Gastrezension von Susanne: Sabine Ludwigs – Meine Seele weiß von dir

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Ich durfte das Buch einer Schriftstellerin lesen, die quasi hier bei mir um die Ecke wohnt.

Das Buch handelt von einer jungen Frau, Sina-Mareen, die fast ertrunken wäre und sich nur noch daran erinnern kann wie dieser Moment des Ertrinkens sich für sie anfühlte. So sehr sie sich auch bemüht, sie kann sich an nichts erinnern.

Ihre einzige „Schutzburg“ ist immer wieder ein Kleiderschrank, zuerst im Krankenhaus in dem sie nach ihrem nächtlichen Badeunfall eingeliefert wurde und schließlich auch zuhause.

Immer wenn es ihr schlecht geht oder sie einfach nur ihren Gedanken freien Lauf lassen möchte, flüchtet sie sich wieder in einen Schrank.

Ihr Mann, Leander, den sie nicht als diesen erkennt, besucht sie im Krankenhaus und er erzählt ihr auch aus ihrem Leben, doch Sina erinnert sich an nichts.

Sie verliebt sich aber sofort in Leander und als sie entlassen wird begreift sie nicht, warum sie getrennt leben.

Sie lernt ihre Schwester Lisa neu kennen und auch ihre Verwandtschaft und Freunde sowie ihre Haushälterin und hofft, dass sie irgendwo endlich wieder aus ihrer Amnesie befreit wird.

Lisa hilft ihr in der ersten Zeit und erzählt Sina aus ihrem Leben.

Sina begreift, dass sie nun ein anderer Mensch als  vorher sein muss, sie entdeckt sich neu und wundert sich über die alte Sina, die eher unnahbar war und wohl auch nicht so beliebt.

Sie versucht herauszubekommen, was passiert ist und warum sie fast ertrunken wäre und forscht selber anhand ihres Telefonregisters und den Aussagen ihrer Schwester und Haushälterin nach, wie die einzelnen Personen in ihr Leben passen.

Sie ist verliebt in ihren Mann, der ihre Liebe aber nicht erwidert, der auch aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen ist und dem sie nur ab und zu begegnet bzw. im TV sieht, denn Leander hat eine eigene Late-Night-Show.

Sie erfährt bei einem Familientreffen, dass sie schwanger war und dass sie angeblich abgetrieben hat, was die neue Sina von sich aber nicht glauben mag, dass sie dazu in der Lage wäre.

Sie lernt ihre Familie wieder neu kennen, kann sich absolut an nichts erinnern und alle Leute, denen sie wieder begegnet, merken, dass sie sich positiv verändert hat.

Nach und nach kommen Erinnerungsfetzen, aber Sina möchte sich an alles erinnern.

In einem Augenblick, wo sie nicht darüber nachdenkt und nur Pralinen essen möchte, kommt die ganze Erinnerung geballt zurück und Sina erschrickt sich vor ihrem eigenen Handeln.

Sie offenbart sich Leander, der mittlerweile wieder vergeben ist und sie möchte, dass er sie versteht und zu ihr zurückkommt. Zuerst fangen die beiden an, sich wieder zu finden, aber als Sina sich seiner wieder ganz sicher ist, zieht sich Leander komplett zurück. Sie versucht das Kapitel Leander zu schließen, kann ihren Mann aber nicht vergessen.

Sie zieht aus dem gemeinsamen Haus aus um wieder Platz für ihn zu machen und sich neu zu orientieren.

Als sie sich schließlich mit ihrer neuen Umgebung und ihrem neuen Zuhause und Leben abgefunden hat, steht Leander wieder vor ihrer Tür….ein neues Leben zu zweit beginnt.

Das Buch ist sehr spannend geschrieben, man findet sich in der Zeit zurecht, als wenn es letzte Woche hier in der Umgebung irgendwo stattgefunden hätte.

Die Schriftstellerin liebt es kleinste Details aufzuführen und man sieht alles vor seinem geistigen Auge…manchmal nerven die Details aber doch ein wenig, weil es einem unwichtig scheint und man sie als Seitenfüller ansieht, so z.b. voll ausgeschriebene Telefonnummern, wo ich schon versucht war zu testen, ob es den Anschluss wohl wirklich gibt und wenn ja, ob es bei den Leuten wohl nun öfters klingelt, oder sind es gar die Nummer der Autorin ???

Auf jeden Fall ein Buch, das man nicht nach den ersten Seiten in die Ecke legt, sondern wo man schon den Ausgang wissen möchte und das sich zu lesen gelohnt hat.
© Susanne Lindner

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