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Eva Völler – Leg dich nicht mit Mutti an

Annabell, demnächst 45, alleinerziehende Teilzeitjournalistin, hat nicht nur chaotische Kinder, sondern auch ein Problem: ihr sehr marodes, aber geliebtes altes Haus. Als sie sich endlich dazu überwindet, bei der Bank um einen Kredit für die dringend nötige Sanierung zu bitten, gerät sie mitten in einen Banküberfall. Im Tumult wird sie angeschossen – zum Glück! Denn als gefeierter Heldin wird ihr prompt der Kredit gewährt. Doch jetzt fängt der Stress erst richtig an. Nicht nur, dass unfähige Handwerker das Haus in Beschlag nehmen und Annabells Hippie-Mutter den Haushalt schmeißen will – plötzlich steht auch noch ihre Schwiegermutter vor der Tür, deren Führungsstil mit „generalstabsmäßig“ noch nett umschrieben ist.
(Kurzbeschreibung laut www.amazon.de)

Annabell Wingenfeld lebt das Chaos. Zwangsweise sozusagen, denn ihr altes baufälliges Haus braucht ganz dringend eine Grundsanierung. Leider fehlt der dreifachen Mutter das Geld dazu und so sieht sie keinen Ausweg, als bei ihrer Hausbank um einen Kredit anzufragen.

Der Termin endet jedoch in noch größerem Chaos: Annabell wird Opfer eines Bankräubers! Nach einer Notoperation teilt ihr die Bank glücklicherweise mit, dass ihr Kredit bewilligt wird. Dass das zu Annabells schneller Genesung beiträgt, ist nicht verwunderlich!
Sorgen macht ihr aber schon kurze Zeit später der Dachdecker, der ist nämlich spurlos verschwunden – mit ihrem Geld. Glücklicherweise bekommt Annabell aber tatkräftige Unterstützung durch ihre Mutter und die überraschend auftauchende Schwiegermutter.

Meiner Meinung nach ist der Titel des Buches nicht ganz passend, denn eigentlich beinhaltet Eva Völlers Roman gleich drei resolute „Muttis“.
Zu einem ist es Annabell selbst, die sich weder von einem Bankräuber noch von ihrem humorlosen Chef unterkriegen lässt und ihren Mann wie ein Fels in der Brandung steht.
Auf der anderen Seite ist es ihre Mutter, die nicht nur einen lockeren Lebenswandel, sondern auch die Gelassenheit an den Tag legt, die bei all dem Chaos nötig ist.
Und drittens sorgt ihre Schwiegermutter für den nicht ganz unwichtigen Part, der Unordnung einfach nicht duldet.
So ist es aber genau diese Mischung, die „Leg dich nicht mit Mutti an“ zu einem humorvollen Roman für entspannte Stunden macht.

Rundum perfekt wird das Buch aber erst durch den humorvollen Schreibstil der Autorin, der Alltagssituationen auf gekonnte Weise zu einem reinen Lesevergnügen umsetzt. So wird die turbulenteste Situation mühelos zu einem amüsanten Szenario umgewandelt.

Und doch stößt man zwischen den Zeilen auch auf Sätze, die nicht einfach untergehen dürfen:

„Jeder Liebeskummer hatte sozusagen ein eingebautes Verfallsdatum, er verblasste immer mehr und fing dann irgendwann an, sich in Ärger zu verwandeln.“
(Seite 275)

Fazit: „Leg dich nicht mit Mutti an“ ist die perfekte Lektüre für alle, die nach einem humorvollen Buch für entspannte Nachmittage auf dem Sofa suchen.
© Ricarda Ohligschläger