Premierenlesung von Jürgen Domian – ein Statement

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Vor zwei Tagen war ich abends der Premierenlesung von Jürgen Domian. Er stellte dort sein aktuelles Buch „Richtig leben – und dann tu, was du willst“ vor. Moderiert wurde der Abend von Comedian Atze Schröder.

Ich habe mich im Vorfeld mehrmals gefragt wie diese Kombination zusammen passen soll, ließ mich aber gerne auf diesen Abend ein. Jürgen Domian war mir bisher als sympathischer Nachttalker bekannt, auch wenn ich seine Sendung in den letzten Jahren nicht mehr verfolgt habe. Veranstaltungsort war die Mayersche – Buchhandlung in Köln am Neumarkt.

Da ich meinen Unmut über den Abend auf Facebook angedeutet habe und nun mehrmals gefragt wurde, was denn eigentlich so schrecklich an dem Abend war möchte ich hier ein Statement dazu abgeben:

Wenn ich auf eine Lesung gehe, dann immer mit großem Interesse und auch gerne als zahlender Gast. Wenn mir aber schon beim Betreten des Veranstaltungsareals ins Auge sticht, dass direkt 4(!) Reihen und somit schätzungsweise ca. 60 Plätze als „reserviert“ markiert sind, finde ich das gelinde gesagt einen Schlag ins Gesicht all den Gästen gegenüber, die dafür bezahlt haben und nun maximal die Chance haben in der fünften Reihe zu sitzen. Jürgen Domian ließ anklingen, dass sein Team etc.pp. mit von der Partie wäre, aber bei der Masse wäre es wohl besser gewesen im WDR eine Extralesung zu veranstalten. Die Lesung begann relativ humorvoll, was an einem witzigen Schlagabtausch zwischen Domian und Atze Schröder lag. Im Gegensatz zu Domians Buchtitel gehe Schröder mit seinem Programm „Richtig Fremdgehen“ auf Tour. Klar waren hier die Lacher auf seiner Seite.

Allerdings wurde die Figur des Atze Schröder im Laufe des Abends immer unglaubwürdiger. Man halte sich das vor Augen: ein Mann, der in seinem Bühnenprogramm kein Blatt vor den Mund nimmt betont gleichzeitig bekennender Christ zu sein und mit „seiner Perle“ schon 28 Jahre lang zusammen zu leben. Versteht mich nicht falsch, aber hier passt die Rolle, die er in der Öffentlichkeit darstellt und die private Person definitiv nicht zusammen! Zur Lesung von Jürgen Domian kann ich nur sagen, dass sie absolut an der Kurzbeschreibung des Buches vorbeiging. Demnach geht auch das Buch am Titel und der Angabe des Inhalts vorbei. Ich zitiere laut amazon:

„Mehr als 20.000 nächtliche Gespräche hat Jürgen Domian geführt. 20.000 Menschen haben ihm von ihrem Leben erzählt – oft vom Falschen darin. Was aber heißt eigentlich: Richtig leben? Domian folgt den Leidenschaften des Menschen und findet so Antworten auf die Frage, die ihn und so viele andere bewegt. Ein Buch voller Geschichten und Gespräche, Begegnungen und Erfahrungen. Ein Buch über den Wert des Augenblicks und über eine Gegenwärtigkeit, die frei und lebendig macht.“

Vielleicht liegt der Fehler bei mir. Das kann durchaus sein, aber ich bin nicht die Einzige, die den Abend grauenvoll fand.

Laut der Kurzbeschreibung bin ich davon ausgegangen, dass Domian den Weg beschreibt manchmal ein bisschen egoistischer zu sein und genauso zu leben, wie man es selbst für am besten hält – und wie es einem guttut.
Jedoch wurde schnell klar, dass sein Buch eher spirituell angehaucht ist und er sich dabei näher mit den Todsünden befasst. Ich weiß nicht wie oft an diesem Abend das Wort ZEN fiel – ich habe irgendwann resigniert und ja, mein iphone war mir eine willkommene Abwechslung, die mich vom Tiefschlaf abhielt.

Hätte nur irgendetwas von Spiritualität, Sinnsprüchen und religiösen Betrachtungen in der Ankündigung zur Lesung gestanden – ich wäre nicht hingegangen.

Dieses Statement schildert meine Sicht der Dinge und ist meine Meinung zur Lesung. Nicht mehr und nicht weniger! Es liegt mir absolut fern die Person Jürgen Domian in irgendeiner Art und Weise anzugreifen.

Verlag und auch Veranstalter sollten demnach zukünftig mehr Energie in Veranstaltungsempfehlung bzw. Kurzbeschreibung setzen. Dann bleiben solche Enttäuschungen erspart!
© Ricarda Ohligschläger

 

 

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. …klingt in der Tat nach einem langweiligen Abend. Der Schlagabtausch zwischen zwei so unterschiedlichen Männern stelle ich mir noch unterhaltsam und amüsant vor. Doch die Thematik dann doch eher einschläfernd – gelobt sei der Reader, den ich auch gerne dabeihabe, wenn ich befürchte, irgendwo könne es sehr langweilig werden.

    5. Reihe, nicht prinzipiell schlecht – wenn die baulichen Gegebenheiten stimmen. Aber wenn man dann nichts sieht vom Autor, dann ist das ganz schlecht – vor allem wenn man dafür viel Geld hingeblättert hat. Da hätte man in der Tat dann zwei Veranstaltungen daraus machen sollen.

    Und Schröder privat und als Comedien – schwer, ihn als Privatmensch zu sehen, wenn man ihn anders kennt. Wobei er scheinbar im wahren Leben nicht besonders schlagfertig ist, und es ihn ärgert, dass ihm eine passende Antwort oft erst im Nachhinein einfällt.

    LG,
    Heidi, die Cappuccino-Mama

  2. Rebecca sagt:

    Hallo Rici,

    ich kann deine Verärgerung sehr gut verstehen, denn auch mich nervt es wenn man als zahlender Gast nach hinten verbannt wird und nicht mal die Möglichkeit hat nach vorne zu sitzen wenn man denn will.
    Gut die 5. Reihe ist auch noch OK aber man will sich einfach selbst den Platz aussuchen.

    Wenn es dann auch noch auf das rausläuft das man seine Zeit vertan hat und der Autor nicht mehr als eine Kurzbeschreibung erzählt finde ich es echt nicht toll, denn man opfert Zeit und gibt auch nicht gerade wenig Geld aus um an der Lesung dabei zu sein, auch für die Buchhandlung finde ich das nicht wirklich toll, denn mal ehrlich sie müssen mit dem Geld den Autoren bezahlen und dann bringt er die halbe Veranstaltung kostenlos mit ne das muss nicht sein.

    Bei einer Lesung habe ich das persönlich noch nicht erlebt aber bei Musikveranstaltungen, da kauft man sich teuer eine Karte und sieht dann die ganzen mit ihren Freikarten oder den VIPanhängern, Hauptsache Kostenlos rein und dann sie beehren lassen.

    Also ne, ich weiß wieso ich so selten zu Veranstaltungen gehe, denn das finde ich immer schade egal um was es sich handelt.

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