Zu Besuch bei Sandra Henke (Laura Wulff)

Ein ruhiger Vorort zwischen Düsseldorf und Köln. Hier lebt Sandra Henke, eine der erfolgreichsten Erotikautorinnen Deutschlands. Sie schreibt unter anderem erotic suspense und soft-SM-Romane. Aus Leidenschaft! Hauptberuflich.
Ab Mai gibt sie Kurse als Dozentin an der Bastei Lübbe Academy  zum Thema „Schreiben erotischer Kurzgeschichten und Romane“.
Doch Sandra Henke kann noch mehr. Vor wenigen Tagen erschien ihr erster Thriller „Leiden sollst du“ unter dem Pseudonym Laura Wulff.
Ich hatte die Möglichkeit sie vor der Premierenlesung zuhause zu besuchen und mit ihr zu plaudern.

Sandra Henke öffnet die Tür und strahlt. Von Nervosität ist im Moment nichts zu spüren. Die stellt sich erst später ein, kurz vor der Lesung.

Mein erster Blick fällt auf einen Kindle. Sandra Henke geht mit der Zeit.

Sandra, der Dotbooks Verlag bringt einige deiner Bücher als eBook heraus. Wie siehst du die Entwicklung der eBooks persönlich – Fluch oder Segen?
Aus der Sicht des Autors sind die Aussichten auf der einen Seite ungewiss, weil sich der Markt stark verändert. Auf der anderen Seite wollen wir Autoren doch nur eins: Schreiben. Ob unsere Romane als Print oder digital erscheinen, ist zweitrangig. Wie das finanziell wird, müssen wir alle abwarten, denn der Autor erhält zwar für ein eBook mehr Tantiemen, aber man muss bedenken, dass diese günstiger angeboten werden. Aus der Sicht des Lesers möchte ich Printbücher auf keinen Fall missen! Ich lese immer noch beide Versionen. Mag es aber, wie bequem es ist, sich zu jeder Tages- und Nachtzeit ein eBook runterladen und sofort mit dem Lesen anfangen zu können. Bei Reisen hat man seine Bibliothek und seinen SUB dabei. Und mein Kindle finde ich alles in allem sehr praktisch von der Handhabung und der Lesequalität.

Wir gehen ins Wohnzimmer. Auf dem Balkon steht ein Vogelhäuschen und Sandra Henke berichtet, dass sie zur Entspannung gerne die Vögel beobachtet.

Sandra 4Wobei kannst du außerdem entspannen, Sandra?
Es ist schwierig, sich zu entspannen, wenn man zuhause arbeitet. Dafür muss ich raus. Sei es nur in den Garten oder zum Wandern ins Grüne. Dass wir einen Thai-Massage-Salon im Ort haben, ist ein Segen. Shoppen tut es manchmal auch, aber ich bin eigentlich keine Shoppinqueen.

Im Regal stapeln sich etliche DVDs. Sandra Henke ist ein offensichtlich ein Filmfan.

Hast du einen Lieblingsfilm?
Nein, aber ich schaue mir am liebsten spannende Filme an. Animierte Filme finde ich auch gut. Ein paar Liebeskomödien selbstverständlich. Die Mischung macht’s.

Und was ist mit Büchern? Was liest du privat?
Sehr viel. Mein Lieblingsgenre ist und bleibt Krimi und Thriller. Aber ich mag die Vielfalt der Literatur und greife auch gerne und oft zu anderen Genres.

Was machst du sonst so, wenn du nicht am Schreibtisch sitzt?
So viel Zeit bleibt im Moment leider nicht, wenn man einen Haufen Arbeit hat, zudem ein Haus mit großem Garten und Tiere. Ich treffe mich gerne mit Freunden, kuschele mich auf der Couch in die Arme meines persönlichen Alphahelden und schaue mit ihm einen Film an und selbstverständliche lese ich viel.

Demnächst arbeitest du als Dozentin an der Bastei Lübbe Academy. Wie bereitest du dich darauf vor?
Das Konzept für die jeweils zwei Tage habe ich ja bereits erstellt, ebenso wie Hand-outs. Mehr kann ich mich nicht vorbereiten, weil es auf die Teilnehmer und ihre Erwartungen ankommen wird. Ich bin da flexibel. Im Grunde gebe ich das wieder, mit dem ich mich täglich beschäftige. Es ist ja nicht so, als müsste ich mich in eine fremde Materie einarbeiten.

In der Zwischenzeit riecht es appetitlich aus der Küche. Sandra Henke deckt den Tisch im Wohnzimmer. Massive Möbel prägen den Einrichtungsstil, der auch mir sehr zusagt. Da ich mich selbst neu einrichten möchte, tauschen wir Einkaufstipps für Möbel und Dekoration. Wir nehmen Platz und lassen es uns schmecken. Es gibt Sekt, selbst gemachte Pizza und Tiramisu. Auf dem Esstisch brennt eine Kerze.

Sandra, bis du eine Romantikerin?
Ich würde eher sagen, ich mag es gemütlich. Zuhause möchte man sich doch wohl fühlen und so ein Kerzenlicht spendet immer warmes Licht. Es erinnert ein wenig an die Behaglichkeit eines Kaminfeuers, das wir leider nicht haben.

sandraWie bist du überhaupt zum Schreiben von erotischen Romanen gekommen?
Ich hatte ja schon vorher einige Bücher veröffentlicht, in Kleinverlage, aber auch bei Coppenrath und Ueberreuter, um nur einige wenige Verlagsnamen zu nennen. Immer öfter kam auch ansatzweise Erotik in meinen Texten für Erwachsene vor. Eine befreundete Kollegin machte mich auf einen neuen Erotikverlag aufmerksam und fragte nicht, ob wir nicht zusammen einen erotischen Vampirroman schreiben wollten. Aus der Idee entstand „Begierde des Blutes“.

Und nun bist du auch noch Thrillerautorin. Wie entstand das Pseudonym Laura Wulff?
Auf einem konspirativen Treffen mit dem Mira Verlag auf der Buchmesse 2011. Inzwischen bin ich nicht mehr ganz so glücklich mit dem Nachnamen, aber wie mir viele versichten, denken nicht alle sofort an Bettina und Christian.

Marie und Daniel Zucker sind laut Buch „zwei unkonventionelle Ermittler mit Kultpotenzial“. Warum?
Daniel Zucker sitzt im Rollstuhl. Zuerst will er nicht zurück zu seinen Kollegen, weil er sich schämt. Dann darf er nicht mehr, zumindest nicht in seine alte Abteilung, denn er ist „vollzugsdienstunfähig“. Schritt für Schritt kämpft er sich zurück ins Leben und zurück in seinen alten Job. Marie, eine Gerichts-/und Phantombildzeichnerin, hilft ihm dabei. Sie ist das Gegenteil von ihm, doch sie ergänzen sich wunderbar.

Sandra 2Du hast dich für das Buch intensiv mit Recherche beschäftigen müssen. Was war das spannendste  Erlebnis in diesem Zusammenhang?
Mein zweistündiger Besuch auf dem Polizeipräsidium in Köln! Man beantwortete mir geduldig alle meine Fragen, führte mich nicht nur ins KK 11, wo Daniel in meiner Krimiserie arbeitet, sondern durchs ganze Gebäude und regte einige Details an, was seine Gehbehinderung betrifft. Zu keinem Zeitpunkt gab man mir das Gefühl, lästig oder unwissend zu sein. Die Polizisten verdienen hohen Respekt für ihren Einsatz, bei dem oft das Privatleben und so manche Ehe auf der Strecke bleibt.

Im Arbeitszimmer von Sandra Henke hängen Auszeichnungen und Cover ihrer Bücher an der Wand. Nicht nur die Kaffeemaschine auf dem Sightboard  vermittelt den Eindruck, dass hier diszipliniert gearbeitet wird.

Sandra, wie gehst du mit Zeitdruck und Abgabestress um?
Man gewöhnt sich an die Panikattacken. ;o) Mehr wie arbeiten kann ich nicht. Ich sag mir immer wieder: Alles wird gut. Je mehr man sich selbst unter Druck setzt, desto weniger flüssig geht die Arbeit von der Hand.

IMG_0527Abschließend zeigt mir Sandra noch ein Notizbuch, welches sie zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Es beinhaltet neben leeren Seiten, auf denen sie sich Notizen für den dritten Band ihrer Zucker-Reihe macht, einige Sherlock-Holmes-Zitate. Dann verabschieden wir uns von der rothaarigen Katze, die neugierig auf der Treppe sitzt und machen uns gemeinsam auf den Weg zur Premierenlesung in Düsseldorf.

Der Bericht zur spannungsvollen Lesung folgt selbstverständlich noch!

© Ricarda Ohligschläger

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ilo Na sagt:

    Ein wirklich gelungenes Interview! Vielen Dank für diese tollen Einblicke!
    Liebe Grüße aus Rostock
    Ilona

  2. Britt sagt:

    Oh da bin ich jetzt richtig neidisch :). Ich liebe ihre Bücher.

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