Allgemein

Gilles Legardinier – Julie weiß, wo die Liebe wohnt

In was verliebt sich eine Frau wohl zuerst bei einem Mann? Sind es die Hände, die Augen, die Stimme oder vielleicht der knackige Anblick von hinten? Kann man das überhaupt so genau sagen?

Bei Julie Tournelle trifft jedenfalls nichts von alledem zu, denn Julie verliebt sich zuerst in das Namensschild ihres neuen Nachbarn – lange bevor sie ihn das erste Mal zu sehen bekommt!

Ricardo Patatras steht auf dem Schild. Dieser Name klingt für Julie nach Klasse, nach Abenteuer, Leidenschaft und wahrer Liebe und so setzt sie alles daran den geheimnisvollen Nachbarn endlich zu Gesicht zu bekommen. Dafür postiert sie sich nicht nur vor ihren Türspion, sondern versucht auch in seinem Briefkasten seine Post zu inspizieren. Dumm nur, dass sie sich dabei die Finger einklemmt und in dieser Position von Ric erwischt wird.
Der charmante Nachbar jedoch hat nicht etwa direkt die Nase voll von seiner leicht verwirrten Nachbarin, nein, auch er scheint in Julie etwas ganz Besonderes zu sehen.

Daraus entspinnt sich eine ganz zarte Zuneigung und dann…?

Dann ändert Julie ihr Leben radikal.

Offensichtlich beflügelt von den Schmetterlingen im Bauch kündigt sie ihren verhassten Job bei der Bank und freundet sich mit der alten Nachbarin Alice Roudan an, die auf dem Dach heimlich einen kleinen Gemüsegarten angelegt hat.
Und zwischendurch kommt sie auf allerlei verrückte Ideen um Ric näher zu kommen.

Gilles Legardinier ist mit „Julie weiß, wo die Liebe wohnt“ ein wunderbar romantischer, lebensfroher und zugleich unterhaltsamer Roman gelungen, der mich ganz weit fort nach Frankreich getragen hat. Ich hatte zuweilen das Gefühl französische Chansons aus dem Buch heraus zu hören!

Mit Julies Umfeld – „ihrer“ Straße ist der passende Schauplatz für ihren kleinen Kosmos gewählt worden. Jeder kennt sich, bzw. glaubt sich zu kennen und doch wartet fast schon täglich eine kleine Überraschung auf Julie.

Legardiniers Sprache ist zum Teil reduziert, dann wieder sehr ausgeschmückt mit Liebe zum Detail. Dabei bleibt er jedoch immer auf einem hohen Niveau ohne kitschig zu wirken. Gekonnt wird hier die richtige Stimmung für die gesamte Handlung gezaubert.

Fazit: Warmherzig, französisch und voller Überraschungen!

Persönliche Anmerkung: Wer den Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ liebt, wird sich ganz schnell von diesem Buch verzaubern lassen!!!
© Ricarda Ohligschläger