Interview mit Anna Herzig

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anna herzigFrau Herzig, wie kam ihnen die Idee ein Buch zu schreiben bei dem Sie die Hauptprotagonistin mehr oder weniger auf ihr Leben zurückblicken lassen und es auch Revue passieren lassen und sich so über ihre damalig getroffenen Entscheidungen auseinanderzusetzen?

Da müssen wir weit zurückgehen. Ich war siebzehn Jahre alt, und habe beschlossen, nachdem ich meinen ersten Kriminalroman (Der Tod kann warten, Gryphon Verlag, 2005) veröffentlicht hatte, und für „Zeit für die Liebe“ keinen Verlag gefunden hatte, und mir eine Absage nach der anderen (Die Absagen kommen seit Jahren immer noch, bis heute) eingefangen hatte, dass ich etwas schreiben möchte, dass bewegt. Und dann begannen die Figuren sich langsam vor meinem geistigen Auge zu formen und klarer zu werden. Tatsächlich hat es sechs bis acht Jahre gedauert, bis „Zeit für die Liebe“ veröffentlicht wurde. Ein wichtiger Punkt war auch, dass ich mir und den Figuren Zeit geben wollte, zu wachsen. Und so wurde aus

„Ich liebe nicht gerne“

„Liebesgeflüster“ danach

„Der Eine“ und schließlich „Zeit für die Liebe“.

Die Geschichte war am Anfang gar nicht so geplant, aber dann begannen die Figuren ein Eigenleben zu entwickeln, und haben mich geführt. Nicht umgekehrt. Beängstigend und spannend zugleich. Und natürlich war der Ursprung eine unglückliche Liebe. Die ursprüngliche Widmung in „Zeit für die Liebe“ war:

Ich wollte dich so sehr, dachte ich. Und dann dachte ich weiter.

Das beschreibt es am besten, denke ich.

Daran halte ich mich übrigens bis heute. Menschen nachhaltig bewegen und zum Nachdenken anregen zu wollen.

Warum haben Sie ihre Hauptfigur an einer unglücklichen Ehe festhalten lassen, obwohl Sie später daran regelrecht zerbricht?

Ich habe auf einem harten und beschwerlichen Weg lernen müssen, wie wichtig es ist, zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben ehrlich zu sich selbst sein zu müssen und egal wer kommt und geht in deinem Leben, dass du die Person bist, der du jeden Morgen in den Spiegel entgegensehen musst. Und wem möchte ich dabei in die Augen schauen? Das Leben ist weder einfach, noch lustig und Entscheidungen die gravierend sind, werden einem nie abgenommen. Deshalb sollten Entscheidungen wirklich gut überlegt sein.

In ihrem Buch ist Sophie anfangs ihrer Ehe in dem Glauben, dass Liebe in einer Ehe wachsen kann und obwohl sie ihren Verlobten nicht liebt heiratet sie ihn. Nehmen wir an ihre beste Freundin würde heiraten wollen, obwohl sie ihren Zukünftigen nicht liebt. Was würden Sie ihr raten?

Hoppla, ich bin der Meinung, da sollte man mit diesem Thema ganz vorsichtig sein.

Es ist sehr leicht, mit Ratschlägen um sich zu werfen, wenn man nicht in der Haut der Person steckt, die es betrifft. Vielleicht würde ich sagen, so ganz vorsichtig „Denk darüber nach, ob es das ist, was du willst. Stell dir vor, dass du in den nächsten (so Gott will) dreißig Jahren immer noch mit diesem Menschen zusammen sein wirst, nicht nur in der spannenden Hochzeitsnacht, nach dem Auspacken der Geschenke, dem erstem Kind, dem Alltag, der sich ganz sicher einschleichen wird und kannst du als Person diese Zeit überdauern ohne etwas von deiner Persönlichkeit, deinen Träumen oder Wünschen einbüßen zu müssen?“ Ganz wichtig sollte es auch sein, zu bekräftigen, dass man immer hinter der Person steht, egal welche Entscheidung getroffen wird.

Sie sprechen öfter „die eine große Liebe“ an. Sind Sie der Meinung, dass es wirklich nur eine große Liebe im Leben gibt?

Das ist Auslegungssache. Ich bin jemand, der nicht an Zufälle glaubt sondern viel mehr an Schicksal. Dass es eine Macht gibt, die einem hin und wieder einen sanften Klaps auf den Po gibt, um dort hin zukommen, was vorgesehen ist. Ich finde diesen Gedanken sehr schön.

„Zeit für die Liebe“ sollte man sich auch im Alltag nehmen. Wie würde ihre persönliche „Zeit für die Liebe“ aussehen?

Gute Frage. Ich denke, dass es wichtig ist, mit sich selbst im Reinen zu sein um die Gesellschaft eines anderen vollständig genießen zu können. Ich bin da etwas seltsam und suche mir sehr gezielt aus, mit wem ich meine Zeit verbringe und habe mittlerweile keine Skrupel mehr, ganz kalt zu reagieren, wenn versucht wird, mir Gesellschaft die ich nicht schätze, aufzuzwingen. Das ist ein Schaden von der Schulzeit (katholische Privatschule am Land) und schon damals habe ich mit meinem kleinen Verstand nicht kapiert, warum man seine Zeit mit fremden Menschen oder Menschen die man nicht mag, verbringen muss. Ich war immer sehr verschlossen und habe gelernt, vertrauen zu dürfen, ohne dass etwas Schlechtes passieren muss.

Also Zeit für die Liebe ist für mich Quality Time mit dem Menschen, der mich seit vielen Jahren kennt, und mich trotzdem jeden Tag Morgen ansieht, als wäre ich die funkelnde Offenbarung des Universums.

Welches Buch, außer ihren eigenen, finden Sie so genial, dass sie gerne die Autorin des Buches gewesen wären?

Ach, ich finde meine Bücher nicht genial, es ist mehr so, dass ich mir gerne selbst wortwörtlich auf die Schulter klopfe, wenn ich denke, dass mir ein Kapitel bzw. ein Absatz gut gelungen ist, ansonsten bin ich von Unsicherheiten komplett zerfressen. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen.

Bewundernswert finde ich den Liebesroman „Gut gegen Nordwind“ von meinem österreichischen Kollegen, Daniel Glattauer. Ich habe ihn mal persönlich kennengelernt, er ist ein sehr lieber Mensch.

Haben Sie ein absolutes Lieblingsbuch, Frau Herzig?

Da gibt es drei. Und alle sind unverdrängbar auf Platz 1. „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel Garcia Marquez. „Kafka am Strand“ von Haruki Murakami und „Wandlungen einer Ehe“ von Sándor Márai.

Jedes von diesen Büchern lese ich einmal pro Jahr.

Welches war in Ihren Kindertagen Ihr persönlicher Buchheld und weshalb?

Etwas morbid, aber ganz klar Stephen King. Als ich jünger war, so ca. zehn Jahre alt, hatten wir eine kleine, aber feine Bücherei um s Eck und habe mich da mit allen möglichen Stephen King Büchern eingedeckt und regelrecht verschlungen. Dieser Kindheitszauber fehlt mir. Jetzt lese ich irgendwie nüchterner, aber das liegt am Erwachsenwerden und dem sich mit Dingen feiner auseinandersetzen.

Eine Unart bzw. ein Tick, den ich mir beibehalten habe, ist während dem Lesen an den Seiten von den Büchern zu schnuppern. Für mich hat das etwas Beruhigendes. Und wahrscheinlich für die Menschen, die mich an Buchseiten schnuppernd in der Ubahn oder im Bus sehen, etwas unheimliches : ) .

Könnten Sie sich vorstellen  mit einem vollkommen anderen Genre  Neuland zu betreten, z.B. als Autorin historischer Romane oder als Kinderbuchautorin?

Nein, leider eher nicht. Ich liebäugle zwar schon seit einigen Jahren mit einer Idee für einen Fantasy Roman, habe mir jedoch noch nie wirklich die Zeit genommen, dieser Idee einen festen Boden zu geben. Historische Romane sind nicht so sehr meins. Ich habe leider einen Hang dazu, mich zu zerreißen und viele Dinge gleichzeitig machen zu wollen und muss mich somit zügeln, ein Projekt nach dem anderen abzuarbeiten.

Woran arbeiten Sie derzeit? Sind bereits weitere literarische Projekte geplant?

Derzeit arbeite ich an einer Trilogie, die sich „Anatomie einer Liebe“ nennt. Es geht um einen Mann und eine Frau. Die leiden. Aber nicht gemeinsam. Es ist nicht so, dass diese zwei Menschen in konstant direktem Kontakt zueinander stehen, sondern vielmehr so, dass die Leser durch deren Tagebücher in die Leben der Protagonisten eintauchen können. Diese Trilogie wird vorerst für die nächsten Jahre die letzte romantische Erzählung bleiben, da ich mich auf andere Geschichten konzentrieren will, die ich erzählen möchte.

Leseproben gibt es auf meinem Blog und auf meiner Facebook Seite.

http://missnovelist2009.over-blog.net/

https://de-de.facebook.com/pages/Anna-Herzig/659169197503093

Liebe Anna, vielen Dank für dieses sehr offene und persönliche Interview!

Die Bücher aus der Verlosung gehen an
Anastasia T.
Heidrun B.
Rebecca Kiwitz

Herzlichen Glückwunsch!

Die Interviewfragen stammen aus Einsendungen, im Rahmen der Aktion „Leser fragen – Autoren antworten”

Autorenfoto © Lukas Beck

© Ricarda Ohligschläger

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ein tolles Interview. 🙂

  2. ClauDia sagt:

    Das Leben ist weder einfach, noch lustig und Entscheidungen die gravierend sind, werden einem nie abgenommen. Deshalb sollten Entscheidungen wirklich gut überlegt sein.

    Das sind so schöne und weise Worte, die möchte ich am liebsten unterschreiben!!!
    … und jetzt gehe ich mir die Autorin mal näher ansehen 🙂
    Danke für das tolle Interwiev ♥
    LG Claudia

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