Interview mit Stephanie Fey

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Stephanie Fey Foto kleinWie sind Sie zur Schriftstellerei gekommen?

Bücher und Geschichten, das ist meine Welt, aber Verlage wollten erst mal nur meine Bilder und so wurde ich Illustratorin, hauptsächlich für Kinder- und Jugendbücher, bis es mit dem ersten Roman klappte.

Woher nehmen sie Ihre Ideen für ihre Romane? Sind das spontane Einfälle oder lange Überlegungen und Vorbereitungen?

Alle Geschichten denke ich mir zusammen mit meinem Mann Thomas aus. Wir werfen uns, auf dem Sofa sitzend oder beim Frühstück, die Ideen zu und ich schreib sie auf. Unsere drei Kinder sind das mittlerweile gewöhnt, dass das manchmal etwas gruselig-skurrile Themen beim Essen sind.

Was hat Sie bewogen, als Autorin das Genre Thriller zu wählen? Gibt es Autoren, die Sie inspiriert und angeregt haben?

Als Leserin liebe ich den Krimi, Henning Mankell, Stephen King, Karin Fossum, Hakan Nesser, Stieg Larsson. So lag es nahe, dass ich mich auch in einem Krimi versuchte. Das Thrillergenre wählte ich, weil ich mal nicht nur die klassische Mördersuche beschreiben wollte, sondern auch die Opfersicht, wie es sich aus Sicht der Rechtmedizin anbietet.

Woraus entstand ganz speziell die Idee zum Buch „Die Verstummten„? Für mich hört es sich an wie eine kleine Meldung in einer Zeitung und diese Geschichte weitergesponnen und mit Hintergrund versehen.

Genauso war es, mein Mann hörte im Radio die Meldung: Geisterfahrer auf der Autobahn, seine Eltern ermordet im Bett vorgefunden. Er kam in mein Schreibzimmer und sagte, was-wäre-wenn er seine Eltern gar nicht ermordet hat, wenn er auf die falsche Seite der Autobahn geflohen ist, weil er auf der Flucht vor jemandem war? Was-wäre-wenn, so entstehen alle Geschichten.

Wie lange hat dann die Entwicklung des Thrillers „Die Verstummten“ gedauert?

Eineinhalb Jahre, von der Idee bis zur Veröffentlichung.

Die wahre Leidenschaft Ihrer Protagonistin ist die Gesichtsrekonstruktion. Wie kamen Sie auf diese ungewöhnliche Tätigkeit und was fasziniert Sie besonders daran?

Ich lernte eine echte Gesichtsrekonstrukteurin kennen, mittlerweile sind wir befreundet. Sie liest meine Manuskripte und berät mich bei der Fallentwicklung, außerdem besuche ich sie oft und kriege so Einblick in ungewöhnliche Schauplätze. Mich fasziniert dieses ganz existenzielle Bedürfnis aller Menschen daran, die Suche der Identität, die ja ein unbekannter Toter verloren hat. Eine Gesichtsrekonstrukteurin gibt Opfern ihr menschliches Gesicht zurück und den Angehörigen damit die Möglichkeit um ihre Verstorbenen zu trauern.

Gibt es eine Verbindung zwischen dem Cover und dem Inhalt des Buches?

Ja, auf mehreren Ebenen, es könnte die Hauptfigur Carina sein, die sich auf der Suche nach der Wahrheit fühlt, als würde sie unter Wasser gedrückt. Es kann aber auch Iris sein, die an einer Stelle im Roman aus dem Wasser aufsteigt, weil sie endlich begreift, dass sie nur benutzt wurde. Es kann aber auch die tote Olivia sein, die …, naja, das würde jetzt zuviel verraten.

Wie lange haben sie an Ihrem Durchbruch gearbeitet?

Mein erster Roman „Das Gedächtnis der Lüge“ erschien 2008 in einem Kleinverlag, ich hatte das Gefühl jedes Buch persönlich einem interessierten Leser ins Haus zu tragen. Dabei hatte ich sieben Jahre an dem Roman geschrieben, also seit 2001. Trotzdem war es ein Anfang, für den ich sehr dankbar bin. Erst mit dem Buchvertrag für „Die Gesichtslosen“ beschloss ich hauptberuflich zu schreiben, das war 2011.

Schreiben Sie auch Bücher unter anderen Pseudonymen?

Ja, als Rebecca Abe habe ich den historischen Kriminalroman „Im Labyrinth der Fugger“, Gmeiner Verlag, geschrieben.

Welche Mittel und Medien benutzen Sie, um für einen neuen Roman zu recherchieren?

Ich treffe mich mit „meiner“ Rechtsmedizinerin und erzähle ihr von meiner Idee, dann gibt sie mir Tipps. Außerdem lese ich Sachbücher zum jeweiligen Thema und befrage, wenn möglich, Zeitzeugen. So wie z. B. bei „Die Verstummten“, den Sprachprofiler Raimund Drommel.

Durften Sie schon live bei einer Schädelkonstruktion dabei sein und haben Sie das mit zur Recherche benutzt?

Live ist übertrieben, weil es sich ja um eine wochenlange Arbeit handelt, wie bei einer Bildhauerin, da würde auch ein Zuschauer nur stören. Aber ich habe die Arbeitsschritte live gesehen und bin auch immer wieder im Gespräch mit der Gesichtsrekonstrukteurin, wenn sie neue Schädel rekonstruktiert.

Verarbeiten Sie u. a. auch persönliche Erfahrungen in Ihren Büchern?  

Ja, aber nur so, dass in jeder meine Figuren auch was von mir und meiner Familie drin steckt, Szenen, Erlebnisse, übertragen auf die Geschichte erkennen das aber nur ganz enge Freunde oder meine Familie eben.

Wie stehen Sie zu Verfilmungen von Büchern? Könnten Sie sich vorstellen, dass Ihre Bücher verfilmt werden und wenn ja, hätten Sie Du schon (deutsche) Schauspieler als Wunschbesetzung?

Das kann ich mir gut vorstellen, meine Traumcarina wäre Nadja Uhl.

Sie schreiben Thriller. Ist das auch Ihr bevorzugtes Genre was sie privat lesen oder darf es da dann auch gern etwas  anderes sein?

Wie oben bereits gesagt, ist Krimi und Thriller meine Lese- und Filmleidenschaft. Ich lese aber auch sehr gerne Gegenwartsromane, historische Romane und Kinder- und Jugendbücher.

Kann man Sie auf der „Leipziger Buchmesse“ treffen?

Ja, ich bin am 15. und 16. März tagsüber am Heyne-Stand  anzutreffen und lese um 17 Uhr im Literaturforum, Halle 3 ‚buch aktuell‘ Stand E401 und um 19 Uhr mit meinen Kollegen Volker Klüpfel & Michael Kobr und Titus Müller u. a. KrimiClub im Landgericht Harkortstraße 9, 04107, Leipzig (Süd) und würde mich sehr freuen, Leser und Leserinnen zu treffen!

Liebe Stephanie Fey, ich bedanke mich – auch im Namen meiner Blogleser – für dieses aufschlussreiche Interview und wünsche Ihnen für alle weiteren Projekte alles Gute!

Das Buch aus der Verlosung geht an

Kerstin Marquardt

Herzlichen Glückwunsch!

Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”

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