als Mann auf die Idee, gerade so ein Buch zu schreiben? Nach der Kurzbeschreibung kommt mir das wie ein typischer Frauenroman vor, der von einer Frau geschrieben wurde. Für Männer stelle ich mir da eher Krimis oder Agentengeschichten und ähnliches vor.

Es stimmt natürlich auch, dass Männer lieber „harten Stoff“ lesen – es sei denn, ein Autor schafft es, weichere Themen wie Beziehungen, Liebe, Ehe so zu verpacken, dass sie eben nicht nur für Frauen interessant sind. Ich glaube, das ist mir in meinen früheren Büchern ein paar Mal gelungen, und ich hoffe, dass es auch bei „Zwei wie wir“ funktioniert.

Ihr Roman beginnt in der Kirche und der Bräutigam überlegt recht lange, ob er nun das „ja“ tatsächlich über die Lippen bringt. Waren sie selbst schon einmal in einer solchen Situation? Falls ja, wie war das und warum war es so, falls nein, was denken sie geht in diesem Moment im Kopf der Braut und im Kopf der Gäste vor sich?

Ich glaube, jeder Mann kennt die Situation, ob nun in der Kirche oder zu zweit auf dem Sofa: „Sie“ will ein Bekenntnis hören – und „ihm“ fällt das sehr schwer… Manche Worte kommen einem Mann nun einmal schwer über die Lippen, ganz unabhängig davon, was er empfindet. Die Situation, die ich in der Kirche beschreibe, ist natürlich ein wenig überspitzt. Im ersten Moment denken vermutlich viele der Anwesenden, dass meine Hauptfigur Alex doch Zweifel hegt und sich nicht traut, den Weg in die Ehe zu gehen. Aber dann erkennt er nach einigen Minuten eben doch, dass es genau das richtig ist.  Insgesamt ist damit das Thema des Buches vorgegeben: Man entscheidet sich nicht ein einziges Mal für eine Beziehung oder eine Ehe. Man tut es immer wieder von neuem!

Wie viel von Ihnen selbst steckt in der Hauptfigur Alex! 

Das ist schwer zu beantworten! Viel und wenig zugleich, denke ich. Alex ist humorvoll, entspannt, eigentlich ganz zufrieden – und dennoch macht sich in seinem Alter (er ist Mitte vierzig) eine gewisse Unruhe breit. Das kenne ich schon sehr gut… Ich möchte in meiner Hauptfigur natürlich ein Individuum erschaffen, einen ganz eigenen Typ. Aber zugleich soll er Eigenschaften haben, mit denen sich viele Männer identifizieren können. Das gilt dann auch für mich selbst.

Was hat Sie auf die Idee gebracht, eine Geschichte aus dem Leben zu schreiben? 

Meine vorherigen Philip-Tamm-Bücher waren im Vergleich zu „Zwei wie wir“ eher so etwas wie „Märchen“ – also witzige Geschichten, die vor allem amüsieren sollten. Der neue Roman aber greift ein wenig mehr ein ernstes Thema auf, das ich öfter in meiner Umgebung beobachte. Männer zwischen vierzig und fünfzig machen eine zweite Pubertät durch. Ich fand es reizvoll, genau hierüber ein Buch zu schreiben.

Was denken Sie, ist an „Ihrer Geschichte“ das Besondere, das den potentiellen Kunden bewegt Ihr Buch zu kaufen?

Ich hoffe, dass mir eine gute Mischung aus echtem Leben und einer berührenden Geschichte gelungen ist. Dazu habe ich eine Prise Humor genommen, ein wenig Nachdenklichkeit, garniert mit Romantik. Man bekommt also im besten Falle ein „Rundum-Glücklich“-Paket.

Was machen Sie, wenn Sie eine Schreibblockade haben? Kennen Sie diese überhaupt?

So richtig bin ich bisher zum Glück davon verschont geblieben. Aber natürlich habe ich Phasen, in denen es nicht so richtig läuft. Ich bin dann sehr unzufrieden und unausgeglichen. Normalerweise versuche ich, einfach weiterzuschreiben, bis ich wieder ein zufriedenes Gefühl empfinde. Ich möchte nicht wie das Kaninchen vor der Schlange hocken, sondern in Bewegung bleiben. Es kann sein, dass ich dann in der Zwischenzeit Dinge zu Papier bringe, die mir selbst nicht gefallen. Aber das Risiko gehe ich gerne ein.

War das Schreiben schon immer Ihr Traumberuf?

Ja, das war es. Ich habe als Teenager begonnen, Geschichten zu schreiben. Und seitdem habe ich davon geräumt, vom Schreiben zu leben! Nun kann ich das, und das macht mich immer wieder sehr glücklich.

Haben Sie das Cover ausgesucht und wenn ja, warum?

Das Cover hat der Verlag entwickelt – aber es hat mir schon beim ersten Hinsehen gut gefallen. Ich denke, es passt gut zu der Geschichte, die das Buch erzählt.

Woher nehmen Sie die Inspiration für die Namen Ihrer Figuren? Orientieren Sie sich an Bekannten, nehmen Sie sich Prominente zum Vorbild oder wälzen Sie auch schon mal ein Namensbuch?

Namen sind eine große Herausforderung, wenn man ein Buch schreibt. Ein Beispiel: Ich habe vor kurzem zusammen mit drei Kollegen gemeinsam einen Kriminalroman geschrieben. Dazu haben wir uns getroffen und zunächst die wichtigsten Figuren besprochen – die heftigsten Diskussionen aber hatten wir beim Festlegen der Namen… Ich habe zuhause übrigens eine eigene Mappe, in der ich Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitte mit interessanten Namen sammele.

Bauen Sie in Ihre Bücher bewusst oder unbewusst Personen ein, die Sie kennen?

Ich lasse nie „vollständige“ Personen erscheinen, die ich kenne. Aber oft tragen einzelne Figuren Charaktereigenschaften von Menschen, die ich kenne. Ich habe es schon öfter erlebt, dass mich Freunde fragen, ob ich bei bestimmten Figuren an sie gedacht habe – aber das waren immer ganz andere Figuren als die, bei denen ich vielleicht wirklich an sie gedacht habe…

Sie schreiben als Autor unter Pseudonym. Warum eigentlich und wie entstand der Name Philip Tamm?

Die Erklärung ist recht einfach: Ich schreibe einfach sehr, sehr viel – zu viel für einen Namen. Außerdem fand ich es schon immer reizvoll, unter einem Pseudonym zu schreiben, und damit sozusagen selbst zu einer fiktiven Person zu werden.

Wie unterschiedlich nehmen Sie persönlich den Job als Journalist und den als Autor wahr?

Die beiden Berufe sind ähnlich, weil ich mich in beiden Fällen mit meiner Sprache an meine Leser wende. Auch im Journalismus kommt es schließlich nicht nur darauf an, was man schildert, sondern auch, wie man es schildert. Der größte Unterschied aber ist der: Als Journalist bin ich der Wahrheit verpflichtet. Als Autor der Phantasie. Ein sehr schöner Unterschied übrigens.

Arbeiten Sie bereits an einem neuen Buch?

Ja, zurzeit entsteht ein Jugendbuch, das im Sommer erscheinen wird. Ich freue mich sehr darauf.

Was wollten Sie Ihren Lesern schon immer einmal gesagt haben und konnten das nie tun? Hier bietet sich nun abschließend diese einmalige Möglichkeit:

Ganz kurz und knapp: Ich hoffe, dass meine Leser Freude mit meinen Büchern haben und dass ihr Leben durch sie ein kleines bisschen reicher wird.

Lieber Philip, vielen Dank für dieses ausführliche Interview. Ich wünsche Ihnen für alle weiteren Projekte viel Erfolg!

Die Bücher aus der Verlosung gehen an

Catherine O.
Melanie S.
Katja L.
Myriam D.
Julia S.

Herzlichen Glückwunsch!

Die Interviewfragen stammen u. a. aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”

Autorenfoto © Dörte Hoffmann
Cover © www.randomhouse.de/heyne

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