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Ich habe ein schlechtes Bauchgefühl

Ich habe ein schlechtes Bauchgefühl

… und auf das werde ich ab sofort hören.

Ich habe in den vergangenen Wochen nachgedacht. Viel nachgedacht. Übers Bloggen, über die Möglichkeit mein Hobby auszuüben und vor allem zu finanzieren.

Ich blogge seit 2009. Seitdem beziehe ich auch Rezensions- sprich Freiexemplare von Verlagen oder von Autor/innen direkt. Man bietet mir Bücher gegen Rezension an, was mich sehr freut und was ich SEHR zu schätzen weiß. Selbstverständlich bedeutet ein kostenloses Leseexemplar für mich NICHT automatisch eine 5-Sterne – Rezension beim großen A, sondern auch die Verpflichtung objektiv ein Buch zu bewerten. Das wissen die Verlage, die mich beliefern und die Autoren, die ihr Buch gerne auf meinem Blog besprochen haben möchten.

In den letzten Monaten blockte ich fast alles was an Rezensionsanfragen per Mail bei mir ankam. Das sind ca. 5 in der Woche. Plus Verlagsempfehlungen komme ich ca. auf 20 Anfragen. In der Woche!

Trotzdem bleibe ich immer mehr eisern. Und ja, ich kämpfe hin und wieder mit mir selbst, wäge ab und frage mich WANN ich das Buch realistisch betrachtet lesen könnte. Immer wieder schiebe ich Rezensionen vor mir her. Mir fehlt schlichtweg die Zeit.

Ihr ahnt wer “Schuld” daran trägt? Richtig! Meine zauberhafte Tochter Maite. Ich habe mittlerweile meine Prioritäten ein bisschen anders gesetzt. Lesen tue ich allerdings immer noch sehr gerne und selbstverständlich kaufe ich auch Bücher.

Trotzdem stehe ich auch in der Verpflichtung den Verlagen eine Besprechung zu “liefern”. Ich möchte mir ja genau so gereicht werden wie den Verlagen und Menschen, die mich beliefern! Diese Verpflichtung erdrückt mich mittlerweile ein wenig und mein schlechtes Bauchgefühl macht sich breit.

Noch breiter wird es, wenn ich den Blogartikel einer sehr geschätzten Autorin lese. Claudia Toman hat in ihrem Blogbeitrag etwas angesprochen, was meinem schlechten Bauchgefühl noch mehr Platz gibt: Den Widerspruch einerseits Autoren sehr zu schätzen und andererseits für ihre Arbeit nichts zu zahlen.

Ich habe bisher keinen Hehl daraus gemacht, dass Autoren von mir nicht reich werden und ich quasi nur durch meine “Blogwerbung” für ihr Überleben kämpfe. Aber mir persönlich reicht das nicht mehr. Ich möchte mit diesem Blogbeitrag einen Schritt in die richtige Richtung gehen.

In den letzten fünf Jahren habe ich beobachten müssen, dass viele Blogs nur deshalb entstehen, weil man “damit ja so gut an Freiexemplare kommt”. Das kotzt mich an! Sorry. Und ich bin in Teilen nicht besser – oder fühle mich eben nicht besser! – wenn ich es genauso mache.

Daher werde ich ab sofort keine Frei- bzw. Rezensionsexemplare mehr von Verlagen anfordern. Ich möchte für meine Bücher bezahlen. Damit Autor/innen sich nicht mehr unter Wert verkaufen müssen!

Punkt.  
© Ricarda Ohligschläger

Und wer sich jetzt immer noch fragt, warum ich so und nicht anders handele darf sich gerne diesen Artikel ansehen:

Wie man sich mit Anstand bestehlen lässt

Nachtrag vom 05.01.2015
Es sind mittlerweile ein paar Tage „ins Land“ gezogen und ich habe sowohl positive als auch negative Resonanz auf diesen Blogbeitrag erhalten. Ich habe gegrübelt und nachgedacht, sogar überlegt diesen Blog zu löschen und alles hinzuschmeißen, weil ich irgendwie das Gefühl von „wie man es macht, macht man es verkehrt“ hatte.

Fakt ist, dass ich weiterhin lese werde und auch keine Leseunlust hatte. Ich habe auch nie Bücher lesen MÜSSEN, die ich nicht lesen wollte, denn ich hatte ja bisher immer die freie Wahl. Ich wurde in den letzten Jahren großartig von Verlagen unterstützt. Sei es mit Rezensionsexemplaren für mich oder Verlosungsexemplare für die Aktion „Leser fragen – Autoren antworten“ und ich möchte diese Zusammenarbeit nicht missen. Aber man kann auch zusammenarbeiten, wenn man eben keine Rezensionsexemplare bezieht. So sehe ich das und so sehen das hoffentlich auch die Verlage.
Außerdem möchte ich niemandem vor den Kopf stoßen, denn es fiel in einer Mail sogar der Begriff „ein Schlag ins Gesicht“.
Aber ich muss mich doch auch gut fühlen bei all dem was ich mache, oder nicht?

Jemand schrieb, dass die Autoren ja eh nur einen Bruchteil des Buchpreises als Honorar erhalten würden. Andere Meinungen gingen dahin, dass ich mir durchaus als Blogger das Recht nehmen dürfte die Bücher als Honorar anzusehen. Nehmen wir das doch einmal als Beispiel für folgende Rechnung:

Ein Autor schreibt an einem Buch – ich nehme jetzt Mal ein pauschales Beispiel – sechs Monate. Recherche, Vorbereitung etc. lasse ich mal außen vor. Das Buch hat ca. 320 Seiten. Ich lese dieses Buch in 4 Stunden (ja, ich lese schnell, wenn ich richtig gut drauf bin!). Für die Rezension brauche ich – je nach dem – ca. 1 Stunde. Das Buch kostet im Laden 8,99 Euro. Die kann ich mir sparen, da ich das Buch ja als Freiexemplar erhalte.

8,99 Euro also für mich – für ca. 5 Stunden Arbeit und für den Autor 0,50 Euro für sechs Monate Arbeit – wenn ich das Buch denn kaufen würde. Merkt ihr was? Oder habe ich einen Denkfehler?

Daher bleibe ich bei meiner Meinung. Anfordern ist nicht mehr!

Sollte aber jemand von sich aus wollen, dass ich sein Buch lese – und ich beziehe mich hierbei auf die lieben Mails, die mir in den letzten Tagen zukamen -, dann schreibe er/sie mir eine Mail mit einer Anfrage. Ich werde dann so schnell wie möglich antworten (es gibt nur „ja“ oder „nein“) und hoffe, dass das ein guter Kompromiss ist für all die netten Kontakte, die in den letzten Jahren entstanden sind, die vielfältigen Büchen die ihr da draußen schreibt und für mein Bauchgefühl.