Bettina Hennig – Ich bin dann mal vegan

Grundsätzlich kann ich mir ein Leben ohne Fleisch, Käse und all die anderen tierischen Produkte nicht vorstellen, aber  ich bin begeisterte Hobbyköchin und vegetarischen und veganen Produkten definitiv nicht abgeneigt. Ich experimentiere sehr gerne in der Küche und Fleisch ist für mich eher ein problematisches Lebensmittel, was aber bei mir mit meiner Magenverkleinerung zu tun hat. Schmecken tut es mir immer noch – das gebe ich zu!

Bettina Hennig kenne ich persönlich und habe ihr „spezielles Essverhalten“ im Rahmen der DeLiA – Literaturtage bewusst wahrnehmen dürfen. Das sah so aus, dass sämtliche Gäste und Teilnehmer dieses Treffens schon aßen, während Bettina geduldig auf ihr Tomatensüppchen – oder was auch immer – wartete.

Nicht nur deshalb wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Für mich stellte sich ebenfalls die Frage warum „sich jemand das antut“, was ihn dazu bewegt hat und ja, auch was „man da noch so isst“. Ich bin natürlich nicht ganz jungfräulich diesbezüglich. In meinem Kochbuchregal sind auch verschiedenste Kochbücher über vegetarische Küche und, dass vegan nicht nur Obst und Gemüse zu essen bedeutet ist mir auch bewusst. Ich selbst liebe beispielsweise Tofu oder lasse für ein tolles Risotto alles stehen und liegen.

Bettina Hennig beschreibt in „Ich bin dann mal vegan“ nicht nur wie sie zu dieser Ernährungsform fand, sondern auch wie sich ihr Alltag damit gestaltet. Ein Eis in der Sonne bei 35°C – ausgeschlossen!

Der für mich interessantere und bei weitem erschreckendere Teil des Buch war jedoch der, der mir bewusst machte was ich da eigentlich Tag für Tag auf meinem Teller, in der Hand und im Mund habe. Ja, mir war bisher auch schon klar, dass ich tote Tiere auf unserem Grill, in der Pfanne oder im Herd habe – aber das männliche Küken beispielsweise auf grausamste Art und Weise „aussortiert“ werden wie Müll, nun das hatte ich zwar mal gehört, aber genau so schnell wieder verdrängt! Ich habe genauso noch nie über Bienenvölker oder den Unterschied zwischen Bodenhaltung und Freilandhaltung nachgedacht.

Ich muss an dieser Stelle der Autorin aber ein großes Kompliment aussprechen, denn nie versucht sie zu missionieren oder erhebt gar den Zeigefinger – höchstens mal ein Plakat. Die Schreibweise ist sogar sehr humorvoll und lässig.
Und trotzdem ist es ihr gelungen bei mir ein neues Bewusstsein zu schaffen. Nein, ich werde mich nicht aber sofort vegetarisch oder gar vegan ernähren, aber ich muss kein Fleisch für 3,99/Kilo kaufen! Ich für meinen Teil habe nach der Lektüre des Buches beschlossen bewusster mit tierischen Lebensmitteln umzugehen, denn ich bin der Meinung, dass man auch im Kleinen etwas tun kann – und wenn es nur für mich ist.

Bettina Hennig gelingt in diesem Buch ein grandioser Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und guter Unterhaltung. Sie berichtet von Demos, Lebensmittelrettern, Recherchen in Zucht- und Mastbetrieben und versnobten Hamburgern.

Danke Bettina für die vielen Denkanstöße, die gute Unterhaltung und den Mut die Augen da zu öffnen wo andere sie verschließen. Chapeau!
© Ricarda Ohligschläger

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Also für mich wäre eine dauerhaft vegane Ernährung überhaupt nichts! ABER: Selbst isst man doch öfters vegan, ohne sich dessen bewusst zu sein – z.B. wenn man Nudeln (natürlich keine Eiernudeln!) mit einer einfachen Tomatensoße isst. Tofu – naja – ziemlich geschmacksneutral, daher vielseitig einsetzbar, aber schon aus gesundheitlichen Gründen nicht für jeden geeignet – mein Mann müsste da sehr vorsichtig sein. Neulich habe ich tatsächlich mal eine vegane Bolognesesauce getestet, und auch meinem Mann hat sie geschmeckt. Manche Lebensmittel lehne ich sowieso ab: Hummer, Gänsestopfleber und Stubenküken kommen mir nicht auf den Teller. Ich habe auch ein veganes Kochbuch und die Gerichte darin lassen einem schon das Wasser im Munde zusammenlaufen.

    LG,
    Heidi, die Cappuccino-Mama

  2. Rebecca K. sagt:

    Ganz Vegan wäre für mich nichts, aber wir essen so oder so eher wenig Fleisch.
    Gut es gibt immer wieder Phasen da kommt es fast täglich auf den Tisch und dann wieder wochenlang nicht.
    Mit Hühnchen habe ich schon seit gut 14 Jahren ein Problem, da kam ein Bericht im Fernsehen wie die armen Tiere vergast wurden und seit dem ist es hier bei mir aus.
    Als wir noch in Baden-Württemberg gewohnt haben, sind wir extra weiter gefahren und haben unser Fleisch auf der Schwäbischen Alb geholt, da gab es ein ganz spezielles Label die auch für ihre Tierhaltung ausgezeichnet sind und zwar sind dies“ Neuland Höfe“, die sind zwar teurer aber das Fleisch ist eben keine Massenzucht.
    Wenn wir hier die Möglichkeit hätten, woanders als im Supermarkt einzukaufen um Fleisch oder Wurstwaren zu bekommen, würden wir dies tun, doch leider ist der Metzger am Ort nicht der Beste und auch der im Nachbarort sagt uns so nicht zu, aber wir suchen trotzdem immer noch weiter.
    Du hast mit deiner Rezension jedenfalls Lust auf das Buch gemacht und ich werde es mal im Auge behalten um es zu lesen.

    Viele Grüße
    Rebecca

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