Gina Mayer – Das Maikäfermädchen

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DAS MAIKÄFERMÄDCHEN“ ist mein erstes Buch der Düsseldorfer Autorin Gina Mayer und mit Sicherheit nicht mein letztes von ihr.
Wer bei dem an ein Kinderlied erinnernden Titel des Buches an eine harmlose und oberflächliche Geschichte denkt, der irrt gewaltig.
Es ist schwere Kost. Sehr schwere Kost, denn die eh schon erschütternde und aufwühlende Handlung wird durch die sehr realistischen Beschreibungen noch grausamer. Hierbei muss erwähnt werden, dass die Autorin offensichtlich sehr viel Zeit damit verbracht hat zu recherchieren, denn ohne intensive Vorbereitung hätte sie sicherlich niemals ein so außergewöhnliches Thema derart darstellen können.

Anfangs kam mir die Geschichte etwas verwirrend daher, aber dann konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, da die Handlung sehr spannend aufgebaut ist und es insgesamt sprachlich auf einem sehr hohem Niveau ist, sodass es nichts vermissen lässt!

„Sommer 1945. Deutschland liegt in Trümmern, von Düsseldorf sind nur noch Ruinen übrig. Die Hebamme Käthe Mertens leidet unter der Trennung von ihrem Mann Wolf, der im Krieg verschollen ist. Eines Nachts taucht eine junge Frau bei ihr auf. Ingrid ist schwanger und völlig verstört. Sie will Käthe nicht sagen, wer der Vater ihres Kindes ist, sondern summt immer nur die Melodie von „Maikäfer flieg“. Käthe zögert nicht lange, sie hilft Ingrid, indem sie in einer halb zerstörten Arztpraxis eine Abtreibung vornimmt. Ingrid verschwindet nach dem Eingriff spurlos, aber wenige Wochen später erscheint ein anderes junges Mädchen bei Käthe, das ebenfalls schwanger ist. Zusammen mit ihrer Freundin Lilo beschließt Käthe, bedrängten Frauen zu helfen – trotz der Gefahr, als „Engelmacherin“ im Gefängnis zu landen. Dann taucht Ingrid wieder auf, erneut schwanger, und beginnt Käthe zu erpressen.“ (Kurzbeschreibung laut amazon)

Gina Mayer führt ihre Leser dabei manchmal leise und dann wieder schockierend anschaulich durch das Düsseldorf der Nachkriegszeit. Verfallene Straßen, Kinder die im Müll nach Nahrung suchen, Frauen die ihre wenige Kraft in den Wiederaufbau stecken….
Es ist ein Roman mit vielen Gesichtern: dem der Hebamme Käthe Mertens, die sich alleine durchschlagen muss, weil ihr Mann als vermisst gilt. Zweitens  dem von Lilo Hambach, die tagtäglich mit ansehen muss wie ihr Mann an den gemachten Kriegserfahrungen immer mehr verfällt. Und dann ist da noch Schimanek, ein Jude, der das KZ überlebt hat und von dessen wahren Kampf weder Lilo noch Käthe etwas ahnen!

Es ist aber auch ein Buch über Freundschaft, Zusammenhalt und größte Not, die viele von uns – Gott sei Dank! – niemals kennenlernen werden. Käthe und Lilo leben in einer Welt, in der die nächste Mahlzeit und eine heile, warme Unterkunft mehr wert sind als Moral.

Es ist mehr als ein Portrait der Nachkriegszeit, welches Gina Mayer ihren Lesern darstellt. „DAS MAIKÄFERMÄDCHEN“ ist der erschütternde Bericht einer ganzen Generation von Frauen, der viel Stoff zum Nachdenken bietet und am Ende mit einer noch schrecklicheren Wahrheit überrascht!
© Ricarda Ohligschläger

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Karin sagt:

    Ich habe erst ein BUCH von Gina gelesen, das muss sich def. auch ändern.
    Sehr schöne und Inhaltsreiche Rezi

    lg
    Karin

  2. Nina sagt:

    Ich freue mich, dass es dir auch gefallen hat. Mittlerweile ist Gina Mayer eine meiner absoluten Lieblinge geworden und das Maikäfermädchen war mein Highlight im letzten Jahr 🙂
    LG
    Nina

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