Angeline Bauer – Die Niemalsbraut

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„Die Niemalsbraut“ ist kein leichter Schmöker, sondern ein berührendes und vor allen Dingen aufwühlendes Buch, was das harte und sehr oft engstirnige Leben der Menschen im 19. Jahrhundert hervorragend darstellt.

Das Leben ist nicht leicht für Karoline, die jüngste Tochter vom Niedermoosbacher-Hof. Der Vater hatte auf einen Sohn gehofft, die Schwestern machen sie verantwortlich für den Tod der Mutter im Kindbett. Dazu kommt das unselige Versprechen, das die sterbende Mutter ihrem Mann abverlangte: Die sechs Töchter müssen der Reihe nach heiraten, Johanna als Älteste zuerst, Karoline als Jüngste zuletzt. Doch Johanna wird von einem Mann bitter enttäuscht und beschließt, nie zu heiraten. Als sie in den Bergen verunglückt und weitere Schwestern unter rätselhaften Umständen sterben, richtet sich der Verdacht auf Karoline. War sie tatsächlich bereit, für den Mann, den sie liebt, über Leichen zu gehen, oder ist sie selbst Opfer eines unheilvollen Spiels? Ein spannender, psychologisch bis ins Detail ausgearbeiteter Roman über ein unseliges Versprechen, das das Verhältnis unter den Schwestern systematisch vergiftet und eine junge Liebe im Keim zu ersticken droht. (Kurzbeschreibung laut www.amazon.de

Aufmerksam wurde ich auf „Die Niemalsbraut“ bei einer Lesung der Autorin in Grassau, wo ich ein paar Tage verbrachte. Allein die Kurzbeschreibung und die dort vorgetragenen Szenen weckten in mir die Neugier es zu lesen.

Deutlichstes Merkmal der Geschichte ist die Sprache, die sich eng an der damaligen Zeit orientiert und mich nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten direkt ins 19. Jahrhundert katapultierte.

Das zweite Merkmal ist die Kaltherzigkeit der einzelnen Familienmitglieder, die Angeline Bauer so beängstigend in ihre Zeilen einfließen lassen hat, dass ich nach ca. 50 Seiten das Buch zur Seite legen wollte.
Auf den ersten Seiten wird das durch Vater dargestellt, der sein neugeborenes Kind nicht sehen will, weil es kein Bub ist. Später dann sind es die Schwestern, die sich Karoline als Sündenbock ausgesucht haben und ihr somit das Leben zur Hölle machen. Mehr als einmal schüttelte ich entsetzt den Kopf über so viel Lieblosigkeit und Brutalität.
Doch da hatte mich die Geschichte schon zu sehr gepackt, als das ich sie beiseite hätte legen können, denn nach und nach entwickelt sich der Roman immer mehr zu einem wahren Krimi.

Und auch hier hat Angeline Bauer mich überzeugt, denn wer letzten Endes hinter den Todesfällen, die sich in der Familie häufen steckt, blieb bis zum Schluss ein Rätsel. Die Protagonisten des Romans haben die Schuldige natürlich viel schneller gefunden, doch soll ihre Engstirnigkeit noch hart bestraft werden.

„Die Niemalsbraut“ ist kein leichter Schmöker, sondern ein berührendes und vor allen Dingen aufwühlendes Buch, was das harte und sehr oft engstirnige Leben der Menschen im 19. Jahrhundert hervorragend darstellt. 

Kleiner Tipp: Wer einmal in Grassau war wird so manches Eckchen wiederfinden, was das Buch noch bildhafter gestaltet.
© Ricarda Ohligschläger

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  1. Nina sagt:

    Guten Morgen, das klingt ja richtig gut, ist gerade auf meine Wunschliste gewandert 🙂

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